ZZ Top in Bietigheim „Hey, Billy, mach dein Ding!“

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Nur echt mit Hut, Sonnenbrille und Zottelbart: ZZ Top sind vor 10 000 Besuchern am Bietigheimer Viadukt aufgetreten

50 Jahre Bluesrock-Knowhow: Billy Gibbons (rechts) und Dusty Hill von ZZ Top. Foto: Getty Images
50 Jahre Bluesrock-Knowhow: Billy Gibbons (rechts) und Dusty Hill von ZZ Top. Foto: Getty Images

Bietigheim - Vergessen Sie Clapton! Vergessen Sie Hendrix! Und vergessen Sie vor allem all die langhaarigen Poser, die Schnelligkeit mit Virtuosität verwechseln, wenn sie ziellos über die Griffbretter ihrer Instrumente schrubben. Wenn es einen Gitarrengott gibt, dann hat sich diesen Titel Billy Gibbons von ZZ Top verdient. Und das nicht nur weil er mit seinem Rauschebart dem Gott aus Michelangelos „Die Erschaffung Adams“ ziemlich ähnlich sieht, sondern weil es kein anderer versteht, aus so wenig so viel zu machen.

Ein unkaputtbarer Boogie namens „La Grange“

Zum Beispiel als ZZ Top am Mittwochabend beim Open-air am Bietigheimer Viadukt ihre Bluesrockhymne „Gimme all your Lovin’“ spielen und Gibbons aus nur drei Tönen ein grandioses mit schillernden Obertönen und perfiden Synkopen verziertes Solo herausholt. Oder als er mit diesem fies stolpernden Riff „Waitin’ for the Bus“ einleitet, der dann wie immer in den erdigen Bluesshuffle „Jesus just left Chicago“ übergeht. Und dann ist da natürlich noch der Song „La Grange“, der in den Zugaben dran ist. „Hey, Billy, mach dein Ding!“, sagt Gibbons’ Co-Frontmann Dusty Hill vorher. „Welches Ding?“, fragt Gibbons. „Na dieses Ding mit der Gitarre“, sagt Hill. Und schon beginnt Gibbons diesen markig-unkaputtbaren Boogie zu spielen, den sich ZZ Top bei John Lee Hooker geborgt und zur Marke gemacht haben.

Biertrinker, Höllenfahrer und gut gekleidete Männer

Billy Gibbons (Gesang, Gitarre), Dusty Hill (Gesang, Bass) und Frank Beard (Schlagzeug) machen seit 50 Jahren als ZZ Top zusammen Musik. Und ja, seit 50 Jahren tragen die ersten beiden die markanten Zottelbärte, während ausgerechnet der Mann, der Bart heißt, nie über einen Schnauzer hinausgekommen ist. Am Mittwochabend bietet die „little old band from Texas“ den rund 10 000 Besuchern jedenfalls ein grandioses Best-of-Programm, vermengt souverän Blues, Boogie und Rock’n’Roll, startet mit „Got me under Pressure“ und beendet den Auftritt nach 75 intensiven Minuten mit der Elvis-Nummer „Jailhouse Rock“. Dazwischen gibt es Platz für Lieder über Biertrinker und Höllenfahrer, gut gekleidete Männer und Frauen mit langen Beinen, raffinierte Aneignungen von Soulklassikern von Sam & Dave („I thank you“) und Merle Travis („Sixteen Tons“) – und natürlich jede Menge unglaubliche Gitarrenriffs.