Zwischen Betonmauern und Verbrechern Offenburger Justizvollzugsbeamter gibt Einblicke in das Leben hinter Gittern

Eine von sehr vielen Türen, die der Justizvollzugsbeamte Jörg Weigandt täglich öffnen – und im Anschluss direkt wieder verschließen muss. Foto: Piskadlo

Jörg Weigandt arbeitet dort, wo andere ihre Strafe absitzen: in der Justizvollzugsanstalt Offenburg. Beim Besuch der Lahrer Redaktion erzählt er davon, wie sein Alltag zwischen Betonmauern und Verbrechern aussieht.

Von hohen Mauern eingezäunt und hinter schweren Türen eingesperrt: Täglich hat der Justizvollzugsbeamte Jörg Weigandt mit Verbrechern zu tun, die aufgrund ihrer Straftaten in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Offenburg gelandet sind. Die Lahrer Zeitung hat Weigandt bei seiner Arbeit begleitet. Inhaftiert sind in der JVA rund 530 Verurteilte – vom Kleinkriminellen bis hin zum Mörder. 

 

Der erste Eindruck erinnert daran, wie man Gefängnisse aus Filmen kennt: Ein dröhnendes Signal bevor sich die Sicherheitstür für Besucher öffnet, die Wände grau und kahl, Stacheldraht wohin das Auge reicht. Die Gänge sind zwar nicht verwinkelt, sehen aber für Neuankömmlinge gleich aus. Wer das erste Mal in der JVA Offenburg ist, könnte denken, in einem Labyrinth zu sein.

Nicht so bei Weigandt: Zielstrebig öffnet der Beamte bei einem Rundgang eine Tür nach der anderen und schließt sie hinter sich direkt wieder zu. „Am Anfang meiner Ausbildung habe ich mich hin und wieder hier verlaufen“, erinnert er sich lachend. Heute ist der 35-Jährige seit sechs Jahren ausgelernt und kennt die JVA wie seine Westentasche. Gemeinsam mit knapp 160 weiteren Uniformierten regelt er den Alltag in der Anstalt.

„Eigentlich war es ein Zufall, dass ich hier gelandet bin“, erklärt Weigandt, wie er zu diesem Beruf gekommen ist. Ursprünglich habe er Verfahrenstechniker gelernt, zufrieden sei er damit aber nicht gewesen.

Rund 50 Nationalitäten sind in der JVA vertreten

Ein Bekannter habe ihn schließlich zur Arbeit in der JVA gebracht. „Ich war positiv überrascht von der Sauberkeit sowie von dem Umgang mit und unter den Häftlingen“, so Weigandt. Dieser sei nämlich ganz anders, als man es aus dem Fernsehen kennt. „Die Insassen haben viele Freizeitaktivitäten. Sie können beispielsweise gemeinsam Fußball spielen oder Yoga machen.“

Für den Beamten ist es wichtig, dass die Häftlinge nicht nur ihre Strafe absitzen, sondern sich im Gefängnis weiterentwickeln: „Für Außenstehende mag es komisch klingen, dass die Häftlinge hier so viele Möglichkeiten haben. Doch in Deutschland hat eine JVA in erster Linie den Zweck zur Resozialisierung – und nicht zur Bestrafung.“ So können Insassen auch Ausbildungen machen, den Hauptschulabschluss nachholen oder Sprachkurse belegen.

Besonders Letzteres sei in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden: „Wir haben hier rund 50 Nationalitäten“, erklärt Weigandt und fügt an: „Wir kommunizieren mit Händen und Füßen – manchmal übersetzt auch ein anderer Häftling.“ Das erschwere die Arbeit, vor allem dort, wo sich Weigandt die meiste Zeit aufhält – im sogenannten Sicherheitsbereich. „Da kommen die hin, die auch innerhalb des Gefängnisses strafbar geworden sind.“

Derzeit sitzen dort 16 Gefangene ein. Welche Verbrechen die Häftlinge begangen haben, weiß Weigandt bei den meisten Insassen nicht. Der Grund: „Alle werden hier gleich behandelt, keiner bekommt Vor- oder Nachteile – das ist absolut essenziell“, erklärt der Beamte.

Kein Tag ist wie der andere

Was seinen Beruf so besonders macht? „Bei uns ist kein Tag wie der andere“, so Weigandt. Denn obwohl der Alltag für Häftlinge klar strukturiert ist, wisse man niemals, was innerhalb dieser Strukturen passiert. „Die Kunst ist, so viele Menschen und Kulturen unter einen Hut zu bringen.“

Dabei gibt es auch einige Herausforderungen, denen man sich als Justizvollzugsbeamter stellen muss. „Ein Teil ist die psychische Belastung. Man sieht hier keine alltäglichen Dinge“, erzählt er aus Erfahrung. Deshalb sollten Azubis „eine gewisse Reife haben – das ist enorm wichtig.“ Wer sich für diesen Beruf interessiert, dem rät Weigandt: „Nicht vom Fernseher abschrecken lassen. Am besten einfach mal bei uns anrufen oder sich über die JVA im Internet schlau machen.“

 

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Job Gefängnis JVA Polizei