InterviewZeitzeugen: Andreas Beck über die Nullerjahre in Stuttgart Die Terrorangriffe auf das World Trade Center

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)
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Sie waren 14, als die Flugzeuge am 11. September 2001 in die Zwillingstürme rauschten. Wissen Sie noch, wo Sie zu diesem Zeitpunkt waren?
Ja, wir waren mit der Fahrgemeinschaft unterwegs, im Auto. Das habe ich noch ganz genau vor Augen: Der Papa unseres damaligen Torhüters ist gefahren. Das muss auf der B 29 auf der Strecke irgendwo bei Schorndorf gewesen sein. Am nächsten Tag gab es eine Schweigeminute in der Schule und der Lehrer hat versucht, die Terrorattacke zu erklären.
Andreas Beck bei den Euro U21 im Jahr 2009. Foto: AP
Haben Sie die Dimensionen dieses Ereignisses damals schon begriffen?
In dem Moment nicht. Später dann schon. Auch, was mit diesem Angriff alles begründet wurde, wo man einmarschiert ist, der Krieg gegen den Terror. Das sind Dinge, die spiegeln sich wieder. Max Herre nimmt in seinem Lied „Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“ schon Bezug darauf, wie die USA in den Putsch in Chile verwickelt waren. Mit dem Kampf gegen den Terror werden politisch viele Dinge legitimiert. Auch heute noch.
Zum Beispiel das mögliche Durchleuchten von Bürgern im Internet. Das Netz feierte in den Nullern seinen endgültigen Durchbruch. Können Sie sich noch an die Zeit vor dem Internet erinnern?
Ja, mein erstes Handy hatte noch kein Internet, auf dem Teil habe ich das Spiel Snake in Schwarz-Weiß gezockt. Mein Kumpel hatte aber schon Internet, ein furchtbar langsames Modem, das immer dieses quietschende Geräusch gemacht hat. Und die Telefonleitung war blockiert, wenn man online gehen wollte. Es hat eine halbe Stunde gedauert, bis eine Seite geöffnet war, und dennoch hat man es total abgefeiert. Es war so cool. Wir sind in jeder freien Minute zu ihm und haben über Filesharing-Börsen versucht, Lieder illegal herunterzuladen. Leider hat es immer zu lange gedauert, dann haben wir es wieder gelassen.
Würden Sie sich als „Digital Native“ bezeichnen?
Der digitalen Welt gegenüber bin ich grundsätzlich aufgeschlossen. Ich war schon immer ein Apple-Fanboy, der die nächste Keynote von Steve Jobs kaum erwarten konnte. Keine Ahnung, warum da bei mir die Euphorie steigt, da bin ich schon damals ein kleiner Nerd gewesen. Damals waren Google und Apple schon sehr mächtig. Ich habe andererseits aber immer noch meinen Saab 900. Der steht bei meinen Eltern in Heidelberg
Da bin ich ja froh, ich dachte schon, den hätten Sie dem Technikmuseum in Sinsheim vermacht.
Nein, nein. Es hätte nur keinen Sinn gemacht, das Auto mit nach Istanbul zu nehmen. Auf jeden Fall habe ich ein Faible für Holz, alte Dinge, Altbau, auf der anderen Seite bin ich aber auch immer ganz gespannt auf das neueste iPhone. Ich mag auch die Playstation 4. Dinge, bei denen man im Alltag mal abschalten kann.




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