Zentrum für Künstliche Intelligenz AI xpress geht in Böblingen an den Start

Haben das Zentrum auf den Weg gebracht (v.l.): Wolfgang Vogt (Senioren der Wirtschaft), Hans-Ulrich Schmid (Softwarezentrum), Harald Grumser (Compart), David Timm (Leiter) und Lisa Weiler (Centermanager) Foto: Eibner/Tasi

In den Hallen des insolventen Anlagenbauers Eisenmann im Röhrer Weg in Böblingen ist binnen Monaten etwas ganz Neues entstanden: Ein Zentrum namens AI xpress bietet Gründern, Studenten und Schülern ein Forum für Künstliche Intelligenz.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Böblingen - Die Zukunft betritt die Halle durch den Seiteneingang. Mit blauen Leuchtaugen blickt der 2,40 Meter große Roboter Nox grimmig in die Menge. Dann schreitet er schweren Schrittes auf die Menschen zu, verbeugt sich ungelenk, versucht einen Witz mit seiner tiefen Computerstimme. Ist das ein Mensch? Oder eine Maschine? Genau um die Frage ging es am Dienstagabend im ehemaligen Bildungszentrum des insolventen Anlagenbauers Eisenmann im Röhrer Weg in Böblingen. Dort feierte das Zentrum AI xpress Eröffnung mit über 200 geladenen Gästen.

 

AI steht für Artificial Intelligence, englisch für Künstliche Intelligenz (KI), einem Bereich der Informatik rund um die Automatisierung intelligenten Verhaltens. Dort, wo bis vor rund zwei Jahren noch das Unternehmen Eisenmann seine Ingenieure fortbildete, sollen sich in Zukunft auf über 1000 Quadratmetern Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Start-ups tummeln, ausprobieren und vernetzen.

Künstliche Intelligenz greifbar machen

„Ziel ist es, Innovation mit Künstlicher Intelligenz vor Ort erlebbar und mit praktischen Anwendungen greifbar zu machen“, schreiben die Macher zur Eröffnung. Schulklassen sollen die Bereiche Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften vermittelt bekommen, auf einem sogenannten Makerspace im Obergeschoss. Start-ups können ähnlich wie im Softwarezentrum günstige Flächen anmieten und erhalten neben Schulungsangeboten auch Hilfe bei der Investorensuche oder den vielen Fragen, die Gründer in den ersten Unternehmensjahren umtreiben. In einem sogenannten Co-Working-Space entstehen Arbeitsplätze, die auf Zeit bezogen werden können. Auch dahinter steht der Netzwerk-Gedanke: Eigentlich fachfremde Experten vernetzen und bereichern sich mit ihrem Wissen.

AI xpress ist eine Initiative des Softwarezentrums Böblingen/Sindelfingen. Binnen Monaten ist es dessen geschäftsführendem Vorstand Hans-Ulrich Schmid und dem Beiratsvorsitzenden Harald Grumser gelungen, gemeinsam mit Wolfgang Vogt, dem Vorstand der Senioren der Wirtschaft, das Zentrum in den Böblinger Eisenmann-Hallen aufzubauen. Geleitet wird es von David Timm, Lisa Weiler übernimmt das Center- und Eventmanagement. „Damit erhält das Softwarezentrum, das derzeit 110 IT-Unternehmen mit 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umfasst, einen neuen Satelliten mit glänzenden Zukunftsaussichten“, sagt Schmid. Erste Start-ups hätten sich schon eingemietet.

1,2 Millionen kommen vom Landkreis

Möglich wurde das vor allem durch die großzügige Unterstützung des Landkreises. Der Kreistag gab erst im Mai dieses Jahres 1,2 Millionen Euro für das Projekt frei. Landrat Roland Bernhard sagte auf der Eröffnungsfeier: „Wir hoffen, dass vor allem sehr junge, hochschulnahe Startups von dem Konzept profitieren. Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen sind eingeladen.“ Eng verknüpft werden soll das Zentrum auch mit dem bereits in Böblingen ansässigen KI-Labor der Region Stuttgart innerhalb des Zentrums für Digitalisierung und des Herman-Hollerith-Zentrums.

Als Vertreter der Standort-Kommune Böblingen war auch Oberbürgermeister Stefan Belz voll des Lobes für AI xpress: „Ich möchte die klügsten Köpfe nach Böblingen lotsen.“ Es gebe viele Wirtschaftsbereiche, die nach KI lechzten. Sei es die Logistik, Medizintechnik, der Maschinenbau und nicht zuletzt die Automobilindustrie. Böblingen war bereits gewillt, fünf Millionen Euro in einen KI-Innovationspark am Rande des Gewerbegebiets Hulb zu investieren. Die Stadt hatte sich gemeinsam mit den Regionen Stuttgart, Karlsruhe und Neckar-Alb um eine 50-Millionen-Förderung aus der Landeskasse beworben. Den Zuschlag des Landes erhielt dann allerdings die Stadt Heilbronn. Belz: „Wir wollen uns davon nicht entmutigen lassen und das aufgebaute Netzwerk trotzdem nutzen.“

Für die bereits im Etat reservierten fünf Millionen Euro suche man derzeit „einen neuen Rahmen.“ Denn: AI xpress soll nur der erste Schritt sein, die Künstliche Intelligenz viel stärker rund um Böblingen anzusiedeln. Angedacht sind auch Zentren mit dem Namen AI transform und AI vision. Was sich dahinter verbirgt, wollte Stefan Belz noch nicht verraten.

Den ersten Bewohner kann AI xpress auch schon präsentieren. Im ersten Obergeschoss steht der Jungunternehmer Clemens Rieth an einer Werkbank und hält ein stabiles, schwarzes Plastikteil in die Höhe, in dem in schwarzen Lettern „AI xpress“ eingraviert steht. Es entstand binnen Minuten an einem der 3D-Drucker der noch jungen Firma Celekohr. Sie wurde erst in diesem Jahr von den beiden Böblingern Clemens Rieth und Florian Kopp gegründet und sucht derzeit nach Investoren.

Künstliche Intelligenz

Definition
AI steht für Artificial Intelligence, der englische Begriff für Künstliche Intelligenz (KI). Er umschreibt ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens und dem maschinellen Lernen befasst.

Hilfe bei Entscheidungen
Computerprogramme sollen so gestrickt sein, dass sie eigenständig intelligente Entscheidungen treffen können, die bisher dem Menschen vorbehalten waren. Beispielsweise sollen sie gesprochene Sprache verstehen und daraus sinnvolle Befehle ableiten oder per Kamera Gegenstände als solche identifizieren.

Maschinelles Lernen
Höher entwickelte Software lernt dabei sogar kontinuierlich dazu und wird immer schlauer, deren Entscheidungen immer zuverlässiger.

Zukunftsbranche
Der KI als Wirtschaftszweig wird ein enormes Wachstumspotenzial zugemessen. Immer mehr Anwendungen basieren künftig auf intelligenter Software; sei es der Kühlschrank, der selbst Lebensmittel nachbestellt oder das selbstfahrende Auto.

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