Kommentar zur Zug-Entgleisung Klarheit

Von Markus Heffner 

Bei der Entgleisung eines Test-Zuges am Stuttgarter Hauptbahnhof hat es bei diesem Mal zwar keine Verletzte gegeben, trotzdem ist der Vorfall höchst alarmierend. Die Bahn muss schnell für Aufklärung sorgen, findet StZ-Redakteur Markus Heffner.

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Stuttgart - Die gute Nachricht vorweg: bei der neuerlichen Zugentgleisung im Stuttgarter Hauptbahnhof hat es diesmal keine Verletzten gegeben, was vor allem daran liegt, dass der IC auf einer Testfahrt und damit menschenleer unterwegs war. Und es mussten daher auch keine 200 Fahrgäste eine Stunde lang eingeschlossen ausharren, wie das beim Unfall Ende September der Fall war.

Davon abgesehen ist der erneute Zwischenfall höchst alarmierend. Erst am Montag hatte die Bahn erklärt, dass nach den Reparaturarbeiten an der ominösen Weiche wieder alle Gleise problemlos befahren werden können. Einen Tag später hüpfen dann schon wieder die Wagen aus den Schienen – genau an jener Stelle, an der auch die Züge zuvor ihren vorgegebenen Weg verlassen haben. Geplant war, den Beobachtern von den Aufsichtsbehörden per Versuchsfahrt vorzuführen, dass die Strecke wieder sicher ist – das exakte Gegenteil ist damit erreicht worden.

Zum Glück, muss man sagen. Zum einen haben die Bonner Sicherheitsexperten, die für die Freigabe der Anlage verantwortlich sind, nun mit eigenen Augen gesehen, dass der Wurm im Stuttgarter Gleisvorfeld steckt. Zudem sind weitere Unfälle mit Fahrgästen auszuschließen, weil das Unglücksgleis erst einmal gesperrt bleibt.

Schon deshalb sollten die Verantwortlichen der Bahn ein Interesse daran haben, die Ursachen umfassend und schnell aufzuklären und diese auch transparent darzulegen. Vieles deutet dabei darauf hin, dass bei den Umbauarbeiten für Stuttgart 21 aus Platzgründen die Radien der Schienen zu eng gesetzt wurden, und die Züge deshalb beim Herausschieben entgleisen. Die Kritiker des umstrittenen Bahnprojekts, die vor vielerlei Risiken warnen, sehen sich durch die Unglücksserie bestätigt. Die Bahn selbst sieht indes keinen Zusammenhang mit Stuttgart 21. Höchste Zeit, Klarheit zu schaffen.

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