Zulieferer aus Stuttgart Bosch gründet Joint Venture für Brennstoffzellen

Das Herzstück der Brennstoffzelle ist der Stack (Stapel). Den entwickelt Bosch in Europa derzeit mit dem schwedischen Spezialisten Powercell zur Marktreife und fertigt ihn anschließend in Serie. Foto: Bosch

Bosch investiert in die Fertigung von Brennstoffzellen und gründet ein Gemeinschaftsunternehmen in China. Der Stuttgarter Konzern will nun gemeinsam mit dem chinesischen Lkw-Hersteller Qingling Motors den chinesischen Markt aufrollen.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Stuttgart/Chongqing - Bosch macht einen weiteren Schritt, um der Brennstoffzelle als Alternativantrieb zum Durchbruch zu verhelfen. Der Stuttgarter Konzern hat gemeinsam mit dem chinesischen Nutzfahrzeughersteller Qingling M0tors das Gemeinschaftsunternehmen Bosch Hydrogen Powertrain Systems mit Sitz im chinesischen Chongqing gegründet. Wie Bosch mitteilt, soll das neue Unternehmen Brennstoffzellensysteme – sogenannte Fuel Cell Power Modules – für den chinesischen Markt entwickeln, montieren und vermarkten.

 

Dafür investieren die beiden Partner rund 100 Millionen Euro, 60 Prozent davon Bosch. Bereits in diesem Jahr soll eine Testflotte von 70 Qingling-Lkw mit dem Brennstoffzellensystem von Bosch auf die Straße kommen. Der Marktstart ist für 2022/2023 geplant.

„Wir nehmen bei der Industrialisierung der Brennstoffzelle jetzt im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt auf“, sagt der für die Mobilitätssparte verantwortliche Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung. Innovative Technologien und strategische Partnerschaften seien der ideale Treibstoff, um zügig das Ziel eines möglichst klimaneutralen Straßenverkehrs zu erreichen.

Bosch bringt in das Gemeinschaftsunternehmen seine Expertise in Brennstoffzellensysteme ein. Qingling verfügt als Premiumhersteller über eine komplette Produktpalette – von leichten über mittlere bis schwere Lkw – viel Know-how und jahrelange Erfahrung auf dem chinesischen Markt.

Bosch und Qingling arbeiten schon Jahre zusammen

Mit Qingling arbeitet Bosch schon seit Jahren in den Bereichen Kraftstoffeinspritzung und Abgasnachbehandlung zusammen. „Wir freuen uns, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Bosch fortzusetzen“, sagt Du Weidong, der Vorstandsvorsitzende von Qingling Motors. „Die neuerliche Kooperation stellt nicht nur einen Meilenstein auf dem Weg zur Industrialisierung der mobilen Brennstoffzelle dar, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der chinesischen Automobilindustrie.“

China ist der wichtigste Wachstumsmarkt für die Elektromobilität“, sagt Hartung. „Gerade bei großen, schweren Fahrzeugen, die lange Strecken zurücklegen, bietet die Brennstoffzelle klare Vorteile gegenüber dem batterieelektrischen Antrieb.“ Ziel sei, die Technologie- und Marktexpertise beider Partner zu bündeln und zur Entwicklung des Brennstoffzellen-Marktes im Land sowie zur Transformation der dortigen Automobilindustrie beizutragen.

Großes Marktpotenzial in China

Prognosen der China Society of Automotive Engineers (China-SAE) zufolge könnten in China bereits 2030 mehr als eine Million Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb zugelassen werden. So will Bosch Hydrogen Powertrain Systems möglichst alle chinesischen Fahrzeughersteller mit Brennstoffzellensystemen beliefern. Die dafür benötigten Komponenten wie zum Beispiel Brennstoffzellen-Stack, Luftkompressor mit Leistungselektronik sowie Steuergerät mit Sensoren kommen von Bosch überwiegend aus dem Werk in Wuxi. Dort startet in diesem Jahr die Kleinserienfertigung.

Bosch glaubt nach eigenen Angaben an eine Wasserstoff-Zukunft. In China hat der Technologiekonzern mit seinen Brennstoffzellen-Aktivitäten bereits Kompetenz in Forschung und Entwicklung aufgebaut und beschäftigt in dem Bereich rund 100 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurde das Brennstoffzellen-Zentrum in Wuxi errichtet. Nun gehe es darum, die notwendigen Fertigungskapazitäten für Komponenten vorzubereiten, die auch an das neue Gemeinschaftsunternehmen geliefert werden sollen, heißt es weiter.

Zusammenarbeit mit Powercell

Auch in Europa und Deutschland treibt Bosch die Industrialisierung der Brennstoffzelle weiter voran – unter anderem an den Standorten Bamberg, Homburg und Stuttgart-Feuerbach. Gemeinsam mit dem schwedischen Spezialisten Powercell entwickelt Bosch derzeit den Brennstoffzellen-Stack zur Marktreife, um ihn anschließend in Eigenregie von 2022 an in Großserie zu fertigen. Am Standort Feuerbach befinden sich der Prüfstand und die Entwicklung. Die Reichweite der wasserstoffbetriebenen Aggregate soll nach früheren Angaben bei 800 Kilometern liegen. Weil eine Brennstoffzelle nur wenig Energie erzeugen kann, werden viele davon in einem Stapel (Stack) verbunden. Bei höherem Leistungsbedarf in Nutzfahrzeugen wird die Anzahl der Stacks entsprechend erhöht.

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