Afrika-Festival in Heslach Nicht immer alles so verbissen sehen

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Was afrikanisches Lebensgefühl bedeutet, haben die Besucher am Wochenende in Heslach erfahren. Das Afrika-Festival geht inzwischen in die elfte Runde.

Die Besucher können sich auf dem Basar auch die Haare auf typisch afrikanische Art frisieren lassen. Foto: Maira Schmidt
Die Besucher können sich auf dem Basar auch die Haare auf typisch afrikanische Art frisieren lassen. Foto: Maira Schmidt

S-Süd - Einige tausend Kilometer Luftlinie liegen normalerweise zwischen Stuttgart und Afrika. Gut acht Stunden dauert ein Flug bis Kenia, bis Südafrika sind es sogar noch mehr. Doch einmal im Jahr ist der Kontinent ganz nah. Mitten in Heslach verwandelt sich dann der Erwin-Schoettle-Platz in einen afrikanischen Basar. Neben den Ständen mit traditioneller Kleidung, Handwerkskunst und allerlei Leckereien, den Länderberichten und Trommelworkshops, vermitteln vor allem die Musiker das typisch afrikanische Lebensgefühl.

Das Afrika-Festival, das am Wochenende wieder im Stuttgarter Süden stattfand, geht inzwischen in die elfte Runde. Der Afrikanische Verein und das Forum Afrikanum haben das Musikfest 2003 ins Leben gerufen. Vier Jahre später wurde der Afrika-Festival-Verein gegründet. „Wir stemmen das Ganze ehrenamtlich“, sagt Alice Vetter-Takin. Sie ist Mitglied im Vorstand und selbst seit 30 Jahren mit einem Afrikaner verheiratet.Gerade mal 15 Mitglieder zähle der Verein und „leider lässt sich in der Stadt kaum ein Sponsor finden“, sagt sie.

Ort der Begegnung für Deutsche und Afrikaner

Dabei scheint das Festival bei den Stuttgartern gut anzukommen. „Wir zählen die Besucher nicht“, sagt der Vereinsvorsitzende Richard Mvondo. Aber zwischen 15.000 und 20.000 seien es an den drei Tage bestimmt und es würden immer mehr. Inzwischen denkt der Verein sogar darüber nach, das Festival zu vergrößern. Der Cannstatter Wasen sei als Veranstaltungsort im Gespräch. Am liebsten würde der Verein aber in Heslach bleiben. „Hier passt die Atmosphäre“, sagt Alice Vetter-Takin. Allerdings sei der Platz ein wenig zu eng. Man denke deshalb darüber nach, das Fest auf einen der umliegenden Straßenzüge auszuweiten. Doch das bedarf der Zustimmung der Stadt.

Das Afrika-Festival soll ein Ort der Begegnung für Deutsche und Afrikaner sein. „Wir wollen Vorurteile abbauen und Akzeptanz schaffen“, sagt Alice Vetter-Takin. Laut Auskunft des Vereins leben in Stuttgart circa 9000 Afrikaner und Afrikanerinnen. Mit einer von ihnen ist Thomas Diehl verheiratet. Seine Frau Cathrin stammt aus Kenia. Seit fast 20 Jahren sind die beiden zusammen. Das Paar, das in Heslach lebt, ist von Anfang an beim Afrika-Festival mit einem eigenen Stand dabei gewesen. Sie bieten Kunsthandwerk und Mode an. Einmal im Jahr fliege seine Frau in ihre Heimat, um dort Waren für die verschiedenen Festivals in Deutschland einzukaufen, erzählt Diehl. Denn genau wie die meisten Händler sind die beiden mit ihrem Stand nicht nur in Heslach vertreten. Aber sie schätzen die Veranstaltung direkt vor der eigenen Haustür. „Das ist eines der besten Afrika-Festivals im Südwesten“, sagt Diehl. Auf die Frage, was denn afrikanisches Lebensgefühl für ihn ausmache, antwortet er: „Lockerheit, dass man nicht immer alles so verbissen sieht.“ Vielleicht ist es das, was die vielen Besucher auf den Erwin-Schoettle-Platz treibt. In diesem Jahr dürfte allerdings auch das traumhafte Sommerwetter seinen Teil dazu beigetragen haben.

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