Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Auch beim Zentralverband des Handwerks wird eingeräumt, dass die Empfehlung des engeren Präsidiums noch keine Vorentscheidung sein muss. „Es ist alles offen“, sagt ein Sprecher. Dass mehre Kandidaten sich bewerben, ist für Reichhold und seine Konkurrenten „im Sinne einer demokratischen Wahl“, wie sie erklären. Die ehrenamtliche Tätigkeit für das Handwerk mache ihm Spaß, „eine gute Voraussetzung, um für das Spitzenamt zu kandidieren“, wie der Kandidat aus Stuttgart meint. Kammern und Unternehmerverbände aus Baden-Württemberg stünden hinter ihm. Auf die Fahne geschrieben hat er sich Themen wie Frauen im Handwerk, lebenslanges Lernen oder die Anwerbung von Migranten aus dem EU-Ausland. Wollseifer spricht von „einem sehr schönen Amt“, er will sich darum bemühen, „die Vielschichtigkeit des Handwerks“ zu repräsentieren, will „die hervorragende Arbeit von Otto Kentzler fortsetzen“ und legt „ein klares Bekenntnis zum dualen Ausbildungssystem“ ab. Prebeck, den „viele Kollegen nach der Nennung von Wollseifer und Reichhold“ angesprochen haben, nennt Bildungspolitik, aber auch „Europa“ als wichtige Punkte seiner Arbeit, falls er gewinnt.

Pikant ist die Wahl für den Präsidenten des Baden-Württembergischen Handwerkstags, Joachim Möhrle. Einerseits unterstützt er eine Kandidatur aus Baden-Württemberg. Andererseits könnte ihm ein Erfolg Reichholds einen Strich durch die Rechnung machen: Möhrle könnte dann zwar weiter im Präsidium dabei sein, da der neue Präsident nicht einem Landesverband angerechnet wird, aber als Vorstandsmitglied des Deutschen Handwerkskammertags müsste er wohl ausscheiden. Der Handwerkskammertag ist neben den Unternehmerverbänden die zweite Säule unterhalb des Zentralverbands, an seiner Spitze steht in Personalunion der Präsident des Zentralverbands – und ein weiterer Vertreter aus dem Südwesten würde von den anderen Ländern kaum akzeptiert.

Wollseifer meint deshalb auch schelmisch: „Ich wünsche Herrn Möhrle, dass ich gewinne.“ Das muss er sich auch selbst wünschen: Wird er nicht Präsident, reicht es auch nicht für das Präsidium – den Platz für Nordrhein-Westfalen hält Lena Strothmann, Präsidentin der Kammer Bielefeld.

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