Häuser des Jahres
Wie wichtig gute Fotografien sind, um Gebäude bekannt zu machen, zeigt das Buch zum Architektur-Wettbewerb des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt und dem Callwey Verlag namens „Häuser des Jahres“ – stets wird auch eine Fotografin des Jahres gekürt. Im Jahr 2023 ist es die Stuttgarter Fotografin Brigida González, deren eindrucksvolle Arbeiten schon häufig auch in unserer Zeitung zu sehen waren. Von ihr stammen auch die Fotos zum Haus des Jahres, das wiederum von den jungen Stuttgarter Architekten Atelier Kaiser Shen entworfen wurde.
Das Buch versammelt Texte, Pläne und Bilder von gelungenen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Frankreich von architektonisch gelungenen Neubauten, vor allem aber auch, weil nachhaltig, von Umbauten, darunter befindet sich ein sehr schönes saniertes Bauernhaus im Schwarzwald. (golo)
Platz nehmen. Gegen eine Architektur der Verachtung
Die Nautilus Flugschrift von Mickael Labbé plädiert „Platz nehmen. Gegen eine Architektur der Verachtung“ für eine Neuerfindung der Stadt als gemeinsamer Raum. Der Autor wirft Fragen auf wie: Wer hat ein Recht auf Stadt? Wer soll und wer darf sich im öffentlichen Raum aufhalten?
Seine These: Städtische Verwaltungen und Regierungen sind zunehmend besessen vom „Image“ ihrer Stadt und stürzen sich in einen Vermarktungswettbewerb, der auf Tourismus, Investoren und Immobilienmärkte ausgerichtet ist. Er fordert eine Architektur, die ihre Aufgabe als soziale begreift und Räume der Anerkennung schafft. Denn eine Stadt, in der wir einander nicht mehr in aller Unterschiedlichkeit begegnen können, ist ein Verlust für uns alle. (anj)
Einfach bauen – robuste Architektur
Rechnet man die CO2-Emissionen aus der Herstellung all des verbauten Baumaterials zusammen, macht allein der Gebäudesektor mehr als ein Drittel des weltweiten CO2-Ausstoßes aus. Das bedeutet allerdings auch, dass Architektur bei der Anpassung an den Klimawandel helfen oder sie behindern kann. Das zeigt das bildstarke Buch „Robuste Architektur – Lowtech Design“ von Edeltraud Haselsteiner, erschienen in der Edition Detail.
Die Architektin und Autorin macht sich für Dauerhaftigkeit statt Hightech stark. Neben einem ausführlichen Analyseteil enthält das Buch konkrete Strategien, wie das einfache Bauen gelingen kann. Eine Erkenntnis lautet für Haselsteiner: Komplizierte Technologien können das Gegenteil bewirken – man spart nicht, sondern verbraucht noch mehr Energie, zeigt auf, wie ohne viel teure Technik umweltschonend gute Architektur entsteht. (pav)
Schwarzer Rolli, Hornbrille
Schon wegen seines Titels interessant ist „Schwarzer Rolli, Hornbrille: Plädoyer für einen Wandel in der Planungskultur“ von Karin Hartmann. In einer amerikanischen Studie war unlängst zu lesen, Sexismus und Rassismus seien in der Architektur so weit verbreitet, dass es diesen Themen gegenüber eine brancheneigene Abneigung gäbe. Wie ist eine solche exkludierende Arbeitskultur entstanden? So gehen der Planung viele gut ausgebildete Talente verloren.
Im Buch werden strukturelle Ursachen untersucht, die Frauen – und alle anderen Personen, die keine weißen Cis-Männer sind – aus der Branche verdrängen. Wie können Lehre, Fachdiskurs und Selbstverständnis diverser werden? Wo fehlen in der gebauten Umwelt die Erfahrungen einer pluralistischen Gesellschaft? Wie gelingt ein Wandel in der Planungskultur? (anj)
Die Werkbundsiedlung am Weißenhof – MacherInnen des Modernen
Was suchte Josephine Baker in der Bordkabine von Le Corbusier? Welches Stuttgarter Power Couple unterstützte den Bauhaus-Architekten Walter Gropius? Wie aufregend ist die Wiederentdeckung eines verschollen geglaubten Sessels von Mart Stam? Ein Buch mit vielen guten Essays beleuchtet die Beziehungen starker Persönlichkeiten rund um das Entstehen der Stuttgarter Weißenhofsiedlung.
„Die Werkbundsiedlung am Weißenhof – MacherInnen des Modernen“ (Verlag Av Edition), herausgegeben vom Werkbund Baden-Württemberg, ist ein tolles, liebevoll gestaltetes Nachschlagewerk, das vielfältige Assoziationen auslöst, der vermeintlich auserzählten Erfolgsstory rund um die Entstehung der Stuttgarter Weißenhofsiedlung neue Perspektiven hinzufügt. (pav)
Villen unter Palmen – Julius Shulman
Viele Architekten des Bauhauses mussten wegen der Nationalsozialisten, die das Neue Bauen verachteten, emigrieren. Dort entstanden dann viele Gebäude, die den architektonischen Maximen des Bauhauses, des Funktionalismus, des Neuen Bauens verpflichtet waren.
Das Buch „Julius Shulman – Modernism Rediscovered 1939-1977“ zeigt Arbeiten von Julius Shulman, er gilt als einer der bedeutendsten und fleißigsten Architekturfotografen der USA. Villen unter Palmen, experimentelle Glashäuser – wie Julius Shulman prächtige, Häuser von Architekten wie Richard Neutra (der auch einst in Stuttgart als Architekt gearbeitet hatte) in Kalifornien fotografisch in Szene setzte, zeigt dieser opulente Bildband im Taschen Verlag. (golo)
Lob des Schattens
Dieses feine Büchlein vom Verlag Manesse kommt mit einem Schutzumschlag aus Naturpapier daher, gebunden in schwarzes, geprägtes Strukturpapier, mit einer Original-Kalligrafie. Es handelt sich um Tanizaki Jun’ichirō „Lob des Schattens“. Tanizaki Jun’ichirō gelingt am Beispiel des Umgangs mit Licht und Schatten der Entwurf einer japanischen Ästhetik. Denn ob Gärten, Häuser oder Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs – im Umgang mit Licht und Schatten liegt der Schlüssel zum Verständnis japanischer Ästhetik.
„Das, was man als schön bezeichnet, entsteht in der Regel aus der Praxis des täglichen Lebens heraus. So entdeckten unsere Vorfahren, die wohl oder übel in dunklen Räumen leben mussten, irgendwann die dem Schatten innewohnende Schönheit, und sie verstanden es, den Schatten einem ästhetischen Zweck dienstbar zu machen“, erklärt Tanizaki Jun’ichirō. Einen besorgten Blick richtet er Richtung Westen. Denn was bedeuten der Siegeszug des elektrischen Lichts und gleißender Helligkeit für die jahrtausendealten Schönheitsvorstellungen seiner Heimat? (anj)
Kleine Häuser aus aller Welt
Das Einfamilienhaus war und ist bis heute: ein deutscher Traum, der aber in den letzten Jahren immer seltener zu realisieren war. Die Menschen träumen aber trotzdem. Minihäuser mit Wohnflächen von 20 bis 50 Quadratmetern entsprechen nicht dem traditionellen Wohnverständnis, liegen aber im Trend. Und auch kleine Wohnflächen können innovativ und vor allem ressourcenschonend gestaltet werden.
Der prachtvolle – und große – Bildband „Small Houses“ (Taschen Verlag) zeigt, wie Architektinnen und Architekten aus aller Welt das Konzept der kleinen Häuser umgesetzt haben. Der bildreiche Band enthält auch einen lesenswerten Essay über die Geschichte und Theorie zu Tiny Houses und warum gute Architektur auch auf wenig Quadratmetern funktioniert. (pav)
Städte für Menschen
Ein Klassiker ist Jan Gehls „Städte für Menschen“. Der Architekt und Stadtplaner befasst sich seit mehr als 40 Jahren damit, Plätze, Straßen, ja ganze Stadtviertel zum Wohle der Bewohner neu oder umzugestalten. Er stützt sich dabei auf Erkenntnisse, die er durch langjährige Untersuchungen von Großstadtsituationen in verschiedenen Ländern gewonnen hat.
Wichtigster Grundsatz für Jan Gehls Stadtplanung nach menschlichem Maß: Der Stadtraum muss mit der Geschwindigkeit eines Fußgängers erlebt werden statt aus einem Fahrzeug heraus. Nur so kann es gelingen, sowohl traditionelle Metropolen wie die schnell wachsenden Städte von Entwicklungs- und Schwellenländern zu Städten für Menschen zu machen. (anj)
Architektur denken
Peter Zumthors „Architektur denken“ ist ebenfalls ein Klassiker. Darin beschreibt dieser, dass eine Architektur, die in einer sinnlichen Verbindung zum Leben stehen soll, ein Denken erfordert, das über Form und Konstruktion weit hinausgeht. Er bringt zum Ausdruck, was ihn zu diesen Gebäuden motiviert, die Gefühl und Verstand auf so vielfältige Weise ansprechen und über eine unbedingte Präsenz und Ausstrahlung verfügen. (anj)
Neues Leben für alte Häuser
Mit einem Abrissmoratorium, Ende 2022 unterzeichnet von vielen Personen aus dem architektonischen und universitären Bereich, wird gefordert, dass nur nach reiflicher Überlegung alte Gebäude abgerissen werden sollen, denn Abbruch und Neubau ist CO2-intensiver als die Sanierung. Zudem sind beispielsweise Ertüchtigungen alter Bauernhäuser fürs Stadt-, beziehungsweise Dorfbild vorbildlich.
Das zeigt eindrucksvoll der lesens- und sehenswerte Bildband „Neues Leben für alte Häuser“ (Hirmer Verlag), herausgegeben von Tatjana Suiter mit Texten von Heike Papenfuss. Der Filmemacher Klaus Röder sieht Potenzial in alten Gemäuern, wo andere nur abwinken. Er kauft und saniert behutsam alte Bauernhäuser in Tirol, in Oberbayern und im Allgäu. (golo)