AAL-Musterwohnung in Waiblingen Probewohnen ist erlaubt

Von Annette Clauß 

In Waiblingen hat die Wohnungsbaugesellschaft GSW eine altersgerechte Wohnung eingerichtet, in der Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können sollen. Das Musterbeispiel kann man besichtigen – und sogar probeweise bewohnen.

Die Sozialministerin Katrin Altpeter (rechts) und  Waiblingens  Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr testen das „Aufstehbett“ in der Musterwohnung. Foto: Gottfried Stoppel
Die Sozialministerin Katrin Altpeter (rechts) und Waiblingens Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr testen das „Aufstehbett“ in der Musterwohnung. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Willkommen in der „bewegten Küche“: Die Spüle senkt oder hebt sich auf Knopfdruck, das Kochfeld ebenso. Im Schlafzimmer klappt ein Aufstehbett auf Wunsch in Sitzposition, schwenkt dann um 90 Grad zur Bettkante, fährt ein Stück in die Höhe und macht so das Aufstehen leichter. Mit wenigen Schritten ist Birgid Eberhardt an der Balkontür. Sobald sie diese öffnet, schaltet sich ein Licht an, welches die Schwelle beleuchtet. Und als die Gerontologin und Medizininformatikerin mit einer Puppe den Sturz eines Menschen auf den Wohnzimmerboden simuliert, ertönt prompt ein Alarm. „Der Boden erkennt dank Sensoren liegende Personen“, erklärt die Expertin ihren Gästen wie der Sozialministerin Katrin Altpeter oder der Ersten Bürgermeisterin Waiblingens, Christiane Dürr.

Hilfsmittel, die das Leben leichter machen

Birgid Eberhardt arbeitet bei der Stuttgarter Firma Tellur, die „smarte Assistenzlösungen“ anbietet (siehe „Die Wohnung der Zukunft“). Für die Wohnungsbaugesellschaft GSW hat die Fachfrau eine auf den ersten Blick ganz normale, geschmackvoll eingerichtete Drei-Zimmer-Wohnung im Waiblinger Süden mit einer Fülle von Hilfsmitteln ausgestattet, welche die moderne Technik derzeit zu bieten hat. Alle sollen den Bewohnern das Leben leichter machen – zum Beispiel älteren Menschen, die möglichst lange selbstständig und in ihrem gewohnten Zuhause leben wollen.

Daheim statt im Heim wohnen – das sei der Wunsch von mehr als 90 Prozent der älteren Menschen, sagt der Vizepräsident des Sozialverbands VdK, Roland Sing. Deshalb hat er vor fünf Jahren Roy Lilienthal ans Herz gelegt, sich mit dem Thema Altersgerechte Assistenzsysteme (AAL) zu beschäftigen. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau (GSW) hat den Ratschlag beherzigt: Das Ergebnis ist nun in Form einer Musterwohnung in der Waiblinger Jesistraße zu besichtigen – der einzigen weit und breit.

Doch das solle nicht so bleiben, sagt Lilienthal: „Wir sind dabei, in Berlin 70 solcher Wohnungen auszustatten. Es ist wichtig, eine größere Anzahl dieser Wohnungen zu haben.“ Denn es gelte, in diesem zukunftsträchtigen Bereich Erfahrungen zu sammeln, die Sinnhaftigkeit von Systemen, deren Beherrschbarkeit und Nutzen in Relation zu den Kosten zu analysieren.

Infos für Architekten, Handwerker, Privatleute

In der Waiblinger Musterwohnung, die künftig nicht nur für ältere Menschen, sondern gerade auch für Architekten, Planer und Handwerker eine Anlaufstelle sein soll, hat die GSW nicht gekleckert, sondern geklotzt. „Wir zeigen Dinge, die man nachträglich ohne großen Aufwand nachrüsten kann, aber auch solche, die nur in einem Neubau möglich sind, weil sie schon im Rohbau berücksichtigt werden müssen“, erklärt Birgid Eberhardt.

Gleich drei Varianten der Steuerung sind als Anschauungsmaterial verfügbar: Neben einer Standard-Haussteuerung in Form eines Tablet-Rechners kann die Technik auch über ein Funksystem oder das Assistenzsystem „Persönlicher Assistent für unterstütztes Leben“ (PAUL) bedient werden, das deutlich einfacher zu handhaben ist, als eine Haussteuerung.

„Sehr bequem und funktional“ ist das Urteil, das Katrin Altpeter und Christiane Dürr nach einem kurzen gemeinsamen Liegetest im Aufstehbett fällen. Als Roy Lilienthal einräumt, dass der Sensorboden zur schnellen Sturzerkennung derzeit nicht mehr als zehn Menschen gleichzeitig in der Wohnung duldet, sondern Alarm schlägt, auch wenn alle stehen, meint die Ministerin, da müsse man vonseiten der GSW vielleicht etwas nachbessern: „Auch 90-Jährige schmeißen mal eine Party.“




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