Diese wundersame Maschine, die nur wenige hundert Meter entfernt in einem streng abgeschirmten Raum aufgebaut steht. Deren Herzstück ist ein Chip, der kaum größer ist als ein Daumennagel und gekühlt werden muss auf minus 273 Grad Celsius. Deshalb steckt er in einem schwarzen Glaskasten so groß wie ein Kleintransporter und darf nur durch eine Glasscheibe betrachtet werden. Nur wenige Menschen verstehen wirklich, wie die Technologie im Kern funktioniert. Viele aber ahnen, dass ihr eine große Zukunft bevorsteht und sonnen sich gern in ihrem Glanz – allen voran Politiker.
Schon zur Eröffnung im vorigen Jahr kam Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), danach noch CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Olaf Scholz (SPD) wollte auch kommen, sagte aber kurz vorher ab. Zur Einweihung war die damals noch amtierende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) live aus dem Kanzleramt zugeschaltet und hielt dabei ein Modell des Quantencomputers in der Hand. Falsch herum allerdings, was beweist, dass selbst eine promovierte Physikerin nicht per se weiß, was es mit diesem Computer genau auf sich hat.
Alle warten auf den Ministerpräsidenten
Kretschmann war am Dienstag erneut angekündigt, was die Nervosität in dem Vortragssaal links hinter dem IBM-Haupteingang merklich steigen ließ. Denn, klar: Der Landesvater saß natürlich nicht von Anfang an im Publikum, sondern betrat erst kurz vor seinem Redebeitrag den Raum. Zuvor betonten die Referenten unisono die enorme Bedeutung und den großen Quantensprung, den dieses neue Q.AX für Ehningen, Baden-Württemberg, Deutschland, ja ganz Europa bedeute.
Von Anfang an kooperiert die IBM beim Quantencomputer mit dem Fraunhofer Institut. Dieses versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie und forscht in den Anwendungsfeldern dieser Technologie. Die liegen vor allem in der Optimierung von Prozessen, für deren Berechnung herkömmliche Computer Wochen oder gar Monate brauchen, der Quantencomputer jedoch nur wenige Sekunden. Die Verbindung mit Künstlicher Intelligenz erlaube sogar noch größere Sprünge.
Ehningen reiht sich ein zwischen Basel und Santa Barbara
Der Computer und das Q.AX katapultierten Ehningen also an die Spitze der technologischen Entwicklung, hieß es. Der kleine Ort soll sich einreihen zwischen Zentren wie das Woven City in Japan, den Google Quantum AI Campus in Santa Barbara oder Uptown Basel in der Schweiz. „Mit dem Q.AX entsteht ein Raum, in dem ein Dialog und Austausch stattfinden kann, um diese neuen Technologien für Unternehmen zugänglich zu machen und damit schnell in die industrielle Anwendung zu bringen“, sagte Katharina Hölzle, Leiterin des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation.
Wie genau das in Ehningen vonstattengehen soll, wollte Moderator und IBM-Marketing-Chef Daniel Unkelhäußer von ihr wissen. „Wir wollen, dass möglichst viele hierherkommen und ihre Fragen mitbringen: Unternehmen, Start-ups, Forscher“, sagt Hölzle. „Wie das genau aussehen soll, weiß ich noch nicht.“
Gerade das sei aber gewollt: Das Q.AX als interdisziplinäres Zentrum, als Ökosystem und Biotop, bei dem man noch nicht genau wisse, wie es funktioniere. Nur, dass sich die Akteure „auf eine gemeinsame Sprache“ einigen sollen, gemeinsam an Problemen arbeiten und idealerweise Lösungen finden. Große Visionen standen damit im Raum, denen weder der Ministerpräsident, noch der Ehninger Bürgermeister Lukas Rosengrün widersprechen mochten.
Ehningen als Leuchtturm
„Wir wollen, dass Baden-Württemberg sich als einer der führenden Standorte für Quantentechnologie in Europa etabliert. Der Innovationscampus Quantum Gardens in Ehningen ist dabei eines der Leuchtturmprojekte“, sagte Kretschmann. „Das frühzeitige Stellen der kommunalpolitischen Weichen und die gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten ermöglichen es uns heute, hier in Ehningen den Grundstein für ein innovatives Hightech-Ökosystem zu legen“, sagte Rosengrün.
Ein wenig Wasser in den Wein goss am Ende allerdings der Redner Peter Leibinger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Werkzeugbauers Trumpf. „Es ist eine gigantische Erwartungshaltung entstanden, die auf jeden Fall enttäuscht werden wird“, sagte er. Die Entwicklung hin zu nutzbaren Lösungen werde „viel länger und viel teurer, als wir es uns alle wünschen.“ Trotzdem müsse man diese vorantreiben. „Wir müssen die Erwartungen, die wir erwecken, auch durchhalten“, sagte er. Was bisher nur ein Forschungsthema sei, brauche jetzt „konkrete Ziele, einen konkreten Fahrplan“. Dazu seien Partnerschaften notwendig, die mit etablierten Schemata brechen und Menschen zusammenbringen. Also in etwa das, was mit dem Q.AX in Ehningen jetzt entsteht.
IBM in Ehningen: Neues Quartier auf dem Frühjahrsempfang
Quantum Gardens
Nicht nur die IBM baut derzeit in Ehningen ihre neue Deutschlandzentrale. Nebenan entstehen die „Quantum Gardens“, ein innovatives Quartier des Investors Ozean Group, das Wohnen, Arbeiten und Leben vereinen soll.
Frühjahrsempfang
Am Sonntag, 23. April, lädt Ehningens Bürgermeister Lukas Rosengrün die Bürgerinnen und Bürger in die Turn- und Festhalle ein, um einen Rückblick über die vergangenen drei Jahre und einen Ausblick auf die kommenden Projekte zu geben.
Siegerentwurf
Höhepunkt des Empfangs wird die Präsentation des Siegerentwurfs des städtebaulichen Wettbewerbs für das IBM-Areal, das vom kommenden Jahr an in die Quantum Gardens verwandelt werden soll. Auf neun Hektar Fläche sollen 450 Wohnungen entstehen sowie Gewerbeflächen und Freizeitangebote.
Programm
Um die musikalische Umrahmung kümmern sich der Ehninger Musikverein sowie der Bariton Johannes Held mit einem Beitrag. Beginn der Veranstaltung ist um 16 Uhr.