100 Jahre Wagenburg-Gymnasium Das Wagenburg in Ausstellung und Buch

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Das Gebäude des Wagenburg-Gymnasiums wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Zum Jubiläum läuft im Muse-O in Gablenberg noch bis November eine Ausstellung. Eine umfangreiche und detaillierte Festschrift ist ebenfalls gerade erschienen.

Heute ist das Schulgebäude von der Straße aus kaum noch zu sehen. Foto: Jürgen Brand
Heute ist das Schulgebäude von der Straße aus kaum noch zu sehen. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Das Wagenburg-Gymnasium hat Platz. Und zwar nicht in dem Sinne, dass ein Überangebot an Klassenzimmern und anderen Unterrichts- und Aufenthaltsräumen herrscht – dafür reicht der Platz bei den heutigen Anforderungen an die Schulen nie. Aber es gibt in dem riesigen, alten Gebäude offenbar überall Keller, Kammern, Dachböden, auf und in denen alles mögliche aufgehoben und gesammelt werden kann: Klassenbücher, uralte Diaprojektoren und Mikroskope, ausgestopfte Tiere, Schülerzeitungen, Schiefertafeln und was es sonst noch alles in einem hundert Jahre alten Schulgebäude gegeben hat und gibt. Nur so konnte eine Ausstellung zusammengestellt werden, wie sie zurzeit in den Räumen des Muse-O am Schmalzmarkt in Gablenberg zu sehen ist.

Nach den Plänen von Martin Elsaesser

Grund für die Ausstellung ist das Jubiläum, das in diesem Jahr gefeiert wird. Das markante Gebäude des Wagenburg-Gymnasiums wurde vor 100 Jahren fertiggestellt, Architekt war der bekannte Martin Elsaesser, nach dessen Plänen unter anderem auch die Stuttgarter Markthalle und die Gaisburger Kirche entstanden. In der Ausstellung sind einige der zum damaligen Architekten-Wettbewerb eingereichten Entwürfe ebenso zu sehen wie etliche der eingangs aufgezählten Gegenstände und natürlich auch zahlreiche Fotos. Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die Initiative mehrerer aktueller und ehemaliger Lehrer, die die Exponate und zugehörigen Schautafeln in wochenlanger Arbeit zusammengetragen und gestaltet haben.

Ein weiteres Ergebnis dieses Engagements ist die Festschrift, die anlässlich der Ausstellungseröffnung vor wenigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Herausgeberin ist die Archivarin, Historikerin und Redakteurin der Geschichtszeitschrift Damals, Heike Talkenberger, deren Sohn in diesem Jahr sein Abitur am Wagenburg-Gymnasium gemacht hat. Auf 280 Seiten zeichnen Historiker, aktuelle und ehemalige Lehrer und Schüler des Gymnasiums sowie Eltern und Mitglieder des Fördervereins ein detailliertes Bild der Schule von der Planungsphase über die Anfänge als Bürgerschule, die vielerlei Hinsicht problematischen Kriegszeiten und die Entwicklung in den Nachkriegsjahren bis hin zur Gründung der deutsch-französischen Abteilung vor 25 Jahren und den aktuellen Entwicklungen und Ausbauplanungen für die kommenden Jahre.

Gaisburger und Ostheimer wollten anderen Standort

Der Anlass für den Bau des Wagenburg-Gymnasiums waren damals die steigenden Schülerzahlen in den östlichen Stadtbezirken Stuttgart, also vor allem in Ostheim, Gablenberg und Gaisburg, wie der Historiker Elmar Blessing schreibt. Die Standortfrage sorgte aber schnell für Streit zwischen den einzelnen Bürgervereinen. „Die Bürgervereine von Ostheim und Gaisburg – die Gablenberger hielten sich verständlicherweise heraus, für sie gab es keinen günstigeren Standort – sprachen sich entschieden gegen diesen von der Stadtverwaltung vorgesehenen Bauplatz aus, wegen seiner Lage in einem Villenquartier, an einer verkehrsreichen Straße mit Straßenbahn, außerhalb des Gebiets, aus dem die Schule besucht werden wird, und weil keine Wege dorthin erschlossen sind,“ zitiert Blessing aus der damals noch erscheinenden Gaisburger Zeitung. Bei der Lektüre fühlt man sich fast an die aktuellen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem geplanten Interimsschulbau auf der Grünanlage des Wagenburgplatzes erinnert, wo sich Anwohner vehement zur Wehr setzen. Einen Schwerpunkt in der Aufarbeitung der Geschichte des Wagenburg-Gymnasiums bildet in dem Buch die Zeit des Nationalsozialismus. Ermöglicht wurde das durch vorhandene Abschlussaufsätze von Schülern aus den Jahren 1933 bis 1938 sowie durch Dokumente über die Entlassung von jüdischen Schülern und den damaligen Direktor.

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