Zwei Tage der offenen Tür im Göppinger Märklin-Werk Vom Guss bis zur fertigen Lokomotive

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Die Tage des offenen Stammwerks bei Märklin locken die Besucher in Scharen nach Göppingen. Währendessen sind die Pläne für das neue „Märklineum“ fertig, so dass im November mit den Arbeiten für die Erlebniswelt begonnen werden kann.

Arbeiten unter Beobachtung: die Märklin-Beschäftigten zeigen den Gästen bei den Tagen der offenen Tür wie Modellbahn geht. Foto: Rudel
Arbeiten unter Beobachtung: die Märklin-Beschäftigten zeigen den Gästen bei den Tagen der offenen Tür wie Modellbahn geht. Foto: Rudel

Göppingen - Luca ist sie zuteil geworden: die Gnade der späten Geburt. Denn während der Fünfjährige zusammen mit seinem Papa Martin den Tag der offenen Tür bei Märklin genießt, muss sein älter Bruder Fabian an diesem Freitag die Schulbank drücken. Aus Neu-Ulm sind Luca und Martin Scholz nach Göppingen gefahren. „Wir wären gerne am Samstag hierher gekommen, aber da sind wir auf einen Familiengeburtstag“, sagt der Vater und zuckt entschuldigend mit den Achseln. Außerdem habe er darauf gehofft, dass an einem Freitag etwas weniger los ist, fügt er hinzu.

In diesem Punkt jedoch täuscht sich der Modellbahn-Fan. Bereits am frühen Vormittag bildet sich vor den Produktionshallen im Märklin-Werk an der Stuttgarter Straße eine lange Schlange. In einer ausgeklügelten Tour können alle Interessierten die Entstehung der kleinen Lokomotiven und Waggons von der Gießerei über die Galvanik und die Farbgebung bis hin zur Endmontage verfolgen und sich sogar selbst im Zusammenbauen versuchen. Dort, wo sonst die Beschäftigten in aller Ruhe ihrer Arbeit nachgehen können, tummeln sich Massen von Menschen, die jeden Handgriff beobachten und – natürlich – auch an diesem Samstag von 9 bis 16 Uhr jede Menge Fragen stellen werden.

„Aber das passt“, sagt der Märklin-Chef Florian Sieber. „Unsere Leute haben das notwendige Know-how, was an diesen beiden Tagen mehr als deutlich wird“, ergänzt er und macht aus seiner eigenen Faszination darüber keinen Hehl. Überhaupt setzt der junge Geschäftsführer auf die traditionellen Abläufe. „Wir haben, anders als andere Unternehmen, 2013 damit angefangen, alle Kernkompetenzen wieder an den Standort zurückzuholen“, erklärt Sieber. Bei Märklin sei alles zu sehen, vom Anfang der Herstellungskette bis zum Endprodukt.

Die Arbeiten fürs „Märklineum“ beginnen im November

Aus diesem Grund sei der jährliche Wechsel zwischen den Märklin-Tagen und den Tagen der offenen Tür auch ein Muss. „Ich hab’ heut schon Gäste aus Italien, Schweden und sogar aus Neuseeland begrüßt, die ihre Reisen so ausrichten, dass sie hierher kommen können“, betont er und verweist stolz auf die „weltweite Anziehungskraft“ des Unternehmens. Diese soll weiter gesteigert werden, weshalb die Pläne für das neue „Märklineum“ mit Volldampf vorangetrieben werden. Im November dieses Jahres sollen die Arbeiten am Stammsitz beginnen. Das frühere Dialysezentrum im Vorfeld des Werks ist bereits geräumt, wird umgestaltet und an das Stammwerk angedockt. Sieber rechnet damit, dass ein Teil der Erlebniswelt schon im nächsten Jahr eröffnet werden kann. „2019 wollen wir komplett fertig sein, so dass Betriebsführungen dann nicht nur an zwei Tagen im Jahr stattfinden können“, sagt er.

Martin Scholz mustert gespannt die Entwürfe für das „Märklineum“ und findet die Idee „absolut überzeugend“, das Museum hierher zu holen, zu erweitern und alles an einem Ort zu vereinen.

Überzeugt ist derweil auch der kleine Luca, den richtigen Arbeitsplatz für seinen Vater gefunden zu haben. Er steht vor dem Auditraum der Qualitätskontrolle und schaut zu, wie zwei Frauen und ein Mann Züge auf Schienenkreisen testen. „Das wär was für meinen Papa“, ist er sich sicher.