Alex Köberlein im Porträt Ein Mann lässt sich treiben

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2007 trennte sich Alex Köberlein von seiner Frau: „Die Liebe war weg.“ Als er kurz darauf schwer krank wurde, schloss er die Musikschule und überschrieb seinen Besitz auf die vier Kinder aus zwei Ehen. „Ich habe meine weltlichen Verpflichtungen abgeschafft“, sagt er. Nun lebt er in den Tag hinein, „wie ein Gelehrter“. Köberlein beschäftigt sich mit Philosophie und werkelt in seinem Tonstudio. Zwischendrin schaut eine Zugeherin vorbei, schmiert Butterbrezeln und putzt. „Das ist die allerschönste Zeit in meinem Leben“, sagt der 61-jährige Köberlein. Statt zu strampeln, lässt er sich treiben. „Ich habe viel Zeit, über mich und andere Dinge nachzudenken.“

Alex Köberlein hat vom Ruhm gekostet, aber nicht so viel, dass er davon besoffen geworden ­wäre. Er war Kopf der besten Schwabenrockband aller Zeiten. Noch immer verkauft er im Eigen­vertrieb Schwoißfuaß-CDs, die Gema schickt Schecks, und mittlerweile bringen auch iTunes und Amazon ein paar Euro ein. In der Hitparade von SWR 1 landete „Oiner isch emmr dr Arsch“ kürzlich exakt zwischen „Satisfaction“ von den Rolling Stones und „TNT“ von AC/DC. Und mit Grachmusikoff, der vor 35 Jahren in Bad Schussenried gegründeten Mundartkapelle, tritt Alex Köberlein in diesem Jahr etwa 60-mal auf. Vor den Konzerten trinkt er ein Bier, ein weiteres in der Pause, mehr nicht, er muss ja auf den Blutdruck achten. Was macht der Schwabenrocker, wenn er irgendwann nicht mehr stehen kann, weil die Knochen zu morsch sind? „Dann lass ich mich im Rollstuhl auf die Bühne schieben.“