19-Jährige wählt Bundespräsidenten Vielleicht ein Selfie mit Baerbock

Andreas Schwarz und Clara Schweizer Foto:  

Clara Schweizer ist 19 und darf den Bundespräsidenten mitwählen. Die Nürtingerin will nicht nur wählen, sie will bei der Bundesversammlung auch reden. Gerne mit Promis.

Stuttgart - Politisches Engagement zahlt sich aus. Zumindest für die 19 Jahre alte Clara Schweizer. Die Nürtingerin wird wohl eine der Jüngsten unter den Wahlleuten sein, die am 13. Februar in Berlin den Bundespräsidenten wählen werden. Die Abiturientin ist schon seit viereinhalb Jahren Vorsitzende des Nürtinger Jugendrats. Sie ist außerdem bei der Grünen Jugend in Nürtingen und engagiert sich für den Klimaschutz bei Fridays for Future. Seit einem Jahr ist sie zudem Zweite Vorsitzende des Stadtjugendrings.

 

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So viel kommunales Engagement sollte belohnt werden, findet Andreas Schwarz, Fraktionschef der Grünen im Landtag, und schlug Clara Schweizer als Wahlfrau für die Bundesversammlung vor. Die habe es zunächst nicht geglaubt, als Schwarz sie beim Praktikum im Freien Kinderhaus in Nürtingen angerufen habe, wie sie selbst erzählt.

Gambia muss warten

Eigentlich wollte sie im Januar nach Gambia fliegen, um dort den zweiten Teil ihres Praktikums im Kinderhaus zu absolvieren, ehe sie ihr Politikstudium in Tübingen aufnehmen will. „Ich habe eine Nacht darüber schlafen müssen“, erzählt die zielstrebige junge Frau. „Es bedeutet viel Veränderung in meinem Jahresplan.“ Dann kam sie zu dem Entschluss: „So eine Chance kann man sich nicht entgehen lassen.“

Die Eltern sind stolz, die Freunde baff. Manche wissen gar nicht so recht, was es eigentlich auf sich hat mit dieser Bundesversammlung, sagt Clara Schweizer lächelnd. Sie selbst hofft, dort Kontakte knüpfen zu können, „vielleicht läuft man einem Promi über den Weg“. Dann könnte man sich vielleicht über die Themen austauschen, die ihr am Herzen liegen. Die Beschleunigung des Klimaschutzes zu Beispiel.

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Tipps, wie man als junger Mensch bei der Bundesversammlung auftreten kann, bekommt Schweizer aus erster Hand. Andreas Schwarz, der sie vorgeschlagen hat, war selbst einmal der jüngste Wahlmann der Bundesversammlung. Auch er wurde wegen seines kommunalen Engagements entsandt – und war damals ebenfalls 19, als er 1999 nach Berlin fahren durfte. Noch immer ist er stolz auf Fotos mit dem damaligen Außenminister Joschka Fischer und dem frisch gewählten Bundespräsidenten Johannes Rau. Wie er zu den Fotos gekommen ist? „Ich bin einfach hingegangen. Das steigert das Selbstvertrauen.“

Vielleicht ein Selfie mit Baerbock?

Ein gemeinsames Foto mit Annalena Baerbock oder Frank-Walter Steinmeier würde auch Clara Schweizer gefallen. Schon jetzt betrachtet die engagierte junge Frau ihre Nominierung als „weiteren Motivationsschub für die Politik“. Die 19-Jährige will „in der Politik wirken“, wie sie sagt. „Ich will mich einbringen und etwas verändern.“ Das fängt auf der kommunalen Ebene an, weiß die Jugendgemeinderätin. „Wenn ich mit 90 im Schaukelstuhl sitze, will ich sagen können, ich habe die Welt ein bisschen besser gemacht.“

Das sei die richtige Einstellung, lobt Andreas Schwarz, der sich einst exakt dasselbe Ziel gesetzt hat. Auch er hat es als große Ehre empfunden, dass er als Mitglied im Dachverband der Jugendgemeinderäte nach Berlin fahren durfte. Zwischen dem schriftlichen und dem mündlichen Abi hat er den Bundespräsidenten gewählt. „Das hat meine Entwicklung gepusht.“

Karrieretipp von Joschka Fischer

Zumal Joschka Fischer ihm sagte: „Bleib dran.“ Also ist er drangeblieben, hat es vom Jugendgemeinderat zum Fraktionschef im Landtag gebracht und will jetzt „der jungen Generation etwas zurückgeben“. Er will zeigen, „junge Leute können das höchste Staatsamt wählen und Verantwortung übernehmen“. Schwarz sieht das als Teil des langfristigen Plans, die Jugendbeteiligung voranzubringen: „Es ist Aufgabe der Spitzenpolitiker, junge Leute zu fördern.“

Clara Schweizer nimmt die hohe Ehre als Antrieb für weiteres Engagement. Bei der Bundesversammlung „kriegt man Einblicke, die man sonst nicht bekommt“, davon ist sie überzeugt. Und nach Gambia fliegt sie einfach danach.

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