Zum Tod des Weltmeisters von 1990 Als Andreas Brehme mit dem Mister zum VfB Stuttgart kam

Andreas Brehme (li.) als Co-Trainer des VfB Stuttgart an der Seite von Giovanni Trapattoni. Foto: Baumann

Der deutsche Fußball trauert um Andreas Brehme. Auch beim VfB Stuttgart hat der Weltmeister von 1990 Spuren hinterlassen. Frühere Weggefährten erinnern sich.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Die Karriere von Andreas Brehme haben ja vor allem drei seiner fußballerischen Rollen überdauert. Er ist eine Legende des 1. FC Kaiserslautern. Er ist Teil des deutschen Trios bei Inter Mailand – zusammen mit Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus. Und vor allem ist er derjenige, der das deutsche Nationalteam 1990 zum Weltmeistertitel geschossen hat. „Diesen Elfmeter vergisst kein Fußballfan“, sagt Erwin Staudt.

 

Staudt ist Fußballfan, vergisst den Strafstoß von Rom in seinem Leben nicht mehr – hatte aber auch die Möglichkeit, mit Brehme Anekdoten dazu im direkten Gespräch auszutauschen. Denn der nun verstorbene Weltmeister von 1990 war auch: Co-Trainer des VfB Stuttgart. Und Erwin Staudt der damalige Präsident.

Mit den stolzen Worten „Habemus Mister“ begrüßte der heutige Ehrenpräsident des VfB im Juni 2005 den neuen Stuttgarter Trainer Giovanni Trapattoni. Der hatte beim FC Bayern zwar schon Erfahrung in der Bundesliga gesammelt – und damit auch mit der deutschen Sprache. Staudt aber wollte lieber auf Nummer sicher gehen.

Also kam nicht nur der Mister aus Cusano Milanino auf den Wasen, sondern auch der Weltmeister aus Hamburg. „Wir wollten einen Deutschen, der Italienisch spricht“, erinnert sich Staudt. Und Brehme hatte von 1988 bis 1992 ja vier Jahre lang bei Inter Mailand gekickt. Also assistierte er vom Sommer 2005 an Giovanni Trapattoni beim VfB Stuttgart – und die beiden gaben nicht nur sportlich ein außergewöhnliches Duo, sondern ab und an auch modisch. Etwa, wenn sie beide im beigefarbenen Baldessarini-Mantel samt braunen Lederhandschuhen auf der Bank saßen oder im mausgrauen VfB-Ausgehanzug.

An der Seite von Giovanni Trapattoni

Neu war die Umgebung für Andreas Brehme nicht – als Spieler trat er achtmal im Neckar- und Gottlieb-Daimler-Stadion gegen den VfB an. Siebenmal mit dem 1. FC Kaiserslautern, einmal mit dem FC Bayern. Als Trainer und Teammanager des FCK kehrte er dann später noch weitere Male auf den Wasen zurück – ehe er dann beim VfB unter Vertrag stand.

Als er gemeinsam mit dem Signore aus Italien an der Mercedesstraße ankam, machten durchaus einige Spieler große Augen. „Vor dem Geleisteten hat man einfach großen Respekt“, erinnert sich Horst Heldt, „ich empfand es als Ehre, dass ich zum Ende meiner aktiven Karriere noch einmal mit zwei solchen Persönlichkeiten des Fußballs zusammenarbeiten durfte.“ Heiko Gerber, damals Außenverteidiger beim VfB, erzählt spontan vom Schusstraining nach den eigentlichen Einheiten – als die Brillanz von Brehmes linkem Fuß regelmäßig aufblitzte. Immer wieder forderte er die Torhüter auch lange nach seiner aktiven Karriere noch heraus.

Horst Heldt war erst Spieler in der damaligen Saison, vollzog dann aber den nahtlosen Wechsel ins Management als Sportchef des VfB.„Andy Brehme war für mich immer ein wichtiger und verlässlicher Ansprechpartner“, sagt Heldt – und erinnert sich an die angenehme Art des damaligen Co-Trainers: „Er hatte diesen speziellen Fußballerhumor, man konnte mir ihm immer auch Spaß haben.“ Und: „Er hat nie eine Rolle gespielt, sondern sich immer genau so gegeben, wie er war. Das gibt es heute nicht mehr allzu oft.“ Thomas Hitzlsperger, damals als Spieler neu zum VfB gekommen, beschreibt Brehme in einer trauernden Reaktion auf X (ehemals Twitter) als „Pfundskerl“ und als „Fußballer durch und durch“.

Dass die Zeit in Stuttgart keine erfolgreiche wurde,„lag sicher nicht an Andy Brehme“, versichert Horst Heldt, zu dessen ersten Aufgaben als Manager es gehörte, sich von Trapattoni und Brehme zu trennen. Es übernahm Armin Veh, nicht einmal eineinhalb Jahre später war der Club Deutscher Meister. „Der VfB wird Andreas Brehme, der sich große Verdienste um den deutschen Fußball erworben hat, in ehrendem Gedenken halten“, schrieb der Verein am Dienstag in den Sozialen Netzwerken.

Am 9. Februar 2006 endete die Zeit von Andreas Brehme als Co-Trainer des VfB Stuttgart. In der Nacht von Montag auf Dienstag ist er im Alter von nur 63 Jahren an einem Herzstillstand gestorben. Und Thomas Hitzlsperger, der Brehme auch als „Idol meiner Jugend“ bezeichnete, bringt es für viele Fußballfans auf den Punkt: „Was für ein tragischer Verlust.“

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