Antrag der Stuttgarter Grünen Ein Mini-Park auf dem Kaufhof-Parkhaus?

Bald auch in Stuttgart? In Heilbronn gibt es bereits ein sogenanntes Klimawäldchen. Foto: Freiraumconcept Landschaftsarchitekten Stuttgart

Bisher ist völlig unklar, was nach der Schließung mit dem Gebäude von Galeria Kaufhof und dem Parkhaus in der Stuttgarter Innenstadt passiert. Die Grünen haben jedoch bereits eine Idee. Und das gibt es so noch nicht in der Stadt.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Lange hat die Filiale von Galeria Kaufhof in der Stuttgarter Innenstadt nicht mehr geöffnet. Mitte Januar ist Schluss. Und bisher ist völlig unklar, was mit dem Gebäude danach passiert – und mit dem Parkhaus daneben. Die Stuttgarter Grünen haben indes schon relativ genaue Vorstellungen, was sie dort gerne hätten. Nämlich einen Park in Miniaturformat; einen sogenannten Pocket Park (dt.: Taschen-Park).

 

„Kein weiteres Gebäude“, fordern die Grünen

In einem Antrag an die Stadtverwaltung erklären sie, dass der Grünanteil an dieser Stelle gering sei, das Gebiet dicht bebaut und dadurch als Hitze-Hotspot im Sommer gelte. „Deshalb wollen wir dort kein weiteres Gebäude planen, sondern einen ansprechenden, kleinen Park“, heißt es. Konkret schlagen die Grünen zwei Dinge vor: zunächst einen Interims-Park mit Urban Gardening auf dem Parkdeck. Sprühnebel soll den Ort abkühlen, außerdem soll es Sitzgelegenheiten geben, ohne dass man etwas konsumieren muss. Und mittelfristig wünschen sich die Grünen, dass ein richtiger, kleiner Park das Parkhaus ersetzt.

Tatsächlich gibt es solche Pocket Parks bereits, unter anderem in Heilbronn. Dort werden sie Klimawäldchen genannt. Das Erste entstand 2019 im Rahmen der Bundesgartenschau. Das zweite Klimawäldchen kam 2022 auf dem Festplatz Theresienwiese hinzu – inklusive 72 Bäume, 83 Sträucher und 2245 Stauden, 13 Nebelsäulen, automatischer Bewässerung und Sitzgelegenheiten. Auf 752 Quadratmeter Fläche ist laut Stadt Heilbronn ein Begegnungsort entstanden; tagsüber würden dort Besucher entspannen, abends sich Anwohner treffen. In Heilbronn sind noch mehr solcher Klimawäldchen geplant; etwa auf dem Campus der Hochschule.

In Heilbronn gab es anfangs Skepsis

Laut Oliver Toellner, dem Leiter des Grünflächenamtes in Heilbronn, werden die Wäldchen „sehr gut angenommen, da Heilbronn als Weinregion mit starker Hitzebelastung kämpft“. Und das Klimawäldchen auf dem Festplatz Theresienwiese könne eine Abkühlung von bis zu 10 Grad im Vergleich zur Umgebung erzeugen, sagt er.

Jedoch seien nicht alle von Beginn an begeistert gewesen: „Im Bau gab es Diskussionen, die Transformation ist im mehrfach überzeichneten öffentlichen Raum anstrengend, vor allem, wenn man in die Jahrhundert alte Tradition eines offenen Festplatzes eingreift“, berichtet Oliver Toellner. Inzwischen hätten sich die Betreiber des Festplatzes jedoch neu arrangiert und begrüßten nun das dauerhafte Ergebnis.

Ein „Cool Spot“ auf dem Parkdeck?

Der Grünen-Stadtrat Marcel Roth hat eines der Klimawäldchen in Heilbronn besucht – und war begeistert. Kürzlich war er dann auf dem Parkdeck neben Galeria Kaufhof in Stuttgart, wo sich die Grünen den Pocket Park als Interim wünschen: „Man hat eine tolle Aussicht da oben“, sagt er. „Und durch Begrünung und Sprühnebel könnte man dort einen ‚Cool Spot‘ erzeugen, also einen Ort für den Sommer, an dem man abkühlen kann und wo es etwas ruhiger ist.“ Mit der jetzigen Situation ist Roth jedenfalls nicht zufrieden: „Da kommen viele mit ihren Autos, um zu protzen“, sagt er.

Ob der Pocket Park je Realität wird – sei es interimsweise oder dauerhaft –, weiß derzeit niemand. Denn es gibt viele Wünsche für das Areal, für das sich die Stadt das Vorkaufsrecht gesichert hat. So war unter anderem im Gespräch, dass dort das Haus der Kulturen gebaut werden könnte. Man geht jedenfalls davon aus, dass das Kaufhofgebäude in den kommenden zwei Jahren nicht abgerissen wird. Und weil dieses unterirdisch mit dem Parkhaus verbunden ist, bleibt wohl auch dieses vorerst bestehen.

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