Analyse zur Debatte in Ludwigsburg Stadtbahnstreit: Wo sind die Knackpunkte?

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Wenn bis 2030 eine Stadtbahn durch Ludwigsburg fahren soll, müssen zahlreiche Streitfragen geklärt werden. Vom engen Ludwigsburger Bahnhof bis zur Finanzierung. Eine Übersicht.

Wie kommt die Stadtbahn am Ludwigsburger Bahnhof vorbei? Einer der Streitpunkte. Foto: factum/Bach
Wie kommt die Stadtbahn am Ludwigsburger Bahnhof vorbei? Einer der Streitpunkte. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Seit 30 Jahren wird über eine Stadtbahn diskutiert. Stets waren die engen baulichen Verhältnisse in Ludwigsburg die großen Hürden. Die gibt es unverändert. Wo sind sie, und wie können sie aus dem Weg geräumt werden?

Bahnhof Die Kurven sind eng, wenn die Stadtbahn über die Leonberger Straße zum Bahnhof einbiegen und danach über den Schillerdurchlass weiterfahren soll. Die Routen sind steil und die Radien eigentlich zu klein für eine Stadtbahn. Die Zeit drängt, da der Busbahnhof und das Kallenberg’sche Gelände umgestaltet werden sollen. Auch können in der Myliusstraße kaum Oberleitungen verlegt werden.

Leonberger Straße Dieser Diskussionspunkt ist neu: Die Stadt sorgt sich, ob für die Stadtbahn hier genug Platz ist. Dabei weisen einige Stadträte darauf hin, dass das nahe am Bahnhof geplante Kinderwunsch-Zentrum unter der Prämisse geplant wurde, dass dort eine Stadtbahn hält.

Wüstenrot Die Stadt will, dass die 4500 Arbeitsplätze nicht allein mit Bussen erreicht werden. Doch auf der Strecke zwischen Bahnhof und dem W&W-Konzern herrscht „Bahnrecht“, eine Stadtbahn kann dort nicht ohne Genehmigung der Bahn fahren. In einem Kompromiss vom 24. Oktober ist festgehalten, dass Varianten überprüft werden sollen, die Stadt fordert mehr.

Wer zahlt für Busse und Stadtbahn?

Industriegleis Im Rathaus gibt es die große Sorge, dass durch eine Umwidmung der Strecke zwischen Bahnhof, Firma Lotter und Waldäcker kein Güterverkehr mehr fahren darf. Daher soll sichergestellt werden, dass die Firma Lotter weiterhin das Gleis nutzen kann.

Schnellbusse Die Stadt hat beim Verkehrsministerium inzwischen den Antrag gestellt, auf der Strecke zwischen Waldäcker und Remseck-Neckargröningen Schnellbusse BRT (Bus Rapid Transit) einzusetzen. Die Kritiker werfen dem Rathaus vor, hierfür keine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht zu haben. Die ist aber laut dem Baubürgermeister Michael Ilk nicht zwingend nötig. Die Stadt macht Tempo bei Schnellbussen und will eigene Trassen dafür einrichten, möglicherweise in der Wilhelmstraße und der Schorndorfer Straße, damit die Busse flott vorankommen.

Kosten für Busse Es geht auch ums Geld. Die Ludwigsburger Stadtverwaltung fordert, dass sich der Landkreis mit 50 Prozent der Kosten an den Schnellbussen beteiligt, die anderen Kommunen nach einem festen Kostenschlüssel. Der Landrat Rainer Haas schreibt hingegen, dass alleine die Stadt über die „Sinnhaftigkeit und Realisierung“ der BRT-Busse entscheiden müsse.

Stadtbahn-Finanzierung Auch hier gibt es Unstimmigkeiten. Der Landkreis und die Nachbarkommunen wollen, dass Ludwigsburg allein die Äste der Stadtbahn nach Schlösslesfeld und Oßweil finanziert. Im Ludwigsburger Rathaus schlägt man dagegen vor, die Kosten für das gesamte Stadtbahnnetz inklusive Wüstenrot und Schwieberdingen nach Einwohnerzahl, Haltestellen und Streckenlänge auf Kommunen und Partner aufzuteilen. Das muss noch verhandelt werden.