InterviewZeitzeugen: Andreas Beck über die Nullerjahre in Stuttgart Die Jugendhelden Strachi und Schowi kennengelernt

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)
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In Hip-Hop-Kreisen erzählt man sich eine hübsche Anekdote: Bei der Meisterfeier des VfB im Jahr 2007 haben Sie Schowi von Massive Töne seine eigenen Texte vorgerappt.
Ich habe die Texte nicht vorgerappt. Wir waren aber natürlich alle gut drauf. Das war mein erster Kontakt zu Strachi und Schowi. Die kannten mich und ich war davon völlig geflasht, weil ich ja sie kannte. Da kam dann eins und eins zusammen. Mit Strachi habe ich bis heute Kontakt, die Beziehung ist richtig gewachsen.
Andreas Beck bei der A-Jugend. Foto: Baumann
Johannes Graf von Strachwitz, wie Strachi bürgerlich heißt, und Jean-Christoph „Schowi“ Ritter waren zwei der wichtigsten Protagonisten der Stuttgarter Hip-Hop-Szene.
Für mich war es das coolste, meine Jugendhelden kennenzulernen, die mich mitgeprägt haben durch die Szene und ihre Texte. Auf einmal lernte ich dann auch noch Max Herre kennen und Afrob, das war eine sehr coole Zeit. Ich bin mit Max Herres Label-Pullover herumgelaufen auf dem Rathausplatz und er saß vor dem Scholz. Das war mir dann fast ein bisschen peinlich.
Stichwort Texte. Sie haben ein Faible für Literatur. Ging das auch in den Nullerjahren los?
In den Nullerjahre war ich zwölf bis 22. Richtig angefangen mit Lesen habe ich, als ich mit dem Abi fertig war. Mit 17, 18, 2004, 2005 habe ich eine Leidenschaft dafür entwickelt. Da hatte ich mehr Zeit, musste mehr Zeit im Bus oder im Hotel verbringen. Damals hatte man noch kein iPad und keinen Laptop und wenn, dann hat der fünf Kilo gewogen.
Wie sind Sie zur Literatur gekommen?
Ich hatte Leute in meinem Umfeld, bei denen ich mir überlegt habe, wie kann der so was sagen, wie kommt der auf so Dinge? Die haben dann geantwortet, „das habe ich gelesen“. Einer meiner bis heute besten Freunde hat mir dann einfach mal ein paar Bücher in die Hand gedrückt. Und wenn mein Papa abends mal ein Buch gelesen hat, hat er das bis zum Exzess getrieben. Das hat mich sehr geprägt.
Sie haben sich dann an die klassische Literatur gewagt?
Nein, ich war nie der große Roman-Leser, mich haben Sachbücher über Finanzen, übers Denken, übers Ego interessiert, Biografien oder Aphorismen-Sammlungen. Bodo Schäfer war mein Einstieg. Ich habe damals mein erstes Geld verdient und er hat reflektiert über Geld geschrieben. Das hat mich fasziniert.
Bei Schäfer sind Sie aber nicht hängen geblieben.
Nein. Mein Bruder hat dann ein Buch von Nietzsche gelesen, „Ecce homo: Wie man wird, was man ist“. Die gesammelten Zitate fand ich so geil, das war ein Denken, das für mich zu diesem Zeitpunkt komplett neu war. Das flasht mich bis heute. Ich habe alle Bücher von ihm. Das heißt aber nicht, dass ich nur Nietzsche lese. „Also sprach Zarathustra“ habe ich dreimal angefangen, bin dreimal nicht über das erste Drittel hinausgekommen und habe es dann erst mit dem Hörbuch fertig geschafft.
Was lesen sie heute?
Heute lese ich viel über Biochemie, Ernährungslehre, da schließt sich der Kreis: Denn es geht eben nicht nur um den Geist, sondern auch um den Körper – alles gehört zusammen.




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