So, hier stehe ich in einem weiteren Schaltjahr – was nur alle Schaltjahre geschieht – und versuche, das kommende Jahr auf mich wirken zu lassen. Was hält es für mich bereit, für uns alle? Wird es dieses Mal „unser Jahr sein“, wie wir es schon immer sagen am Silvesterabend, beim vierten Seccorade (Sekt mit blauem Powerade gemischt)? Was steht an in Stuttgart dieses Jahr? Was möchte man mehr machen, was weniger als sonst?
Klar, die ersten zwei Wochen im Jahr die üblichen Dry-January- und Mehr-Bewegung-Sachen, aber was habe ich noch so vor, um zur besten Version meiner selbst zu werden? So groß müssen die Dinge, die man sich vornimmt ja gar nicht sein, fangen wir mit den kleinen an. Erst mal einen Ausblick auf 2024 in der eigenen Stadt zu geben zum Beispiel. Ob vielleicht irgendwann ein neues „Fluxus“ (diesmal unter dem Namen „Euphoria“) eröffnet in der Stadtmitte? Das wäre was Feines. Wann schaffe ich es endlich, das neue kleine Sandwich-Pop-up am Rotebühlplatz namens „Delikat“ zu testen? Da hat nämlich jemand meine Gebete erhört und serviert dort Philly Cheese Steak Sandwich. Das klingt nach einem neuen Lieblingsspot in Stuggi.
Nicht zu vergessen: die große Vorfreude auf das Hip Hop Open 2024. Letztes Jahr hat es zu stark geregnet, aber dieses Jahr wird es sicher ein Heidenspaß unter klarem Himmel.
Ausstellungen und Lesesessel
Generell wieder mehr auf Konzerte gehen, das wäre gut in diesem Jahr. Mehr neue Musik entdecken und dann auch tatsächlich zu den Konzerten gehen, wenn die Musiker:innen in der eigenen Stadt spielen. Ein neues Lieblingscafé suchen, vielleicht gibt es ja eines mit gemütlichen Sesseln zum Lesen und Verweilen (leider immer spärlich gesät, meiner Meinung nach). Wie lange geht die Modigliani-Ausstellung in der Staatsgalerie eigentlich noch? Bis 17. März, hab’s gegoogelt.
Als ich vor Kurzem mit Mäckes, der in Stuttgart zu Besuch war, in einer Schlange in einem Café stand, drehte sich ein netter Herr zu uns um, weil er unser angeregtes Gespräch über Oper und Musik mitgehört hatte. Er legte uns die Modigliani-Ausstellung sehr ans Herz und ich vergaß es einen Tag später sofort wieder. Doch vor drei Tagen habe ich erste Fotos vom Drehbeginn eines neuen Johnny-Depp-Films gesehen, in dem er selbst Regie führt und in dem auch Al Pacino mitspielt. Und wen verkörpert Johnny Depp in diesem Film? Amedeo Modigliani. Das ist ja fast schon ein Zeichen, also hin da und Ausstellung anschauen.
Alles aus dem Bauch?
Was sonst noch tun im Schaltjahr? Folgendes Großprojekt an mir selbst: In Restaurants nicht mehr nervös werden aus dem Glauben heraus, man hätte mich vergessen. Bisher hat man mich sonst hektisch nach dem oder der Kellner:in schauen sehen, nur drei Sekunden, nachdem ich Platz genommen habe. Währenddessen hörte man mich mehrfach betonen, er oder sie sehe mich nicht, oder: „Ich glaube nicht, dass die Bedienung noch kommen wird.“ Unerträglich waren mir die Augenblicke, bis ich meine Bestellung aufgeben konnte. Das soll sich dieses Jahr ändern. So zumindest der Plan. Waren sonst die vergangenen Jahre größtenteils von Bauchentscheidungen geprägt und von meiner Intuition gelenkt, sollen sie dieses Jahr etwas mehr der Ratio und dem Verstand, Gehirn und Intellekt (soweit vorhanden) gewidmet sein.
Wie das im Alltag dann aussieht, wird sich zeigen.
Das führt mich zu einem klugen Liedermacher/Autor/Schauspieler, der am 31. Januar in der Rosenau eine Show zum besten geben wird: Reinald Grebe! Wer ihn nicht kennt, hin da.
Einen letzten Tipp habe ich auch noch: Wer noch nicht im „Soban“ im Stuttgarter Westen war und dieses crazy Chicken dort probiert hat, dem sei dieses koreanische Lokal am Berliner Platz empfohlen. Von Bibimbap bis hin zu leckeren Suppen und unglaublichen Rippchen in scharfer Soße, gibt es dort viele Gerichte, die ideal zum gemeinsamen Teilen mit Freund:innen sind und die sehr viel Gaumenspaß machen. Breitscheidstrasse 20, unweit vom Breitscheidstüble.
Ansonsten bleibt noch eine mehr als positive Aussicht darauf, dass der Stuttgarter VfB dieses Jahr in der ersten Liga bleibt, das ist doch auch was, doch doch. Auch wenn ich sonst kein Fußball-Fan bin, fällt mir auf, dass viele Menschen etwas fröhlicher in der Bahn sitzen, wenn die Gewerkschaft nicht gerade wieder streikt. Da wird der viel zu lange Weg zu den Zuggleisen am Hauptbahnhof direkt etwas beschwingter genommen.
Selfdate and cooking things
Der Dry January neigt sich dem Ende zu und somit auch der Low-Carb-Monat. Das heißt für mich: Zeit, die Koch Skills weiter auszubauen. Polnische Rezepte draufzuhaben, ist mein erklärtes kulinarisches Ziel für 2024. Das unmittelbar nächste Gericht, dass ich lernen werde: Kuttelsuppe.
Jede:r hat die Freiheit, dieses Schaltjahr so gut wie möglich für sich zu gestalten, aus Komfortzonen herauszutreten und sich immer wieder überwinden. So kommen wir voran, so werden wir wieder wer. Und jetzt ist auch Schluss mit den Kalendersprüchen. Ich freu mich, mal schauen was wird.
Euer Bartek