Anlass für die lobenden Worte war allerdings eine für die Agentur und viele ihrer Kunden schlechte Nachricht: Zum Jahresende 2022 soll sie ihre Arbeit beenden und danach aufgelöst werden. So hat es das Kabinett Ende November beschlossen, nur wenige Wochen bleiben für den Vollzug. Für Geschäftsführer Wolfgang Seeliger und sein zuletzt siebenköpfiges Team bewahrheiten sich damit die düsteren Vorzeichen, die sich in den vergangenen Monaten verdichtet hatten. Gerade noch wurde ihnen höchst erfolgreiches Wirken bescheinigt, nun werden sie angeblich nicht mehr gebraucht – eine bittere Bescherung kurz vor Weihachten.
Kein Wort von der Ministerin und Chefaufseherin
Verkündet wurde das Aus für die GmbH nicht etwa von der Aufsichtsratsvorsitzenden Hoffmeister-Kraut. Von ihr gibt es bis heute kein Statement dazu, auch auf Nachfrage darf man nur einen Sprecher zitieren. Die Leichtbau BW musste ihre Abwicklung selbst bekannt geben, mit einer Pressemitteilung „in eigener Sache“. Ihre Mission sei „erfüllt“, hieß es darin. Der Leichtbau sei als Schlüsseltechnologie für einen ökonomisch erfolgreichen Klima- und Ressourcenschutz in Wirtschaft und Wissenschaft verankert, die Akteure habe man branchenübergreifend vernetzt. Nun wolle die Landesregierung die Begleitung des Themas „in ein neues Format überführen“. Der Bund nämlich habe es „verstärkt aufgegriffen“, was die Chance biete, die baden-württembergischen Aktivitäten „auf nationaler und europäischer Ebene“ stärker sichtbar zu machen. Genaueres wissen die Agentur und ihr Chef Seeliger bisher offenbar selbst nicht.
Auch das Wirtschaftsministerium lässt offen, was sich hinter der vagen Ankündigung verbirgt. Es gehe darum, den Themenbereich „weiterhin zukunftssicher aufzustellen“, so der Sprecher. Wie genau sich die künftige Förderung gestalte, werde mit den betroffenen Akteuren, den anderen Landesagenturen und den zuständigen Ressorts diskutiert. Neben Hoffmeister-Krauts Haus ist das auch das Grünen-geführte Wissenschaftsministerium, das offenbar im Hintergrund wichtige Strippen zog.
FDP entsetzt über „hanebüchenes Vorgehen“
Eine bewährte Struktur wird eilig aufgegeben, ohne dass klar ist, was ihr folgen soll – in Politik und Wirtschaft löst das Kopfschütteln aus. „Fachlich wenig nachvollziehbar“ findet der innovationspolitische Sprecher der Landtags-FDP, Hans Dieter Scheerer, die Entscheidung. „Eine inhaltliche Begründung wird nirgends gegeben.“ Am Geld fehle es offenbar nicht, die Regierungsfraktionen hätten bei den Haushaltsberatungen gerade zusätzliche Mittel für den Leichtbau bewilligt. Für den Liberalen riecht es daher nach „grün-schwarzen Ränkespielen“, mit Hoffmeister-Kraut als Verliererin. Die Ministerin, meint er, hätte sich mehr für den Erhalt der Agentur einsetzen müssen. „Was mich aber wirklich erschreckt, ist das fast schon hanebüchene Vorgehen“, sagt Scheerer. Projekte und Jobs endeten mit wenigen Wochen Vorlauf, die Leichtbau-Community sei „in all dem nicht eingebunden“ – da fehle es offenkundig an jeder Strategie.
Unverständnis erntet der als „Hiobsbotschaft“ gewertete Kabinettsbeschluss auch bei betroffenen Unternehmen. Bedauern, Ernüchterung und Frust registrierte die Branchenpresse als erste Reaktionen, auch gegenüber unserer Zeitung äußerten sich Firmenvertreter eindeutig. Wie in keinem anderen Netzwerk habe man sich bei Leichtbau BW „heimisch gefühlt“, sagt Dominic Lutz von Gaugler & Lutz in Aalen. Die Agentur sei auf unterschiedlichen Ebenen ein wichtiger „Partner und Unterstützer“ gewesen. Leider sei auch der Beirat, in dem er sitze, „mit vollendeten Tatsachen konfrontiert“ worden. Ohne die Agentur, sagt Gregor Graf von Rosswag Engineering in Pfinztal bei Karlsruhe, wäre die Entwicklung seiner Firma „in den vergangenen Jahren definitiv nicht so positiv verlaufen“. Man habe von Workshops, den initiierten Förderprogrammen und vielen Veranstaltungen „stark profitiert“.
Viel Unverständnis in den Unternehmen
Für Jürgen Erhardt vom Stuttgarter Fahrzeugbauer Erhardt ist das Aus eine „rein politische und nicht wirtschaftlich betrachtete Entscheidung“. Leichtbau BW sei eine „hervorragende Landesagentur“, die gerade kleine und mittlere Betriebe vielfältig unterstützt habe; sie werde künftig sehr fehlen. Offenbar wisse die Politik nicht, was sie da tue. Auch für Fabian Giehl von QS Engineering in Bad Friedrichshall zeigt der Vorgang, „dass unsere Politiker immer weniger Sachverstand für die unternehmerische Realität haben“. Einerseits lobe man den Mittelstand als Innovationstreiber, schrieb er an Hoffmeister-Kraut. Dann aber ziehe das Land „einem der wichtigsten Innovationsinkubatoren . . . den Stecker“. Leichtbau BW sei mit ein Grund dafür, dass Baden-Württemberg für Gründer im technischen Mittelstand attraktiv sei. Wer solle diese Rolle künftig übernehmen? Die Ministerin, verblieb Giehl, solle das Aus unbedingt noch einmal überdenken.