Zirkus in Filderstadt Ein Zirkusjunge eroberte ihr Herz
Eine Echterdingerin verliebt sich als Teenager in einen Akrobaten. Heute wohnen sie zusammen in einem Wohnwagen und reisen mit der Zirkusfamilie quer durch Deutschland.
Eine Echterdingerin verliebt sich als Teenager in einen Akrobaten. Heute wohnen sie zusammen in einem Wohnwagen und reisen mit der Zirkusfamilie quer durch Deutschland.
Sabrina Frank war bereits als Kind vom Zirkus begeistert. Mittlerweile hat die Echterdingerin dort ihre große Liebe gefunden. Ein Leben in einer Wohnung oder einem Haus kann sich die 35-Jährige heute kaum noch vorstellen. Mit ihrem Mann Giuliano und ihren beiden Töchtern Malia (9) und Kiana (4) wohnt sie in einem Wohnwagen und tourt mit dem Zirkus Bravissimo durch Deutschland. Aktuell hat die Zirkusfamilie, zu der auch Walter Frank mit Frau Jessica und deren Kinder gehören, in Filderstadt ihre Zelte aufgeschlagen.
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„Besonders gefällt mir das Reisen und frei zu sein“, sagt Sabrina Frank. Man sei viel an der frischen Luft und lerne viele interessante Menschen kennen, ergänzt sie. Auch, dass ihre Kinder so früh schon Kontakt mit Tieren hätten und Verantwortung lernten, finde sie gut.
Kennengelernt haben sich Sabrina und Giuliano bei einer Zirkusvorstellung. Er war damals gerade einmal elf und sie 14 Jahre. Schon damals gastierte die Zirkusfamilie oft auf den Fildern und in der Region Stuttgart. „Wir waren zu der Zeit viel in Baden-Württemberg unterwegs“, sagt Giuliano, der mit seinem Bruder Walter den Zirkus Bravissimo in der achten Generation führt. Die beiden Jugendlichen freundeten sich an. „Sabrina ging immer wieder zu Vorstellungen und war auch tagsüber oft da“, erinnert sich ihr heutiger Ehemann.
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Auch wenn es Zeiten gab, in denen sie sich wenig sahen, so hielt der Kontakt dennoch über Jahre an. „Aus Freundschaft wurde irgendwann Liebe“, sagt die zweifache Mama. Mit 21 Jahren fasste sie dann den Entschluss, mit der Zirkusfamilie mitzuziehen. Heimweh habe sie anfangs schon auch mal gehabt, aber sie sagt: „Ich bin schon als Kind gern gereist. Mein Zuhause ist da, wo mein Mann und meine Kinder sind. Meine Heimat aber ist Echterdingen.“
Doch was macht man als „Neigschmeckte“ im Zirkus eigentlich? „Ich war schon immer sportlich und habe als Kind oft Handstand und Radschlag geübt“, erzählt die 35-Jährige. Und so entdeckte sie als Teenager, dass sie Talent für Hula-Hoop hat. Ihre erste Nummer hatte sie fertig einstudiert, noch bevor sie mit dem Zirkus loszog, sagt Sabrina Frank und lacht. Heute steht sie mit ihrer Hula-Hoop-Akrobatik, einer Clown-Nummer und als Ansagerin in der Zirkusmanege. „Sie macht das sehr gut und kann richtig mitanpacken“, lobt Giuliano Frank.
Giuliano Frank ist ein echtes Zirkuskind. „Ich wurde in den Zirkus reingeboren“, sagt er. „Es ist ein Beruf, der viel Arbeit mit sich bringt, den man eher nicht wählt, wenn man nichts damit zu tun hat“, verrät er und lächelt. Doch der 32-Jährige kann sich kein anderes Leben vorstellen. Er wuchs im Zirkus auf und zieht auch heute noch von einem Ort zum anderen. Seit dem Jahr 1812 existiert der Zirkus Bravissimo bereits.
Von klein auf war er mit seinem Bruder Walter in der Manege. Erst als Clown, dann als Akrobat, später als Kunstreiter, Tellerjongleur und Messerwerfer. Auch Tierdressuren mit Hunden, Kamelen und den Bauernhoftieren hat er in seinem Repertoire. Knapp 60 Tiere gehören zur großen Zirkusfamilie, darunter zwei Kamele, eine Kuh, Ziegen, Hunde, Hühner, Ponys, Gänse und Reptilien. Wenn die zwölf Jahre alte, stattliche Kuh Tanja keinen Auftritt hat, grast sie vergnügt auf der Wiese neben den friedlichen Kamelen Tara und Laila, die gerade ihr langes Winterfell gegen eine schicke Kurzhaarfrisur eintauschen. Die Hunde spielen und toben in ihrem Auslauf, die Hühner haben Freigang und picken im Gras.
„Damit Menschen, die nicht mehr so mobil sind, etwas vom Zirkuszauber mitbekommen, bieten wir auch Veranstaltungen für Altenheime oder andere Institutionen an“, erklärt Giuliano Frank. Aktuell packt sein Bruder Walter gerade den Transporter für den Besuch in einem Altenheim bei Pforzheim. Zäune, Futternäpfe, Badewanne und natürlich viele Tiere. Das Seniorenheim hat einen Streichelzoo bestellt. „Viele ältere Menschen blühen total auf, wenn wir mit den Tieren kommen“, erzählt Walter Frank. Einige hätten auch noch nie eine Schlange angefasst, berichtet er.
Doch was macht den oft 20-Stunden-Arbeitsalltag eigentlich so besonders? „Die Begeisterung der Zuschauer ist unbezahlbar. Wenn man sich in der Manege umschaut, und merkt, dass es allen gefallen hat. Das ist ein schönes Gefühl“, sagt Giuliano Frank. Und Sabrina ergänzt: „Es ist einfach schön, wenn man nach einer Vorstellung positive Rückmeldungen erhält. Viele hätten uns eine solche Show gar nicht zugetraut“, erklärt sie, weil sie ein so kleiner Zirkus seien.
Vorstellungen
Von Freitag, 24. Juni, bis Sonntag, 26. Juni, gastiert der Zirkus Bravissimo in Bernhausen an der Karl-Benz-Straße 23. Vorstellungen sind freitags um 15 und 18 Uhr, samstags um 17 Uhr und sonntags um 11 und um 15 Uhr. Weitere Infos unter der Hotline: 0177/882 50 00.
Programm
Zu den Höhepunkten gehören Europas artenreichste Bauernhofrevue mit mehr als 15 Tieren in einer Manege und eine große Zauber- und Illusionsshow.