Anbau in Griechenland Gronauer holt das Olivenöl aus Hellas her

Erich Scheer fährt die frisch geernteten Oliven mit einem Leihwagen zur Presse. Foto: privat

Erich Scheer baut in Griechenland Oliven an – das Öl verkauft er im Bottwartal im Kreis Ludwigsburg. Inzwischen ist es zum Luxusgut geworden.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Auf seinen nächsten Trip nach Griechenland zu Ostern freut sich Erich Scheer schon jetzt. Egal, ob mit dem Flugzeug oder mit dem Auto und der Fähre von Venedig aus – die Reise bringt ihn zu den etwa 20 Olivenbäumen auf dem Grundstück, das er vor etwa 30 Jahren auf der Traumküste der Pilion-Halbinsel zwischen Athen und Thessaloniki erwarb. Als Wandler zwischen zwei Welten hat der Gronauer Scheer seit 2007 immer wieder Olivenöl aus der zweiten Heimat ins obere Bottwartal importiert. Auf seinen etwa 200 Personen großen Kundenstamm kann er sich nach eigenen Angaben auch jetzt noch verlassen, nachdem der Ölpreis exorbitant anstieg.

 

Der Klimawandel setzt den Bauern zu

Die Gründe für die explodierten Preise liegen für den langjährigen Vertriebsmitarbeiter der Deutschen Telekom auf der Hand. „Es ist jetzt schon die zweite Missernte – ich rechne nicht damit, dass sich die Preise schnell erholen.“ Hitze und Trockenheit setzen den Olivenbäumen zu – der Klimawandel bedroht die Existenz der Bauern. Der 73-jährige Scheer, der für die SPD seit 35 Jahren im Oberstenfelder Gemeinderat sitzt, verdient am Handel mit dem Olivenöl nicht so viel, dass er davon leben könnte. Den Kunden komme er mit niedrigen Gewinnmargen entgegen. „Die Leute bleiben mit treu, greifen aber zu etwas kleineren Gebinden.“

Natürlich hoffen Supermarktkunden auf Schnäppchen, doch der Olivenölpreis hat auch dort kräftig angezogen. „Eine Dreiviertelliter-Flasche bekommt man mit viel Glück für zehn Euro.“ Ob das Produkt dann wirklich die Qualität „native extra“ verdient, lässt Scheer schmunzeln. „Normalerweise steht ein Hersteller es für einen solchen Preis nicht durch, wenn er ein relativ unverschnittenes Produkt anbieten will.“ Viel zentrifugieren und nicht pressen – das ist laut Scheer der Schlüssel zu hochwertigem Öl. „Wird viel gepresst, sind Wachsreste der Schale im Spiel: Das muss man vermeiden.“ Ein Fettsäureanteil unter 0,8 Prozent sei Pflicht, um das Prädikat „native extra“ zu erhalten. Die Öle Scheers erreichen schon mal 0,3.

Starkregen wischt den Blütenstaub ab

Viermal fahre er im Jahr mit seiner Frau Sibylle nach Griechenland, erzählt der ehemalige Vorsitzende der Schmalzhafenbühne in Gronau. Jetzt werde es wieder Zeit, sich um den Garten und das Haus zu kümmern. „Wir lassen dann auch die Bäume schneiden.“ Albanische Arbeiter seien froh, sich auf diese Weise etwas verdienen zu können. Das Frühjahr sei wie bei den Obstbäumen im Bottwartal eine kritische Zeit. „Wenn beim Blühen ein Starkregen mit Wind durch die Bäume fegt, wird der Blütenstaub abgewischt.“ Aber auch zu wenig Regen treibt die Preise, weil künstlich bewässert werden muss.

Ein Brand suchte das Grundstück heim

Den Kauf der Immobilie mit den 4000 Quadratmeter großen Grundstück haben die Scheers nie bereut. „Die Aussicht auf die Bucht ist einfach traumhaft.“ Kontakt zu den Griechen sei leicht zu finden, „die Jüngeren kommen mit einem richtig guten Englisch um die Ecke“. Einzig die Waldbrandgefahr bereitet ihm Sorgen. So hat ein großer Brand im Jahr 2000 auch das Grundstück des Ehepaars heimgesucht. „Zum Glück konnte die Feuerwehr das Haus schützen.“ Die meisten Bäume mussten jedoch erst wieder wachsen. Erich Scheer beobachtet, dass viele leere Flaschen am Wegesrand immer wieder eingesammelt werden. „Man will den Brennglaseffekt und die Waldbrandgefahr senken.“ Auf einer Nachbarinsel nutzte das im Vorjahr jedoch nichts. Der Rauch wehte in die Bucht und trübte die Freude der Bewohner.

Stress an der Grenze hat Scheer bisher noch nie erlebt

Vielleicht wird die nächste Ernte, die immer von November bis März stattfindet, ja besser. Erich Scheer lässt die Oliven gerne in einem frühen Stadium ernten, was gut für die Qualität sei. Stress an der Grenze habe er übrigens noch nie gehabt. „Wir bewegen uns ja innerhalb der EU – der freie Handel ist erlaubt.“ Nur die Quittung der Presse darf er nicht vergessen. Auf Schwarzhandel hat der griechische Zoll ein Auge.

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