Albtrasse Wendlingen-Ulm ICE-Strecke bringt der Bahn viel Geld

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Ein internes Papier zeigt: die Bahn kassiert kräftig für die Planung und trägt selbst nur 75 Millionen Euro für die Finanzierung bei.

Die Neubaustrecke und die sechsspurige A8 existieren bislang nur in Grafiken. Foto: Archiv
Die Neubaustrecke und die sechsspurige A8 existieren bislang nur in Grafiken. Foto: Archiv

Stuttgart - Mit dem Spatenstich hat die Deutsche Bahn AG (DB) den Neubau der mindestens 2,9 Milliarden Euro teuren ICE-Strecke Wendlingen–Ulm begonnen. Der Eigenanteil des Konzerns an der Finanzierung der Trasse ist bisher bemerkenswert gering. Die Bahn selbst übernimmt nicht einmal 2,5 Prozent der Gesamtausgaben, wie ein internes Projektdossier der DB Netze von Anfang März dokumentiert, das der Stuttgarter Zeitung vorliegt. Auf Seite 8 des Papiers beziffert die DB ihren Beitrag zu der von Bund und Land finanzierten ICE-Strecke mit 75 Millionen Euro.

Bahn profitiert vom Neubau

Der Anteil des Konzerns beschränkt sich demnach vor allem auf den Rückbau vorhandener Anlagen und eine mögliche Überschreitung der Planungskosten. Als Bauherrin wiederum profitiert das Unternehmen massiv von dem Projekt und könnte nach derzeitigem Stand mehr als 460 Millionen Euro Planungskosten kassieren. Bei Schienenvorhaben des Bundes, die allesamt von der DB Netz umgesetzt werden, stellt der Konzern üblicherweise bis zu 19 Prozent pauschale Planungskosten in Rechnung. Bei der Strecke Wendlingen–Ulm kassiert das Unternehmen dem Dossier zufolge offenbar 16 Prozent.

Für Kritiker erklärt dieser Umstand das hohe Interesse der DB an der Umsetzung des umstrittenen Bahnprojekts, das vor allem dem Personenverkehr dient. Für viel wichtiger halten Experten jedoch den raschen Ausbau von Strecken für den stark wachsenden Güterverkehr auf der Schiene, wo es viele Engpässe gibt.

Die Bahn sieht die ICE-Strecke samt Stuttgart 21 als „Grundstein für eine zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur im Südwesten“. Zwischen Stuttgart und Ulm verkürze sich die Fahrzeit von 54 auf 28 Minuten, heißt es. Die Kosten der ICE-Strecke sind dabei bereits vor Baubeginn von 2 auf 2,9 Milliarden Euro geklettert. Die zusätzliche Bundesfinanzierung von knapp 900 Millionen Euro werde durch den „Finanzkreislauf Schiene“ ermöglicht. Die Finanzierungsvereinbarung zwischen der Bahn und dem Bund sei am 15. März „angepasst“ worden. „Damit ist die Gesamtfinanzierung des Vorhabens sichergestellt“, so Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Dem Dossier zufolge rechnen die Fachleute der DB Netz derzeit jedoch mit einer um mindestens zwei Jahre verspäteten Fertigstellung der ICE-Trasse – frühestens also Ende 2021.