Adipositas in BW – die Fakten Wie viele Fettleibige gibt es in Baden-Württemberg?

Adipositas bezeichnet eine krankhafte Fettleibigkeit. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Adipositas ist im Südwesten verbreitet - aber nicht überall gleich stark. Ein Geschlecht ist bei den Werten zudem unterrepräsentiert.

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Unter Adipositas oder Fettleibigkeit leiden krankhaft Übergewichte mit übermäßig hohem Fettanteil. In diesem Text berichten wir die Fakten zu Adipositas in Baden-Württemberg, basierend auf Daten der AOK Baden-Württemberg. Diese werten wir für unser Projekt „Gesundheitsatlas“ aus.

 

Insgesamt sind demnach 8,8 Prozent der Baden-Württemberger betroffen. Je nach Altersgruppe leiden 2 bis 18 Prozent der Baden-Württemberger an Adipositas. Am stärksten leiden Senioren, aber auch bei Kindern gelten knapp zwei Prozent als adipös. Die Tabelle zeigt die Verteilung nach Altersgruppen:

Seit 2012 ist der Anteil der Erkrankten in Baden-Württemberg insgesamt um knapp 15 Prozent gestiegen. Er nimmt überall in Europa zu und in Deutschland ist er europaweit am höchsten. Das habe mit dem veränderten Lebensstil zu tun: „Heutzutage sind sehr viel weniger Menschen in Berufen tätig, die körperlich anstrengend sind, sondern arbeiten eher am Bildschirm, also sitzend", sagt der Mediziner Ralph Bier von der AOK Baden-Württemberg. Auch im Alltag und in der Freizeit bewegten sich die meisten weniger: „Wir nutzen selbst für kurze Wege das Auto, setzen zum Beispiel im Haushalt und im Garten vermehrt Geräte ein, verbringen mehr Zeit vor dem Bildschirm", schildert der Medizinert. Zudem stehe nahezu rund um die Uhr ein großes Angebot fett- und zuckerhaltiger Nahrungsmittel zur Verfügung. Die Folge ist vielfach eine Gewichtszunahme, die bei einigen Menschen krankhaft ist - eben Adipositas.

Doch je nach Altersgruppe und Geschlecht fiel der Zuwachs unterschiedlich stark aus. Vor allem bei Männern wird Adipositas deutlich häufiger diagnostiziert als noch vor zehn Jahren. Bei männlichen Kindern und Jugendlichen ist der Anteil der Adipösen heute um ein Drittel höher als noch 2012.

Ältere Menschen häufiger von Adipositas betroffen

Schwerpunktmäßig sind vor allem ältere Menschen von Adipositas betroffen. Der Überblick zeigt auch, dass trotz der Zunahme bei den Männern Adipositas weiterhin häufiger bei Frauen diagnostiziert wird. Allerdings: „Werden in Studien gemessene Gewichtsdaten betrachtet, gibt es insgesamt zwischen Männern und Frauen kaum Unterschiede bezüglich des Auftretens von Adipositas“, sagt Ralph Bier. Zu den Ursachen zählten die kulturellen Erwartungen und Normen, auf die Frauen sensibler reagieren - sie gehen häufiger zum Arzt, entsprechend kann Adipositas häufiger diagnostiziert werden. Frauen hätten zudem häufiger einen kritischeren Blick auf ihren Körper, so Bier. Hinzu kommen biologische Ursachen wie der höhere Körperfettanteil und die unterschiedliche hormonelle Steuerung.

Wie verteilt sich Adipositas in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart? Das zeigen die folgenden Karten. Zunächst visualisieren wir die Verteilung von Adipositas über alle Altersgruppen hinweg. Dunkelblau eingefärbte Stadt- und Landkreise liegen über dem Landesschnitt, hellblau eingefärbte darunter. Klicken Sie auf einen Landkreis für den exakten Wert:

Am häufigsten sind Seniorinnen und Senioren von Adipositas betroffen. Die folgende Karte zeigt nach Geschlechtern getrennt, wie sich der Anteil der Diagnosen in den Stadt- und Landkreisen verteilt. Ein Klick auf den Stadt- oder Landkreis zeigt Ihnen wiederum den exakten Wert an:

Adipositas in der Region Stuttgart

In der Region Stuttgart ist Adipositas recht unterschiedlich verbreitet. In den in dunklerem Gelb eingefärbten Gemeinden liegt der Anteil über dem Landesschnitt. Am höchsten ist er in Winterbach (Rems-Murr-Kreis). Klicken Sie in der Karte auf die Gemeinde, die Sie interessiert, um den Anteil der Menschen mit Adipositas-Diagnose zu sehen:

Die Daten in diesem Beitrag stammen von der AOK Baden-Württemberg. Sie ist mit rund 4,6 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Baden-Württemberg. Für zwölf ausgewählte Krankheiten stellt uns die AOK aggregierte Diagnosedaten ihrer Versicherten zur Verfügung.

Bis hinunter auf Postleitzahlebene kann man damit sehen, wie verbreitet die Krankheiten sind – aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, von Kindern bis zu Hochbetagten. Die Verteilung der Diagnosen unter ihren Versicherten entspricht in etwa der Verteilung unter allen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Zum Projekt Gesundheitsatlas gelangen Sie über diesen Link.

Zum Datenprojekt „Gesundheitsatlas“

Daten
Wie alle Krankenkassen erhält die AOK zu Abrechnungszwecken von Ärzten und Krankenhäusern Daten zu Diagnosen und der Therapie ihrer Versicherten. Diese Daten aggregiert sie nach Wohnort, Geschlecht und Alter der Patienten. Damit kann die AOK errechnen, wie hoch unter ihren Versicherten der Anteil einzelner Krankheiten in bestimmten Altersgruppen oder Postleitzahlbereichen ist.

Repräsentativ
Die Zusammensetzung der AOK-Versicherten entspricht bei Geschlecht und Altersgruppe in etwa der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg. Bei Unter-45-Jährigen liegt der Anteil höchstens fünf Prozent über dem der Gesamtbevölkerung, bei Älteren höchsten 15 Prozent darunter. Lässt man Einkommensunterschiede außen vor, sind die Daten zur Verteilung einzelner Krankheiten unter AOK-Versicherten also annähernd repräsentativ für Baden-Württemberg. 

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