American Football: Stuttgart Scorpions Burgfrieden statt großer Knall

Schluss mit dem Herumeiern: Gut möglich, dass der Football-Zwist in der Landeshauptstadt ein Ende findet. Foto: Baumann

Die Jahreshauptversammlung der Scorpions hat einige Überraschungen gebracht. Beim Degerlocher Zweitliga-Absteiger stehen die Zeichen auf Neuausrichtung. Auch im Hinblick auf den ungeliebten Nachbarn Stuttgart Surge?

Ein Präsidentschaftsgegenkandidat aus dem Nichts, der zudem eine Nähe zum großen Nachbarn Stuttgart Surge hat, dazu eine gespaltene Mitgliederschaft, wie das 50:50-Ergebnis des ersten Wahldurchgangs zeigt – die Jahreshauptversammlung des Football-Clubs ASC Stuttgart Scorpions hatte wahrlich Zündstoff zu bieten. Doch der Knall blieb aus. Stattdessen glimmt ein kleiner Hoffnungsfunke unter dem Fernsehturm, dass dem Burgfrieden, der inzwischen geschlossen wurde, bald eine weitere Versöhnung auf anderer Ebene folgt.

 

Marko Albrecht war der Herausforderer, der sich als Gegenkandidat zum Amtsinhaber Roland Pellegrino für den Präsidenten-Posten beim Stuttgarter Verein bewarb. Dabei war er bis wenige Tage vor der Jahreshauptversammlung noch nicht einmal Mitglied gewesen. „Mein Sohn spielt in der Männermannschaft. Da ging das Gerücht um, dass Roland Pellegrino hinschmeißen wird. Und da haben mich ein paar Leute gefragt, ob ich nicht helfen kann“, begründet Albrecht. Pikant wird die Sache allerdings dadurch, dass Albrecht als Marketingbeauftragter bei einem Handelsunternehmen für Elektroartikel arbeitet, das Sponsor der European Football-League (ELF) ist. Und in jener wiederum spielt das Franchise von Stuttgart Surge, das die Scorpions bei seiner Gründung schon einmal vor einen Glaubenskrieg gestellt hat. Seinerzeit wanderte ein Teil der Spieler und Funktionäre zu Surge ab.

Hauchdünne Mehrheit im zweiten Wahlgang

Die Frage „Surge oder nicht Surge?“ hat damals die Scorpions gespalten, und sie tut es immer noch – siehe das Resultat des ersten Wahlgangs um den Präsidentenposten, das mit einem Stimmen-Patt endete. Im zweiten Wahlgang setzte sich der Amtsinhaber mit hauchdünner Mehrheit durch. Allerdings hatte Pellegrino noch vor der Abstimmung verkündet: „Ich werde den Job des Präsidenten nicht ewig machen. Wenn in einem Jahr jemand kommt, den ich einarbeiten kann, werde ich mich nicht wehren.“

Nun, dieses Jahr braucht er nicht einmal mehr zu warten. Denn er bot seinem Herausforderer folgende Abmachung an: Albrecht soll ein Jahr lang als Beirat mit von der Partie sein. Damit ist er in alle Vorstandsbelange eingebunden, hat selbst aber kein Stimmrecht. Albrecht erbat sich Bedenkzeit, bekam sie und stimmte dann zu. Auch die restlichen Mitglieder des Scorpions-Vorstands – Michael Klaus, Daniela Ruis sowie die neu ins Gremium gewählten Nikola Gall und Barbara Morell – segneten diese Vorgehensweise ab.

Annäherung an Surge?

Inzwischen haben sich Albrecht und Pellegrino ausgesprochen und zelebrieren den Schulterschluss. „Wir haben beide schnell gemerkt, dass wir gar nicht so weit voneinander weg sind“, sagt Albrecht. „Denn eigentlich wollen wir alle das Gleiche – Erfolg.“ Und das nicht nur auf vereinsinterner Ebene. Denn auch eine Annäherung an Stuttgart Surge ist wieder ein Thema. „Es wird Zeit, dass man miteinander redet statt übereinander“, sagt Albrecht. „Man könnte zusammen einiges erreichen“, sagt Pellegrino.

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