Abschied vom Planungsstab Stadtmuseum wird ohne Chefplanerin vollendet

Von Josef Schunder 

Ende 2017 soll das neue Stadtmuseum Stuttgart in Betrieb gehen. Die Frau, die als Leiterin des Planungsstabs maßgeblich am Aufbau mitwirkte, wird aber spätestens Ende 2016 von Bord gehen. Anja Dauschek leitet künftig das Altonaer Museum. Ist sie vergrault und vertrieben worden?

Im Gemeinderat wird erneut die Frage nach dem Konzept des Stadtmuseums gestellt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Im Gemeinderat wird erneut die Frage nach dem Konzept des Stadtmuseums gestellt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Ende 2017 soll Stuttgarts Stadtmuseum öffnen. Dann wird Anja Dauschek, die Leiterin des Planungsstabs, aber längst weg sein. Sie wechselt nach Norddeutschland. Und diese Nachricht kam am Montag, nachdem in den vergangenen Wochen vor allem die CDU im Gemeinderat zu Dauscheks Staunen die Konzeption noch einmal in Frage gestellt hatte.

Der Stiftungsrat der Historischen Museen Hamburg hat, wie er am Montag kund tat, „die erfahrene Museumsberaterin und engagierte Museumsplanerin“ angeheuert. Sie werde spätestens am 1. Januar 2017 die Leitung des Altonaer Museums übernehmen. Dieses versteht man beim Stiftungsrat als „einen der zentralen Standorte der Stiftung Historische Museen Hamburg“. Dauschek war nicht erreichbar. In der Pressemitteilung aus Hamburg nannte sie es aber eine ehrenvolle Herausforderung, die Neukonzeption des Altonaer Museums weiter voranzutreiben und das Haus in die Zukunft zu führen. Und auch Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung, betonte die Aufgabe, „das traditionsreiche Altonaer Museum zu modernisieren und zu einer zeitgemäßen Kultureinrichtung zu entwickeln“. In Stuttgart, hieß es lobend, habe Dauschek das geplante Museum als offene und vernetzte Institution konzipiert, die nicht nur historisches Wissen vermittle, sondern auch als Diskussionsort für Gegenwart und Zukunft fungieren solle.

Es gab keinen Zweifel, dass sich Dauschek bewerben würde

Dauscheks Qualitäten, findet auch Bettina Klett, die Vorsitzende des Freundeskreises Stadtmuseum Stuttgart e. V., seien außerordentlich hoch einzuschätzen. Die Leiterin des Planungsstabs habe wunderbar, hinreißend und klug gearbeitet und verhandelt, das geplante Museum konzeptionell auf die entscheidenden Fragen fokussiert: Aus- und Einwanderung sowie Architektur und Stadtplanung. Oder anders gesagt: Auf die Fragestellung, woher Stuttgart kommt und wie die Stuttgarter künftig leben wollen. Sie selbst, sagt Klett, hätte nicht im Mindesten daran gezweifelt, dass Dauschek sich für die Stelle der Gründungsdirektorin oder des Gründungsdirektors bewerben würde.

Die Ausschreibung wurde allerdings vertagt, nachdem die CDU die Konzeption überraschend auf den Prüfstand zurückgeholt hatte. Sie hält es für nötig, dem Wilhelmspalais mehr Besucherpotenziale zu verschaffen und die gastronomische Bespielung zu erweitern, auch außerhalb der Museumsöffnung. Das könnte Folgen für die Chefstelle haben. Darüber soll nun kommende Woche beraten werden, die Stelle in den Sommerferien ausgeschrieben werden.

Hat die CDU Dauschek vergrault? Wer das behaupten wollte, würde mit Sicherheit Protest der CDU auslösen. Es sei immer klar gewesen, dass Dauschek als Leiterin des Planungsstabs tätig sei und die Stelle des Gründungsdirektors ausgeschrieben würde, sagt Jürgen Sauer, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Er habe Dauschek gesagt, dass er persönlich eine Bewerbung von ihr begrüßen würde. Ihre Entscheidung, nach verdienstvoller Tätigkeit in Stuttgart nach Hamburg zu wechseln, bedauere er. An der Überlegung, dem Museum zu mehr Besuchern zu verhelfen und es zu einem offenen Haus zu machen, hält die CDU aber fest.

Es soll keine große Küche eingebaut werden

Bettina Klett pocht darauf, das Museum wäre auch mit dem jetzigen Konzept abends nicht tot. Es werde ein großes Veranstaltungsprogramm haben. Wenn man im Erdgeschoss außerdem abends noch einen Aperol Spriz trinken könne – „umso besser“. Eine große Speisekarte sei nicht nötig. Der Freundeskreis habe bei seiner Gründung gewisse Erwartungen gehabt – „dazu zählte nicht, dass man sich durch die Eventgastronomie hindurch einen Weg zur Stadtgeschichte in den oberen Räumen bahnen muss“. Klett hofft, dass sich Botschaften erfüllen, die OB Fritz Kuhn (Grüne) im Kulturausschuss und im Kuratorium fürs Museum aussandte: Bei bereits Beschlossenem und dem Zeitplan werde es bleiben. Eine große Küche werde nicht eingebaut. Zur Eventlocation werde das Museum nicht. Stattdessen werde man schauen, wie man mit wenigen Eingriffen im Museum mehr erreiche.

Sonderthemen



Unsere Empfehlung für Sie