Zulu-König baut Hanf an His Royal Highness

Von Johannes Dieterich 

Der traditionelle Führer der größten Bevölkerungsgruppe will den Cannabis-Boom für seine Untertanen nutzen. Und auch in anderen Ländern Afrikas suchen ausländische Investoren Partner für ein Joint Venture.

Zulu-König Goodwill Zwelithini (rechts)  fordert seine Untertanen auf, Marihuana anzubauen. Er ist das traditionelle Oberhaupt der größten Bevölkerungsgruppe Südafrikas. Foto: AFP/Rajesj Jantilal
Zulu-König Goodwill Zwelithini (rechts) fordert seine Untertanen auf, Marihuana anzubauen. Er ist das traditionelle Oberhaupt der größten Bevölkerungsgruppe Südafrikas. Foto: AFP/Rajesj Jantilal

Johannesburg - Der Zulu-König Goodwill Zwelithini, der sich wie jeder anständige blaublütige Herrscher mit „His Royal Highness“ (Königliche Hoheit) anreden lässt, macht seinem Titel alle Ehre. Der traditionelle Führer der größten Bevölkerungsgruppe Südafrikas forderte seine Untertanen jüngst auf, den grünen Goldrausch, der mit der teilweisen Legalisierung von Marihuana das Kap der Guten Hoffnung erfasst hat, nicht spurlos an sich vorüberziehen zu lassen: „Wir wissen, wie man Cannabis anbaut“, sprach der Monarch: „Wir sollten die Pflanze zu unserem wirtschaftlichen Wachstum nutzen.“

Der 71-jährige Chef-Zulu ging auch gleich mit leuchtendem Beispiel voran: Der königliche Ingonyama-Trust, der den kollektiven Landbesitz der Zulus verwaltet, will 150 Millionen Rand (etwa 8,7 Millionen Euro) und 75 Hektar Ackerfläche zur Verfügung stellen, um die boomende Hanfpflanze anzubauen. Auf diese Weise könnten mindestens 3000 Zulus als Pflanzer, Verarbeiter oder auch Marketing-Experten gut bezahlte Arbeit finden, weiß Gerard Naudé, Geschäftsführer von Go ­Life International, der mit dem königlichen Trust ein im wahrsten Sinne des Wortes Joint Venture eingehen will: „Schließlich wissen die Menschen hier schon seit Jahrzehnten bestens, wie man Cannabis anbaut.“

Eine beliebte Marihuana-Marke heißt „Gift aus Durban“

Tatsächlich weisen etablierte Marihuana-Marken wie die mit dem schönen Namen Durban Poison (Gift aus Durban) darauf hin, dass die um die Hafenstadt Durban herum gelegene KwaZulu-Natal-Provinz schon seit Langem zur Hochburg des Dagga-Anbaus gehört. Dagga – so pflegen die Südafrikaner das Rauschmittel zu nennen. Um Durban wird ein Großteil der 2000 Tonnen schweren jährlichen Hanfernte des Landes eingefahren.

Während Verstöße gegen das Dagga-Verbot von den einstigen weißen Herrschern des Landes noch strikt verfolgt wurde, entspannte sich der Eifer der Ordnungshüter nach dem Ende der Apartheid vor 25 Jahren: Zwelithinis Pendant beim Thembu-Volk, König Buyelekhaya Dalindyebo, räumte bereits vor acht Jahren öffentlich ein, die Wirkstoffe der „heiligen Pflanze“ regelmäßig zu sich zu nehmen. Erst im September des vergangenen Jahres hob Südafrikas oberstes Gericht das Dagga-Verbot auf . Allerdings nur zum privaten Konsum: Kiffen in der Öffentlichkeit und der Handel mit Dagga ist noch immer verboten.

Derzeit ist der Gesetzgeber damit beschäftigt, Produktion und Marihuana-Handel zumindest für medizinische Zwecke freizugeben, weswegen der weltweite grüne Goldrausch nun auch Südafrika erwischt hat. Selbst hochrangige Politiker wie der Premierminister der Ostkap-Provinz, Lubabalo Mabuyane, riefen ihre Landsleute auf, „ihre Köpfe aus dem Sand“ zu ziehen und die Gelegenheit beim Schopf zu packen: Vom Dagga-Anbau seien „Milliarden an Profiten, gute Beschäftigungszahlen und anständige Steuereinkünfte“ zu erwarten, befand der ANC-Hierarch. Schon heute wird der südafrikanische Cannabis-Markt auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Auch der bettelarme Zwergstaat Lesotho will mit Hanf Kohle machen

Den Rang hat dem afrikanischen Wirtschaftsriesen allerdings ausgerechnet sein bettelarmer Zwergstaat-Nachbar Lesotho abgelaufen. Das konstitutionelle Königreich legalisierte schon vor zwei Jahren den Hanfanbau: Der Bergstaat mit dem verlässlichen Regen, der strahlenden Sonne und den fruchtbaren Böden gilt als eine der besten Hanfregionen der Welt, Interessenten aus Industrienationen rennen der Regierung in Maseru die Türen ein. Für Lizenzen zum Cannabis-Anbau kann das Königreich deshalb Summen von 40 000 US-Dollar im ersten und weiteren 10 000 Dollar für jedes weitere Jahr verlangen: Beträge, die sich keiner der hei­mischen Bergbauern leisten kann. Das ­Geschäft mit der Heil- oder Unheilpflanze machen wieder einmal ausländische ­Konzerne.

Dasselbe Problem gibt es in anderen afrikanischen Staaten wie Simbabwe, Malawi oder Uganda. Obwohl der Marihuana-Konsum in den meisten dieser Staaten noch immer verboten ist, vergeben deren Regierungen bereits Lizenzen an ausländische Pharmakonzerne für saftige Gebühren. Kanadische und deutsche Unternehmen hätten in Uganda allein in diesem Juni Verträge zur Marihuana-Lieferung in mehrstelliger Millionenhöhe abgeschlossen, meldet die dortige Tageszeitung „Daily Monitor“: Die begehrten Blütenstände von Uganda Gold gingen im Wert von 100 Millionen Dollar nach Kanada und für 58 Millionen Euro nach Deutschland.