Türlenstraße in Stuttgart Mehr Billigbasar als Kulturniederlassung

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Die Episode der Kulturniederlassung Türlenstraße soll im Herbst zu Ende gehen. Dann will der Arbeitgeberverband Südwestmetall das Haus abreißen. Momentan wirbt im Erdgeschoss ein Billiganbieter mit grellen Plakaten.

Das Gebäude an der Ecke Türlen-/Heilbronner Straße muss bis Ende September geräumt werden. Dann ist die Zwischennutzung zu Ende. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Das Gebäude an der Ecke Türlen-/Heilbronner Straße muss bis Ende September geräumt werden. Dann ist die Zwischennutzung zu Ende. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Kulturniederlassung Türlenstraße gibt derzeit ein eigenwilliges Bild ab: Die Gebäudefront an der Heilbronner Straße wirbt mit Billigangeboten in einer gewagten Alles-muss-raus-Optik. Der Kontrast zur Shoppingmall Milaneo und zum Bildungsleuchtturm mit Namen Stadtbibliothek auf der anderen Straßenseite könnte größer nicht sein. Dabei sollte an der Türlenstraße eigentlich Kunst und Kultur stattfinden, bevor der Arbeitgeberverband Südwestmetall als Besitzer der Immobilie das Gebäude für einen Neubau abreißt.

Für die kulturelle Zwischennutzung zeichnet unter anderem Oliver Scholz verantwortlich. Der Architekt und Veranstalter der Designmesse Dekumo hat die Fläche gemietet, um kulturellen Nutzern bezahlbare Flächen zur Verfügung zu stellen. „Der Billigbasar im Untergeschoss war mit uns nicht abgesprochen“, sagt Scholz. Eigentlich sei die Fläche an den Geschäftsmann Salih Colak untervermietet. „Der will an der Stelle einen Showroom für türkische Unternehmer in Baden-Württemberg einrichten, als Schnittstelle zur hiesigen Wirtschaft.“ Man habe deutlich gemacht, dass der Basar bis Anfang nächster Woche wieder verschwunden sein müsse.

Abbruch soll im Herbst beginnen

Der Rest der Mieter hat laut Scholz nun eine letzte Fristverlängerung bis Ende September erhalten. „Dann will Südwestmetall, dass das Gebäude geräumt ist, um mit dem Abriss beginnen zu können“, sagt Scholz. Den geplanten Abriss bestätigt auch Herbert Hilger von der Betreibergesellschaft USWM Immobilien Gmbh, die das Objekt Türlenstraße für die Südwestmetall koordiniert. „Wir wollen mit dem Abbruch in diesem Jahr beginnen. Wann es genau losgeht, steht noch nicht fest. Das Nachfolgeobjekt soll aber auf jeden Fall im Jahr 2017 stehen“, sagt Hilger. Südwestmetall will an der Stelle eine Verbändehaus errichten und mit der eigenen Zentrale selbst an der Türlenstraße einziehen.

Zuvor hatte die deutsche Tochter des französischen Immobilienunternehmens Icade an der Stelle große Pläne gehabt. Unter dem Namen „Look 21“ sollte ein 40 000 Quadratmeter großes Bürogebäude entstehen. Icade fand aber keinen Großmieter und gab das Projekt wieder auf. In der Zeit sorgte das Gebäude dann als Interimsspielstätte der Staatstheater für Furore. Die Kulturniederlassung als Nachfolge-Zwischenmieter konnte die Erwartungen dann nicht ganz erfüllen, auch weil die Stadt wegen Problemen mit dem Brandschutz fast alle größeren Veranstaltungen mit Publikum untersagte.

Zwischennutzer ziehen positives Fazit

„Wir ziehen dennoch ein positives Fazit“, sagt Oliver Scholz. „Wir haben zehn Mieter aus der Kreativbranche von der App-Firma bis zur Probenstätte für die Riesen-Puppe Dundu.“ Außerdem sei eine Oldtimer-Werkstatt angesiedelt, man habe das Gebäude vor Vandalismus schützen können und mit der Südwestmetall einen tollen Partner gehabt. Scholz plant jetzt noch vier Veranstaltungen bis zum Ende der Türlenstraße. „Im März findet das Tanz-Festival Afro Moves statt, wir haben zwei Anfragen für Designmessen und wollen am Ende noch eine schöne Abschiedsfeier veranstalten“, sagt Oliver Scholz.

Eine Dekumo werde es in den Räumen der Türlenstraße dagegen nicht mehr geben, Scholz verhandelt nach eigenen Angaben aber gerade mit dem Kreativzentrum IW8 in Feuerbach über eine Kooperation. Scholz schaut ein wenig wehmütig nach Feuerbach. „Eine solche Unterstützung wie das Projekt IW8 hätten wir auch gerne gehabt.“ Für die Stadt sei die Türlenstraße aber immer ein rotes Tuch gewesen. Daher suchten Scholz und seine Mitstreiter auch nicht nach einem Nachfolgeprojekt. „Uns hat die Zwischennutzung eher desillusioniert. Zum einen fehlen die passenden Flächen in Stuttgart, zum anderen fehlt es einfach an Kompensationsmöglichkeiten für Brand- oder Schallschutz.“

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