20 Jahre Bürgerstiftung Stuttgart Die verschiedenen Gesichter des Ehrenamts
Die Bürgerstiftung rückt zum Jubiläum Helferinnen und Helfer in den Mittelpunkt. Auf Plakaten in der Stadt sind vier von ihnen stellvertretend zu sehen.
Die Bürgerstiftung rückt zum Jubiläum Helferinnen und Helfer in den Mittelpunkt. Auf Plakaten in der Stadt sind vier von ihnen stellvertretend zu sehen.
Stuttgart - Tue Gutes und rede nicht darüber. Diese spezielle Form eines Schweigegelübdes ist zwar aller Ehren wert, doch so richtig weiter bringt es einen in der gemeinnützigen Arbeit nicht. Zu dieser Einschätzung ist auch die Bürgerstiftung Stuttgart gekommen und startet in ihrem Jubiläumsjahr eine Werbeoffensive.
Eine ganze Kampagne wurde der Organisation mit Sitz an der Olgastraße von der Stuttgarter Agentur Oddity zum 20-jährigen Bestehen geschenkt. Und so bekommen von der Bürgerstiftung geförderte Projekte und ihre Helferinnen und Helfer Gesicht und Stimme. Zu sehen neuerdings auf Plakaten im Stadtgebiet und zu hören auf Audiodateien im Internet (www.buergerstiftung-stuttgart.de/07helfer).
Zu den „07Helfern“ gehört zum Beispiel Wolfram Freudenberg. Der promovierte Finanzfachmann engagiert sich im sogenannten Ausbildungscampus. Dort ist er seit drei Jahren Mentor eines afghanischen Flüchtlings, der mithilfe des 73-Jährigen den Realschulabschluss gemacht und einen Ausbildungsplatz gefunden hat. Nebenher besucht der junge Mann mittlerweile das Abendgymnasium. „Dieses Projekt ist keine Einbahnstraße, es bereichert auch mein Leben“, sagt Freudenberg, „ich habe Neues kennengelernt.“
Genau darin sieht Irene Armbruster den Reiz, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Sich auf etwas Unbekanntes einzulassen, das eigene Spektrum zu erweitern, die Vielfalt zu fördern, das alles führt zum Miteinander in einer Stadtgesellschaft“, sagt die Geschäftsführerin der Bürgerstiftung.
Die wurde im Jahr 2001 vom damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Schuster nach amerikanischen Vorbild erdacht – als so etwas wie ein großer Runder Tisch, an dem alle Platz nehmen können, die Stuttgart lebenswerter machen wollen. „To give back“ heißt die US-Idee, die dahintersteckt. Seiner Stadt etwas zurückgeben. „Dazu können Geld, Zeit und Ideen gehören“, sagt Irene Armbruster. „Und Herzblut“, wie sie betont.
Das uneigennützige Engagement symbolisieren Menschen, die auf den Plakaten bis zum 30. März an 280 Standorten in Stuttgart zu sehen sind. Da wäre Ebru Dogan, die in ihrer Freizeit Vorlesepatin ist. Die Bürgerstiftung unterstützt den Verein „Leseohren“, der sich an Kinder wendet, die oftmals keinen direkten Zugang zu Büchern haben. „Ich habe türkische Wurzeln und weiß, wie wichtig Bücher für die kindliche Sprachentwicklung sind“, sagt die 43-Jährige.
Um Teilhabe geht es auch Christina Kunz. Die 23 Jahre alte Studentin ist Mentorin für das Projekt „Digital for all kids“. „Durch uns bekommen die Mädchen und Jungs neue Möglichkeiten beim Lernen“, sagt Christina Kunz, deren ehrenamtliche Arbeit in digitalen Homeschooling-Zeiten eine noch viel größere Bedeutung bekommt. Besonders für Kinder, die in schwierigen Familienverhältnissen aufwachsen. Ohne eine spezielle Unterstützung sei in diesen Fällen die Gefahr sehr groß, in der Schule den Anschluss zu verlieren.
Das vierte Motiv der Plakatserie zeigt Harry Pfau. Und es zeigt gleichzeitig auch, dass in fast jeder Lebenslage bürgerschaftliches Engagement gelebt werden kann. Bis vor einem Jahr ist der 59-Jährige wohnsitzlos gewesen. Obwohl Harry Pfau jetzt ein Dach über dem Kopf hat, ist er weiterhin die meiste Zeit auf der Straße. Genauer gesagt: auf der Tübinger Straße vor der Kirche St. Maria. Dort verteilt er in „Harrys Bude“ gespendete Lebensmittel. „Die würden sonst weggeschmissen“, sagt Harry Pfau. Das muss unterstützt werden, dachte man sich bei der Bürgerstiftung – gerade in Corona-Zeiten. So konnte Harry Pfau sein Angebot noch um Suppen erweitern, für die nun die Bürgerstiftung aufkommt. An sieben weiteren Stuttgarter Standorten namens „Supplokale“ werden warme Speisen an Bedürftige ausgegeben.
Soziale Ideen aus der Taufe heben, weiterentwickeln oder bestehende Projekte unterstützen – dafür kann die Bürgerstiftung Stuttgart jährlich rund 800 000 Euro an Spendengeldern zur Verfügung stellen. Damit wird auch ein Beitrag geleistet für die vom Lockdown besonders stark betroffenen Künstler. Stipendien der Bürgerstiftung werden zu finanziellen Überlebenshilfen.
Eine direkte Corona-Anbindung hat auch das „Plaudertelefon“ mit der Nummer gegen die Einsamkeit. Und so unterschiedlich wie die von der Bürgerstiftung geförderten Projekten sind auch ihre ehrenamtlichen Helfer. Für die Plakataktion zeigen vier davon jetzt stellvertretend ihr Gesicht.