Ursula Späth stand selten im Scheinwerferlicht, ihr soziales Engagement jedoch strahlt weit aus: Als Schirmherrin war sie die gute Seele der Amsel. Durch ihren Einsatz hat sich die Lebenssituation von Multiple-Sklerose-Erkrankten verbessert.

Lokales: Jan Sellner (jan)

Sie trug einen Namen, mit dem Ansehen und Aufmerksamkeit verbunden war, der allerdings auch eine Bürde sein konnte: Ursula Späth, langjährige Ehefrau des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten und Jenoptik-Chefs Lothar Späth. Sechs Jahre nach ihrem Mann ist sie jetzt 84-jährig gestorben.

Er war Cleverle, sie war smart. Auf ihre Weise. Ein eingespieltes, freiheitsliebendes Team aus einer Zeit, als es für selbstverständlich angesehen wurde, dass Frauen Männern den Rücken freihielten. Erst recht, wenn sie so beschäftigt und geschäftig waren wie Lothar Späth, der Baden-Württemberg von 1978 bis 1991 regierte und bewegte.

Gelernte Journalistin mit eigenem Profil

Die 1937 in Giengen an der Brenz geborene Ursula, hatte früh ein eigenes Profil entwickelt. Sie war ausgebildete Journalistin und arbeitete als Auslandkorrespondentin. 1962 heiratete sie den fast auf den Tag gleich alten Lothar Späth, der damals in der Finanzverwaltung der Stadt Bietigheim arbeitete. Schritt für Schritt ging sie seinen Aufstieg mit, der bis an die Spitze des Landes führen sollte. Die große Bühne war ihre Sache jedoch nicht.

Alte Fotografien zeigen die Späths mit den beiden Kindern Daniela und Peter in der Ministerpräsidentenvilla beim Schloss Solitude. Später zogen sie nach Gerlingen. Irgendwann war der Vorrat an gemeinsamen Schritten aufgebraucht; 2013 gingen sie getrennte Wege.

Der Einsatz für MS-Erkrankte war für sie „Herzensaufgabe“

Ihren Namen und ihre Kraft setzte Ursula Späth seit 1982 für die gute Sache ein. Als treue Schirmherrin verschaffte sie der Aktion Multiple Sklerose Erkrankter (Amsel) nachhaltig Aufmerksamkeit. Wie eng diese Verbindung war, zeigt die emotionale Würdigung durch Vorstand und Geschäftsleitung der Amsel. Ursula Späth sei „eine tatkräftige Freundin und Förderin der MS-Erkrankten“ gewesen, schreiben sie auf ihrer Homepage. Der Verein trauere um einen Menschen, „der mit seinem unfassbar langen und erfolgreichen Wirken große Ziele zur Verbesserung der Lebenssituation von MS-Erkrankten erreicht und Maßstäbe gesetzt hat“. Für sie sei diese Arbeit eine Herzensaufgabe gewesen.

Die Charakterisierung Ursula Späths durch ihre Weggefährten bei der Amsel kreist um Begriffe wie Warmherzigkeit, Klugheit, Zugewandtheit und Bescheidenheit. Die Amsel habe sich während Späths 40-jähriger Schirmherrschaft zu einer modernen Patientenorganisation entwickelt, die über die Landesgrenzen hinaus Anerkennung erfahre. „Der Erfolg des Vereins ist der Erfolg von Ursula Späth, die mit hohem persönlichen Einsatz, mit Charme und diplomatischem Geschick Beispielhaftes bewirkt hat“, betonen Vorstand und Geschäftsleitung. Ihr Lebenswerk werde die Arbeit der Amsel weiter inspirieren.

Sie erhielt viele Auszeichnungen

Für ihr soziales Engagement erhielt Ursula Späth zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ehren-Bambi, die Verdienstmedaille des Landes, das Große Bundesverdienstkreuz und die Staufermedaille. Nach ihr ist zudem der Amsel-Förderkreis-Ursula Späth-Preis benannt. Er wird seit 1993 jährlich für besonderes Engagement zugunsten MS-Betroffener verliehen.