Animationsprojekt „Smosh Mosh“ in Ludwigsburg Auf der Suche nach dem heiligen Schnitzel

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Eine siebenäugige Katze sucht mit einem selbstmordgefährdeten Origami-Schwan nach dem heiligen Schnitzel. Klingt verrrückt zufällig? Ist es auch, denn die Charaktere und die Story des Animations-Projekts aus Ludwigsburg kamen per Online-Abstimmung zustande.

Die Katze Flooz wird von der nackten Killerfrau umarmt. Foto: Putzker
Die Katze Flooz wird von der nackten Killerfrau umarmt. Foto: Putzker

Ludwigsburg - Die siebenäugige Katze Flooz sucht in den Unterwasser-Wäldern mit einem selbstmordgefährdeten Origami-Schwan nach dem heiligen Schnitzel. Das klingt ein bisschen zu verrückt und zu zufällig für das deutsche TV-Programm? Ist es auch. Denn die Mini-Serie „Smosh Mosh“ ist ein Projekt der frisch gebackenen Filmakademie-Absolventin Janina Putzker und soll eines Tages als Internet-Serie veröffentlicht werden.

Das Besondere an der handgezeichneten 2-D-Animation: Die Protagonisten, das Setting sowie die zu bewältigende Aufgabe der Helden in der englischsprachigen Web-Serie wurden per Online-Abstimmung ausgesucht.

Die Idee dazu hatte Janina Putzker vor einem Jahr: „Es ist schwer, bei einem Projekt bei Null anzufangen“, sagt die 27-Jährige. Und da sie sich nicht entscheiden konnte, wer die Helden ihrer Geschichte sind, beschloss sie, diese Aufgabe outzusourcen, wie man heute sagt. So stimmten Ende des Jahres 2017 knapp 1000 Menschen darüber ab, wer in „Smosh Mosh“ auftreten soll. Herausgekommen sind neben der Katze und dem Schwan auch noch andere Figuren, die so abstrus sind, dass sie es niemals ins Fernsehen schaffen würden: eine nackte Killer-Frau, Brüste, die Laserstrahlen verschießen, ein Gentleman-Penis, eine sexy Paprika als Wissenschaftlerin und und und.

1000 Menschen stimmten über den Inhalt der Serie ab

Putzker und ihr Autorenteam haben nun die Aufgabe, daraus eine Story zu entwickeln, die eine acht mal sieben Minuten lange Miniserie trägt. Sie sieht es als Herausforderung: „Man kann aus allem eine gute Story machen“, sagt sie. Content im Internet-Zeitalter werde umso origineller, je willkürlicher dessen Bausteine sind, ist sie überzeugt. Putzker selbst ist ein großer Fan des Humors im Internet, der teilweise recht willkürlich und zusammenhangslos sein kann.

Die Serie soll leicht anzüglich sein, aber möglichst subtil

Ein erster Trailer zur Serie steht schon. Aber als Putzker und ihr Team damit auf Konferenzen und Events warben, bekamen sie immer ähnliche Antworten von Financiers: Lieber die nackte Frau weglassen, lieber kürzer, lieber günstiger. Das kreative Kernteam besteht aus zwölf Personen, darunter viele Animations-Studenten der Filmakademie in Ludwigsburg, aber auch Leute in Amerika und Belgien. Das Internet ermöglicht transnationale Zusammenarbeit.

Die Autoren wollten sich aber nicht kreativ einschränken lassen und peilten weiterhin eine Zeichentrickserie für Erwachsene an – was schmuddeliger klingt als es ist. Aber mit einem sprechenden Penis als Charakter ließe sich auch schwerlich eine FSK-12-Alterseinstufung erreichen. Laut Putzker soll die Serie durchaus „leicht anzüglich“ sein, „aber dann subtil“. Letzteres dürfte sich in Anbetracht der Charaktere als schwierig herausstellen. Übrigens wirken auch die Landschaften schon leicht phallisch.

Geplant ist eine lineare Story

Das Team jedenfalls entschied sich aufgrund des desillusionierenden Feedbacks aus der TV-Branche für ein Crowdfunding über Kickstarter. 13 000 Euro für ein animiertes Storyboard kamen dabei schon zusammen. Nun geht es darum, weitere Gelder zu sammeln. Bei 50 000 Euro ist die Hürde für die erste Episode erreicht. Fertig sein soll diese im Oktober 2019. Falls bis dahin nicht genug Geld zusammengekommen ist, will Putzker es noch einmal mit klassischen Förderstellen und Co-Produzenten versuchen.

Eine weitere Schwierigkeit von „Smosh Mosh“ ist die Tatsache, dass Putzker und ihre Autoren eine lineare Serie daraus machen wollen. Sprich: Es wird eine fortlaufende Geschichte mit größeren Spannungsbögen erzählt. Bekannte Cartoon-Broadcaster wie der US-amerikanische TV-Sender Adult Swim beispielsweise setzen aber auf nicht-lineare Serien, bei der jede Folge ein Einblick in den Alltag der Protagonisten ist, sich aber nichts Grundlegendes ändert. Ein bekanntes Beispiel hierfür, jedoch auf dem Sender Fox, sind die Simpsons, die seit 29 Jahren ausgestrahlt werden und seitdem keinen Tag gealtert sind. Dort gibt es übrigens auch ein Tier mit zu vielen Augen: einen dreiäugigen Fisch.




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