Amphibienschutz in Leinfelden-Echterdingen Besondere Gewässer am Rand einer historischen Straße

Die künstlich angelegten Seen im Gemeindewald Weidacher Höhe sind verschieden groß. Foto: Friedl

Im Leinfelden-Echterdinger Gemeindewald dienen Kaskadenseen zum einen dem Schutz von Amphibien und wirken zum anderen der Überflutungsgefahr entgegen. Und es gibt auch gut versteckt eine jahrhundertealte Brücke.

Lokales: Armin Friedl (dl)

Sie war für Händler oder die Post ein Abschnitt auf der Route Deutschland-Italien, Goethe erwähnte sie in seinen Reisetagebüchern, Dichter, Denker, Adlige nutzten sie auf ihrem Weg zwischen Stuttgart und Tübingen: die Alte Poststraße in Echterdingen. Nachweislich waren beispielsweise Friedrich Schiller, Wilhelm Hauff, Ludwig Uhland und Justinus Kerner auf dieser Straße durch den Schönbuch unterwegs, teils per Kutsche, teils zu Fuß. Vom Glanz dieser Zeiten ist heute jedoch nichts mehr übrig.

 

Ein gut erhaltenes Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert als Teil der Alten Poststraße. Foto: Armin/ Friedl

Doch im 18. Jahrhundert war die Straße etwas Besonderes: eine der ersten, richtig befestigten Straßen mit Kopfsteinpflaster. Und sie war schnurgerade. Die Landvermesser hatten Herzog Carl Eugen damit in den 1750er Jahren ihre Fertigkeit bewiesen. Eine Dekade später legten sie die, ebenfalls schnurgerade, Verbindung zwischen den Schlössern Solitude und Ludwigsburg an.

Einst ein tödliches Pflaster für Amphibien

Heute führt die Alte Poststraße noch von Echterdingen zur Schlösslesmühle, dort verhindert eine meist geschlossene Schranke die Weiterfahrt, damit Autofahrer die Strecke nicht als Schleichweg durch das Naturschutzgebiet nutzen. Denn über einige Jahrzehnte hinweg war sie für Kröten und Amphibien ein im wahrsten Sinne des Wortes tödliches Pflaster. Wolfgang Haug, gebürtiger Echterdinger, Schulrektor im Ruhestand und seit mehr als 50 Jahren Gemeinderat in Leinfelden-Echterdingen, erinnert sich: „Das war ein fürchterlicher Anblick, auf der ganzen Straße auf mehreren Hundert Metern die unzähligen Tierleichen.“

Hier stimmt die Wasserqualität

Doch das ist Vergangenheit, die Autos sind verbannt. Aber man kann die Alte Poststraße zu Fuß entlang gehen. Dann kommt man an einigen Seen vorbei, mal gut erkennbar, mal ziemlich verborgen im Gehölz, mal eher kleine Tümpel, mal größere Gewässer. „Kaskadenwald“ nennt Haug diesen Bereich im Stadtwald. Für die Amphibien ist dies die Lebensrettung, denn nun müssen sie keine Straße mehr überqueren, um zu einem Gewässer zu kommen, sondern können geschützt im Wald bleiben. Die Biotope sind so angelegt, dass das Wasser von einem See zum nächsten fließt, eben eine kaskadenartige Anlage; damit ist auch die Wasserqualität gut. Zudem spart die Stadt auf diese Weise Kosten, denn es kann auf Helfer verzichtet werden, die die Amphibien einsammeln und über die Straße tragen.

Selbstreinigung des Wassers

Der Unterschied zu den nicht weit davon entfernten Tümpeln, in denen sich das Regenwasser sammelt und dann mangels Abfluss verdunstet oder versumpft, ist offensichtlich. Da ist das Wasser dunkel bis schwarz, das daneben liegende Gehölz fast schimmlig. Die Kaskadenseen sind zwar nicht kristallklar, aber bei einer natürlichen Trübe ist doch immer wieder der wasserundurchlässige Lössboden am Grund sichtbar. Dieses Wasser hat also eine Fließgeschwindigkeit und damit eine gute Selbstreinigung.

Die Kaskadenanlage hat laut Haug außer dem Amphibienschutz einen weiteren positiven Effekt: „So wird Hochwasser vermieden.“ Denn das Wasser rauscht nicht einfach den Hang hinab, sondern füllt erst einmal die jeweiligen Seetöpfe. Der Effekt zeigt sich auch jetzt nach den vergangenen regenintensiven Wochen: Die Seen sind gut gefüllt, aber längst noch nicht randvoll. Das Wasser findet auf natürliche Weise seinen Weg zum nächsten Sammelbecken. Der positive Effekt für Mensch und Waldtiere könne nicht hoch genug eingeschätzt werden: „Das sollte ein Thema für das Wassermanagement sein“, sagt Haug, „da wird die Gefahr von Hochwasser minimiert. Und das Wasser bleibt länger im Wald. Bei den anhaltend langen Trockenphasen ist das doch sehr wichtig.“

Eine jahrhundertealte versteckte Unterführung

Und dann gibt es da noch ein Bauwerk, das den Wasserlauf künstlich regelt, und das schon seit einigen Jahrhunderten: einen Durchfluss unter der Alten Poststraße, gut einen Meter hoch und breit, gebaut im Zuge der Straßentrassierung im Jahre 1753. Nur wenige dürften dieses Bauwerk kennen. Denn von der Straße aus ist es kaum zu sehen, gut geschützt liegt es einige Meter tiefer in einer steilen Klinge. Dabei ist diese Befestigung selbst ziemlich massiv, gebaut aus großen Sandsteinquadern. Für sein Alter macht das Bauwerk einen äußerst soliden Eindruck, lediglich der Boden des etwa zehn Meter langen Durchlasses ist durch das Fließwasser ausgewaschen.

Das alles ändert nichts daran, dass auch im Leinfelden-Echterdinger Gemeindewald die Zahl der Amphibien stark abnimmt. Das mag am Klimawandel liegen oder an der Überdüngung der umliegenden Felder, so Haugs Vermutung – es mangelt, wie vielerorts, an Insekten, die Lebens- und Nahrungsgrundlage der Amphibien. Und die gibt es vor allem dort, wo es Wasser gibt.

Wassermanagement für Amphibienschutz und gegen Hochwasser

Kaskadenseen
Etwa 30 solcher Seen gibt es derzeit rund um Leinfelden-Echterdingen, zum Teil auch in Musberg. Bisher wurden sie vor allem an Stellen angelegt, an denen Waldarbeiten Spuren hinterlassen haben, also Mulden oder Furchen. Für einen guten Hochwasserschutz wären aber noch viel mehr solcher Seen nötig. Das würde auch den Wäldern zugutekommen.

Amphibien
Der Naturschutzbund (Nabu) Filderstadt hat in Leinfelden-Echterdingen und Umgebung noch elf Amphibien- und fünf Reptilienarten nachgewiesen. Besonders die Laichgewässer von Kammmolchen und Laubfröschen wurden vom Nabu gepflegt, damit diese wieder das Reichenbachtal besiedeln können. Der Nabu benötigt weiterhin Helfer, um den Tod der Tiere bei der Laichwanderung zu verhindern. Insbesondere bei Musberg und Stetten gibt es neuralgische Stellen.

Stuttgart
Hier liegen die Gefahrenstellen für die Tiere vor allem die Waldflächen um den Rot- und Schwarzwildpark, den Frauenkopf, die Waldebene Ost, Bereiche im nördlichen Möhringen und im Naturschutzgebiet Feuerbachtal. Mit dem Schild „Krötenwanderung“ wird darauf hingewiesen, zudem werden Schutzzäune angebracht. Der Nabu Stuttgart kontrolliert die Strecken und bringt die Tiere sicher über die Straße. Dazu werden Helfer gesucht. 

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