Alte Bahndirektion Zwischen Frust und Umzugsstress

Von Heike Armbruster 

Die Mieter der alten Bahndirektion müssen ihre Räume früher verlassen, als gedacht. Das bringt für viele Stress mit sich.

Die alte Bahndirektion wird früher abgerissen, als geplant. Foto: Honzera
Die alte Bahndirektion wird früher abgerissen, als geplant. Foto: Honzera

Stuttgart - Bis Jahresende müssen 156 Selbstständige ihre Geschäftsräume in der Heilbronner Straße 7 verlassen. Der Ärger darüber ist groß in der alten Bahndirektion. Die Jungunternehmer hatten damit gerechnet, frühestens im März 2012 Mobiliar, Computer und Aktenordner packen zu müssen. Einige der Mieter machen nun in einem offenen Brief ihrem Frust über die kurze Zeitspanne für den Umzug und die höheren Mieten für die alternativen Räume Luft. Auch der Spielbetrieb des Jungen Ensembles Stuttgart ist gefährdet.

Innerhalb der nächsten drei Wochen umzuziehen, das wird für die Mieter des H 7 ein Kraftakt. Sie haben erst Anfang der Woche erfahren, dass ihre Verträge nicht verlängert werden. Die kurzfristige Kündigung des Hauptvermieters kam auch für die Raumaufzeit GmbH unerwartet. Die Gesellschaft hatte das H 7 2006 von der Bahn angemietet, um die Räume günstig an junge Selbstständige aus der Kreativbranche zu vermieten. Im Zuge von Stuttgart 21 forciert die Bahn nun einen früheren Teilabriss der alten Bahndirektion. Raumaufzeit sicherte allen Mietern alternative Räume zu (wir berichteten) .

Junges Ensemble Stuttgart fürchtet um Produktionen

Dieses Versprechen kann die Gesellschaft jedoch im Fall des Jungen Ensembles Stuttgart (Jes) nicht halten. Laut Conrad Solloch, dem Verwaltungsdirektor des Ensembles, könne die Raumaufzeit keine Alternative für das Bühnenbildlager des Ensembles im H 7 anbieten – und das, obwohl das Jes im Gegensatz zu den meisten anderen Mietern einen Vertrag hat, der ausdrücklich eine dreimonatige Kündigungsfrist vorsieht und nicht befristet ist. Ohne das Lager aber könnten einige Produktionen nicht aufrechterhalten werden.

Auf den Fluren im H 7 beherrscht die Räumung derzeit alle Gespräche. Die einen versuchen noch den Schock zu verdauen, die anderen organisieren bereits Handwerker und Umzug. „Ich bin verärgert“, sagt Fili Gountaglou. Nur habe sie keine Zeit, auf ihrem Unmut zu verharren. Die Vorweihnachtszeit ist in ihrem Friseursalon eine der betriebsamsten des Jahres, ein Umzug zwischen Weinnachten und Neujahr geschäftsschädigend. Dennoch bleibe ihr nicht anderes übrig, als Handwerker zu finden, die noch vor Silvester Zeit haben.

Probleme mit Ausweichquartieren

Auch Brigitte Volz hat schon Umzugskartons in ihrem Büro der Eventagentur Quartier Stuttgart stehen. Darauf , die Kündigung anzufechten, verschwende sie keinen Gedanken. „Den Umzug hinzukriegen, das ist existenziell für mich“, sagt die Agenturchefin. Probleme gibt es genug. Die Räume in der Jägerstraße, die Raumaufzeit als neuen Standort anbietet, sind noch nicht renoviert; auch Telefon und Internet fehlen. „Ich kann meinen Anschluss nicht einmal ummelden, weil es noch keine genaue Adresse für das LBBW-Gebäude C in der Jägerstraße gibt“, erklärt Brigitte Volz. Sie ist vor allem über die Außenwirkung ihrer Agentur besorgt. „Wenn wir nicht erreichbar sind, ist das unprofessionell.“