Frühlingszeit ist Pflanzzeit. Angesichts des Klimawandels heißt es aber umdenken. Die Wilhelma macht es vor, Hobbygärtner können es nachmachen und ihre eigene Bepflanzung umstellen. So werden erstmals nach 60 Jahren aus den Wechselflorbeeten Dauerbeete. Jetzt sind die neuen stresstoleranten Pflanzen gesetzt. Was ist beim Pflanzen zu beachten? Katja Siegmann, Leiterin der Parkpflege, kümmert sich mit Bettina Jaugstetter, Landschaftsarchitektin, Gärtnerin und Dozentin, darum, dass alle reibungslos klappt. „Der Pflanztermin jetzt ist optimal“, freut sich Siegmann. Es ist sonnig, trocken und nicht zu kalt.
Im ersten Jahr zum Anwachsen regelmäßig gießen
Die neuen Dauerbeete sind gut zu erkennen neben der Lindenallee bei der Damaszenerhalle in ihrer geschwungenen Art. „Diese Form soll die neue Bepflanzung unterstreichen und sichtbar werden lassen“, erklärt Siegmann. Die Dauerbepflanzung ist in sanften schlangenförmigen Kurven gesetzt und ein wenig mehr abgerückt von den Bäumen, damit alle Pflanzen genug Sonnenlicht und Wärme bekommen.
Im ersten Jahr befinden sich die Gewächse in der Anwachsphase. Und da gibt Jaugstetter diesen Rat: „Da brauchen sie noch zwei- bis dreimal wöchentlich Wasser, danach nur noch bei Dürre, etwa zweimal pro Woche, also wenn es sechs Wochen lang nicht geregnet hat und über 25 Grad warm war.“ Das besondere dieser neuen Bepflanzung ist: Die klimaresistenten Pflanzen in den Beeten sterben nicht komplett ab, sondern sie gehen in die so genannte Samenreife, das heißt, sie treiben dann einfach wieder neu aus. Blühen werden sie in den Farben Gelb, Blau, Weiß und Orange.
Stresstolerante Gewächse halten bis zu 42 Grad aus
Das Nachhaltige für die immer heißer werdenden Sommer: Von den Temperaturen her sind diese Pflanzen strapazierfähig: „So halten diese stresstoleranten Pflanzen bis zu 42 Grad Celsius aus“, sagt Jaugstetter. Die Besucher erleben hier eine dynamische Bepflanzung, das heißt, die Beete verändern sich, passen sich an, wenn eine Pflanze abstirbt, regeneriert sie sich. Sie kann sich aussähen und übernimmt dann den Platz der abgestorbenen Bereiche.
Arten aus Steppen und vom Mittelmeer
Die klimaresistenten Pflanzen wurden zuvor in einer Staudengärtnerei kultiviert. Ihre Wurzeln haben sie aber am Mittelmeer, in Osteuropa und Nordamerika. Einige Arten stammen ursprünglich aus osteuropäischen Steppengebieten, berichtet die Pflanzenplanerin. Dazu gehöre der Steppensalbei, die Steppenwolfsmilch, aber auch Wermut und die Schafgarbe. Auch aus nordamerikanischen Prärien kommen klimaresistente Arten wie die Seidenpflanze, die Indianernessel und verschiedene Gräser. Auch mediterrane Regionen weisen stressresistente Pflanzen aus, wie den Mittelmeer-Wolfsmilch, das Federgras und den Wermut, der nun auch in der Wilhelma zu finden ist. Auch heimische Arten gibt es wie der Meerkohl mit seinen violetten, leicht gekräuselten Blättern. „Diese Pflanzen können alle auch im heimischen Garten gesetzt werden“, sagt Jaugstetter. Sie sind alle winterhart.
Ziel ist eine Wasserersparnis von rund 80 Prozent
In den Zeiten hoher Temperaturen und Trockenheit will der Zoo nachhaltig sein und weniger gießen. „Die Wilhelma erhofft sich durch die Dauerbeete eine sehr große Wasserersparnis nach dem Anwuchsjahr von etwa 80 Prozent“, erklärt Siegmann. Der zoologisch-botanische Garten investiert laut Parkpflege-Chefin für das Projekt der Dauerbeete zwischen 60 000 und 80 000 Euro. Ein weiterer positiver Aspekt: Viele der stresstoleranten Pflanzen seien auch für Insekten wichtig.
Vorbild für heimische Gärten
Wer seinen Garten zu Hause auch auf den Klimawandel einstellen will, der kann sich hier orientieren. Eine Beschilderung für die neuen Beete komme noch, sagt Siegmann. Dann können Besucher beispielsweise auch den Gelblaubigen Holunder und den Rotlaubigen Perückenstrauch finden.
Nicht düngen und Beete nicht hacken
Was sollten Pflanzenliebhaber zu Hause im heimischen Garten beim Pflanzen beachten? „Beim Kauf sollte der Wurzelballen gut durchwurzelt sein, und es sollten keine Schädlinge an der Pflanze sein“, rät Jaugstetter. Beim Anpflanzen sollten die Gewächse nicht zu tief eingesetzt werden. Alle genannten Arten seien für sonnige Stellen im Garten geeignet. Es sollte nicht zu viel gegossen werden, denn „das führt sonst bei den Gewächsen zu Trockenstress“. Und gedüngt werden darf im Übrigen auch nicht. Der Boden sollte zudem keinesfalls gehackt werden, damit möglichst wenig Unkraut wächst. Die fünf bis sieben Zentimeter dicke Lavamulch-Schicht helfe Unkraut zu verhindern. Wo es wächst sollte es vorsichtig mit einem Messer herausgestochen werden.