Wer Lisa Marie Presley traf, konnte sich ihrer Aura nicht entziehen. In jedem Moment war man sich bewusst, dass man es hier mit der Tochter von Rock‘n‘Roll-Legende Elvis Presley zu tun hatte. Es stand ihr ins Gesicht geschrieben. Und wenn sie einen anschaute, schwang so viel Melancholie in ihrem Blick mit, dass sich für das Gegenüber die ganze Tragik ihrer Familiengeschichte darin ausbreitete. Am Donnerstag ist Lisa Marie Presley mit nur 54 Jahren in Los Angeles verstorben. Eine Hausangestellte soll Presley laut dem Promi-Portal „TMZ“ am Morgen leblos auf dem Bett ihres Hauses in Calabasas gefunden haben. Presleys Ex-Mann Danny Keough, der auch auf dem Anwesen lebt, nahm demnach eine Herzmassage an Presley vor, bis Rettungskräfte die Sängerin vorerst wiederbelebten und in ein Krankenhaus einlieferten. Doch ihr gebrochenes Herz wollte nicht länger schlagen. „Sie war die leidenschaftlichste, stärkste und liebenswerteste Person, die ich kannte“, äußerte sich Priscilla Presley in dem Statement zum Tode ihrer Tochter. Noch in den Tagen zuvor hatte Lisa Marie öffentliche Auftritte anlässlich der Geburtstagsfeierlichkeiten ihres Vaters und des gefeierten Biopics „Elvis“ bei den Golden Globes wahrgenommen.
Von Memphis nach Los Angeles
Lisa Marie kam am 1. August 1968 in Memphis, Tennessee als Tochter von Elvis und Priscilla Presley zur Welt. Seit sie als einziges Kind des „King of Rock’n’Roll“ in das Licht der Öffentlichkeit gezehrt wurde, musste sie sich immer wieder herben Rückschlägen stellen. Im Alter von vier Jahren trennten sich Elvis und ihre Mutter in Freundschaft. Lisa Marie war gerade mal neun Jahre alt, als sie in der Nacht des 16. August 1977 den leblosen Körper ihres geliebten Vaters neben der Toilette liegen sah. Die Traurigkeit um den Verlust ließ sie nie wieder los. „Ich habe schon in sehr jungen Jahren Schlimmes erlebt. Ich habe zu viel gesehen in zu jungem Alter“, offenbarte sie 2012 beim Interview in London, bei dem man ihr die seelische Gebrochenheit anmerkte. „So einen Tod als kleines Kind wegzustecken, ist nicht einfach. Das macht mich ernster als andere Menschen. Ich bemühe mich wirklich, mehr zu lächeln, aber es fällt mir schwer.“
Heirat mit dem „King of Pop“
Der Wunsch, wieder ganz zu werden, trieb sie immer wieder in die Arme der falschen Männer. Mit Michael Jackson, dem sie im Alter von sieben Jahren erstmals begegnete, traf sie sich ab 1992 regelmäßig. Zwei Jahre später und nur 20 Tage nach der Scheidung von ihrem ersten Mann Danny Keogh heiratete Presley den „King of Pop“. Die Ehe hielt zwei Jahre und wurde von der Öffentlichkeit als PR-Kampagne Jacksons abgetan, der sich mit Kindesmissbrauchsvorwürfen konfrontiert sah. „Es war wahnwitzig von mir. Ich hatte eine romantische Idee in meinem Kopf, dass ich ihn retten könnte und wir gemeinsam die Welt retten könnten“, gab Presley später zu Protokoll, die bis zum Tode Jacksons mit ihm befreundet blieb. Ihre dritte Ehe mit Nicolas Cage war noch kurzlebiger. Nach nur 107 Tagen reichte der Hollywood-Schauspieler die Scheidung ein. 2006 gab sie dem mittellosen Musiker und Produzenten Michael Lockwood das Ja-Wort. Ihre vierte Ehe hielt zehn Jahre. Es wurde eine schmutzige Trennung, bei der Lockwood versuchte, trotz Ehevertrags seitens Presley Geld einzuklagen. Nach zwei Jahren wurde der Gerichtsstreit zugunsten Presleys entschieden.
Fragen zu den Beziehungen waren tabu
Fragen über ihre Ehen waren in Interviews tabu. Auch über ihre Mitgliedschaft bei Scientology äußerte sie sich selten. Offen gab die vierfache Mutter indes ihren lebenslangen Kampf gegen die Drogensucht zu. Sie wurde abhängig von Kokain, und nach der Geburt ihrer Zwillinge auch von Schmerzmitteln. Mehrere Male begab sie sich in die Entzugsklinik.
Trotz des überlebensgroßen Schattens ihres Vaters folgte Lisa Marie Presley ihm in seine Fußstapfen. Die Singer-Songwriterin veröffentlichte drei Studioalben: Mit ihrem Debüt „To whom it may concern“, auf dem sie dessen Tod und ihre Ehen verarbeitete, schaffte sie es auf Platz 5 der US-Billboard-Charts. Die tiefe sonore Stimme war ihr Merkmal. Für ihr finales Werk „Storm & Grace“ von 2012 erntete sie positive Kritiken. Auf die Frage, warum sie sich ausgerechnet für den für sie denkbar härtesten Karriereweg entschieden hatte, antworte Presley: „Mir war das Songschreiben immer schon wichtig. Ob ich nun die Tochter von Elvis bin, spielt dabei keine Rolle. Aber es gibt oft Momente, in denen ich dasitze und denke: Was machst du hier eigentlich? Du kannst doch nur scheitern! Und wenn ich nach draußen muss auf eine Bühne, dann frage ich mich auch: Warum tue ich mir das an? Gerade an fremden Plätzen, wo sie mich noch nicht so kennen und ich mich beweisen muss, kommen schnell die Zweifel. Aber Musik ist nun mal das, wo mein Herz dranhängt.“
Sachwalterin eines großen Erbes
Bis 2005 hatte Lisa Marie Presley das Erbe ihres legendären Vaters kontrolliert. Dann verkaufte sie den Großteil ihrer Anteile an eine Investmentfirma. Sie behielt aber Graceland, das Anwesen ihres Vaters in Memphis.
Kraft schöpfte Presley immer wieder durch ihre Kinder Benjamin und Riley Keough aus erster Ehe, sowie die Zwillingstöchter Finley Aaron Love und Harper Vivienne Ann aus der Beziehung mit Lockwood. Doch der schlimmste Schicksalsschlag sollte für Lisa Marie erst noch kommen: 2020 setzte ihr Sohn Benjamin seinem Leben im Alter von 27 Jahren mit einer Schrotflinte ein Ende. Er war bekannt und beliebt bei Fans aufgrund seiner starken Ähnlichkeit zu seinem berühmten Großvater. Parallel dazu drohte ihr Lockwood mit Sorgerechtsentzug für die Zwillinge.
Fünf Monate vor ihrem Tod schrieb Presley anlässlich des „National Grief Awareness Day“ im „People“-Magazin einen Essay über ihre Trauerarbeit, Einsamkeit und Schuldgefühle. „Der Schmerz geht nicht weg… Du trägst ihn für den Rest deines Lebens mit dir herum“, hieß es darin. „Egal, was dich Leute glauben lassen wollen: Du kommst nicht darüber hinweg. Punkt.“ Nun ist Lisa Marie Presley wieder mit ihrem Vater und ihrem Sohn im Himmel vereint.