Zwei Funde binnen weniger Tage Woher kommen die Skorpione in Göppingen?

Der jüngste Neuzugang im Göppinger Tierpark: Ares – vermutlich auf einer Baustelle in die Kühltasche eines Mannes gekrabbelt. Foto: Tierpark Göppingen

Binnen fünf Tagen sind im Bereich Göppingen zwei Skorpione aufgetaucht. Ein Exemplar könnte auf einer Baustelle in die Tasche eines Mannes gekrabbelt sein. Im Tierpark leben nun vier Findlinge. Gibt es Zusammenhänge?

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Zeus und Hera haben neue Nachbarn. Erst ist am vergangenen Samstag Hades eingezogen, am Mittwoch folgte bereits Ares. Der Gott der Unterwelt und der Gott des Krieges. „Wir haben einen Hang zur griechischen Mythologie“, sagt Steffi Ertl und lacht. Ein bisschen martialisch sehen sie schon aus, die neuen Bewohner des Tierparks Göppingen. Es handelt sich nämlich um Skorpione. Schwarz, giftig und etwa drei Zentimeter klein.

 

Vier Stück leben jetzt dort in der von einem Verein betriebenen Anlage. Die Tiere sind Ertl und ihren Kollegen mehr oder weniger zugeflogen. Mutmaßlich allesamt als blinde Passagiere im Gepäck von Urlaubern nach Deutschland eingereist. Die Polizei oder sonstige Finder haben sie vorbeigebracht. Die einen schon im vergangenen Jahr, die anderen jetzt innerhalb von nur fünf Tagen. Eine Häufung, die auch den Experten im Tierpark merkwürdig vorkommt. Dort fragt man sich, ob die eingeschleppten Tiere womöglich inzwischen im Sommer bei uns auch in freier Natur überleben.

Ähnliche Fragen stellt man sich auch bei der Polizei. Denn im zuständigen Präsidium in Ulm hält man gleich zwei Funde in derselben Stadt innerhalb weniger Tage ebenfalls für auffällig. Deshalb hat man sich die Örtlichkeiten noch einmal genauer angeschaut. Der erste Skorpion wurde am Samstagabend von einem Bewohner im Flur eines Mehrfamilienhauses in der Öchslinstraße im Norden der Stadt entdeckt und eingefangen. Der Verdacht: Eine Familie, die kurz zuvor von den Kanaren zurückgekommen war, könnte das Tier unwissentlich mitgebracht haben.

Der zweite Skorpion – derselben Art zugehörig – fiel am Mittwochnachmittag im benachbarten Eislingen auf. Er krabbelte aus der Kühltasche eines 53-Jährigen und stach ihn in den Finger, als er ihn mit einem Glas einfing. Mutmaßlich kommt aber auch dieses Exemplar aus Göppingen: Der Mann hatte dort tagsüber auf einer Baustelle im Stauferpark gearbeitet und die Tasche auf dem Boden stehen gehabt. Das Tier könnte also im Freien unterwegs gewesen sein.

Dreieinhalb Kilometer Entfernung zwischen den Fundorten

Zwei Mal Göppingen – ein Zufall? Oder womöglich doch Ausreißer aus einem Terrarium oder gar Flüchtlinge eines illegalen Handels mit exotischen Tieren? Bei der Polizei hat man die Entfernungen überprüft. „Die Baustelle und die Öchslinstraße sind rund dreieinhalb Kilometer voneinander entfernt“, sagt ein Sprecher. Dieselbe Quelle für beide Tiere sei deshalb eher unwahrscheinlich.

Zeus, Hera, Hades und Ares werden sich übrigens nicht allzu nahe kommen. „Wir halten sie getrennt voneinander“, sagt Steffi Ertl im Tierpark. Man könne Männchen und Weibchen schwer unterscheiden, wolle Kämpfe genauso vermeiden wie Nachwuchs. Und wer weiß: Vielleicht bekommen sie ja bald erneut Zuwachs. Immerhin: Diese Art ist zwar giftig, aber nicht gefährlich. Bei dem gestochenen Mann zeigten sich Auswirkungen ähnlich wie bei einem Bienenstich.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Göppingen Polizei Tierpark Urlaub