Zug-Debakel im Kreis Böblingen Rollen die ersten Züge der Schönbuchbahn an Ostern 2024?
Der Landrat ist „vorsichtig optimistisch“, dass die Bremsenprobleme bei den neuen Triebwagen bis Dezember gelöst sind. Und wenn nicht?
Der Landrat ist „vorsichtig optimistisch“, dass die Bremsenprobleme bei den neuen Triebwagen bis Dezember gelöst sind. Und wenn nicht?
Im Böblinger Landratsamt lässt man nicht locker. Spätestens im Dezember 2023 sollen die ersten neuen elektrischen Triebwagen auf den Gleisen der Schönbuchbahn stehen: Mit Eisenbahnzulassung, mit TÜV-Stempel und bereit für die Schulung des Fahrpersonals. Die ersten Gäste könnten dann an Ostern 2024 in den eigens für die Schönbuchbahn entwickelten Fahrzeugen reisen. So lautet zumindest die Devise, die Landrat Roland Bernhard am Montag in der Sitzung des für die Schönbuchbahn zuständigen Zweckverbandes ausgegeben hat.
Damit wäre das Ende einer unendlichen Geschichte absehbar und die ersten von zwölf Fahrzeugen wären betriebsbereit –über zwei Jahre später als geplant, weil die diese vom spanischen Hersteller CAF mit Bremsen konstruiert worden sind, die für den Einsatz auf einer Nebenbahnstrecke nicht geschaffen sind.
Der Landrat machte aber ebenso deutlich, dass diese Ansage keineswegs einem Versprechen gleichkomme, sondern auch seinem Wesen als „Berufsoptimist“ geschuldet sei. Denn der vom Hersteller aufgestellte Zeitplan sieht derzeit noch etwas anderes vor: Die Auslieferung der ersten genehmigten Fahrzeuge erst im März 2024.
„Zu spät“, befand Roland Bernhard. Denn obwohl die Schönbuchbahn-Trasse bereits seit über drei Jahren elektrifiziert ist, fährt immer noch ein Großteil der alten Dieselzüge im Mischbetrieb mit geliehenen Elektrowagen. Ein Zustand, den der Zweckverband so schnell wie möglich beenden möchte. „Nicht mit der Brechstange“, wie der Landrat betonte, aber dennoch mit Druck auf den Hersteller. „Ich habe den Eindruck, CAF bemüht sich“, erklärte Bernhard. Daher sei er „vorsichtig optimistisch“, dass zumindest am Jahresende die erste Tranche, bestehend aus zwei Fahrzeugen, betriebsbereit auf den Schienen steht.
Dies wäre für die Bahnverantwortlichen ein wichtiger Schritt auf dem leidigen Weg zum Elektrobetrieb. Dann nämlich wäre zumindest klar, dass der 60-Millionen-Auftrag das Genehmigungsverfahren absolviert hat und das Fahrpersonal eingewiesen werden kann. Ein Prozess, der rund drei Monate in Anspruch nehmen wird.
Die übrigen zehn Fahrzeuge, so die Hoffnung, könnten dann nach und nach den Betrieb aufnehmen. Denn diese haben die Fabrikhallen im spanischen Saragossa schon längst verlassen und stehen in einem Depot auf dem Horber Bahnhof. Der Umbau des Bremssystems soll laut CAF über eine neue Software und die Anpassung der Elektronik stattfinden – Arbeiten, die vor Ort geleistet werden können.
Warten und hoffen – eine andere Wahl haben die Schönbuchbahn-Macher auch gar nicht. Der Probebetrieb mit anderen Fahrzeugtypen hat ergeben, dass keines der am Markt verfügbaren Modelle den Anforderungen der Schönbuchbahn gerecht wird und eine Neukonstruktion weitere sieben Jahre in Anspruch nehmen würde. Auch die Option, zusätzliche Elektrofahrzeuge bis dahin zu chartern, scheint kein gangbarer Weg: Derzeit gibt es nur Leihzüge, die bereits über 20 Jahre auf dem Buckel haben.
Auch wenn die neuen Fahrzeuge aus Spanien irgendwann alle auf dem Gleis sind, dürfte diese Geschichte noch lange nicht beendet sein: Dann wartet die juristische Auseinandersetzung darüber, wer für die Verzögerung und all die daraus folgenden Kosten verantwortlich ist.