Agrarexperte Klaus Hoher Raus in die Natur - FDP-Politiker will Schulpraktika auf dem Land

Von red/dpa 

Wie entstehen Lebensmittel? Viele Städter sind da ziemlich ahnungslos, meint ein FDP-Politiker im Südwesten. Er macht einen überraschenden Vorschlag, um Schülern das Landleben näher zu bringen.

Geht es nach FDP-Politiker Klaus Hoher, sollen Schüler künftig ein Praktikum zum Beispiel auf einem Bauernhof machen. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky
Geht es nach FDP-Politiker Klaus Hoher, sollen Schüler künftig ein Praktikum zum Beispiel auf einem Bauernhof machen. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Stuttgart - Der FDP-Agrarexperte Klaus Hoher sieht eine Entfremdung der Stadtbevölkerung von der Landwirtschaft und hat deshalb verpflichtende Schulpraktika auf dem Land vorgeschlagen. Es sei überlegenswert, ein schulisches Kurzzeitpraktikum „in der ländlichen Urproduktion“ einzuführen, sagte Hoher der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „In früheren Generationen war es völlig normal, dass Schulklassen auch einmal bei der Kartoffelernte ausgeholfen haben.“

Auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte: „Die früher selbstverständlichen Berührungspunkte zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung werden heute immer seltener. Dieser Entfremdung müssen wir entgegenwirken.“ Sie verwies auf schon bestehende Projekte wie den Schulbauernhof Niederstetten-Pfitzingen (Main-Tauber-Kreis). „Durch die Mitarbeit in Stall, Feld und Küche lernen dort jedes Jahr zahlreiche Schülerinnen und Schüler, woher unsere Nahrungsmittel kommen, erhalten Einblicke in das bäuerliche Leben und die landwirtschaftliche Produktion“, sagte Eisenmann, die auch CDU-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl 2021 ist. Verpflichtende Praktika hält sie nach Angaben einer Sprecherin kaum für umsetzbar.

Hoher wächst auf Bauernhof auf

Hoher erklärte, man könne durchaus eine nachhaltigere Form der Landwirtschaft unterstützen - das tue er selbst auch. „Aber der städtisch geprägte Zeitgeist marschiert inzwischen in eine Richtung, welche die Bewirtschaftung von Land und Gewässern über kurz oder lang gänzlich unmöglich macht“, beklagte der Politiker, der auf einem Bauernhof aufwuchs und im Nebenerwerb Landwirt ist.

Der Landtagsabgeordnete aus dem Bodenseekreis verwies auf die Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Bayern und Baden-Württemberg. Die Bewegung um dieses Volksbegehren erfülle ihn mit Sorge. Die Initiatoren im Südwesten fordern etwa den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft auf 50 Prozent bis 2035, die Halbierung von Pestiziden bis 2025 und ein Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten.

„Ideologische Schwarz-Weiß-Malerei“

Hoher erklärte, auch der Ökolandbau könne nicht ohne Pflanzenschutz auskommen. Er warf den Pestizid-Kritikern vor, keine Ahnung zu haben. „Wer als junger Mensch einmal eine Woche in einem Betrieb der Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft mitgelaufen ist, der bekommt zumindest ein Gespür für die grundlegenden Zusammenhänge und Arbeitsbedingungen der Land- und Gewässerbewirtschaftung“, sagte Hoher weiter. Eine solche Erfahrung schütze nicht nur gegen „ideologische Schwarz-Weiß-Malerei“, sondern sie steigere auch den Respekt vor Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen.

Eisenmann stellt nach eigenen Worten fest, dass viele Kinder kaum noch verschiedene Pflanzen- und Baumarten voneinander unterscheiden könnten. „Wo früher noch im Freien gespielt oder durch den Wald gestrolcht wurde, verlagert sich der Aktionsradius vieler Kinder heute immer mehr auf geschlossene Räume. Hier sehe ich deutlichen Handlungsbedarf, auch aufseiten der Eltern.“ Nach dem Motto „Raus in die Natur“ müssten auch die Schulen noch stärker den Zugang zur Natur fördern. In den Bildungsplänen gebe es dafür gute Anknüpfungspunkte.