Aus für Traditionsgasthof in Remseck Ende einer Legende: Ochsen-Wirt sperrt endgültig zu

Ein Leben für den Ochsen: Insgesamt schaffte Walter Schabel 58 Jahre in der Neckarremser Wirtschaft. Seit  1974 war er der Chef – nun ist Schluss. Foto: factum/Granville
Ein Leben für den Ochsen: Insgesamt schaffte Walter Schabel 58 Jahre in der Neckarremser Wirtschaft. Seit 1974 war er der Chef – nun ist Schluss. Foto: factum/Granville

Walter Schabel macht, was er längst tun wollte: Er verkauft seinen Traditionsgasthof und geht in den Ruhestand. Wenn alles glatt läuft, bedeutet sein Abschied nicht gleichzeitig das Ende für die beliebte Neckarremser Wirtschaft.

Region: Verena Mayer (ena)

Remseck - Hätte auf der Karte im Schaukasten die ganze Wahrheit gestanden, hätte der Ochsen seit Montag wieder geöffnet. „Urlaub 31.7. bis 20.8.“ war zu lesen. Die ganze Wahrheit ist, dass der Wirt des Ochsen, Walter Schabel, nicht aus dem Urlaub zurückkehren wird. Der 72-Jährige tut stattdessen das, was er schon längst tun wollte: In den Ruhestand gehen. Im offiziellen Rentneralter ist er ja schon seit sieben Jahren.

Wer den Ochsen kennt, dem muss man nicht erklären, was das bedeutet. Wer den Ochsen in den fast sechs Jahrzehnten nicht kennengelernt hat, in denen er von der Familie Schabel betrieben wurde, dem sei gesagt: Der Ochsen war etwas sehr Besonderes. Zuletzt allein schon deshalb, weil es ihn noch gab.

Verklärte Erinnerungen

Eine Speisekarte wie in dem Haus am Remsufer findet man nur noch selten. Neben Rostbraten, Maultaschen und Kartoffelsalat fanden sich im ständigen Angebot auch saure Kutteln, Toast-Hawaii (mit Kirsche) und natürlich Ochsenmaulsalat. Auch das Interieur – etwas für Liebhaber: An den Wänden hingen ausgestopfte Wildschweine und Rehgeweihe. Auf den Tischen lagen karierte Tischdecken und auf den Stühlen geblümte Sitzkissen. Die größte sichtbare Veränderung erfolgte Anfang der 70er Jahre, als nach einem verheerenden Hochwasser der Holzboden im Gastraum gegen Fliesen getauscht wurde. Das war der Ochsen in Neckarrems – und die Gäste kamen aus allen Ecken der Region. Einige von ihnen durften zum Abschied Besteck aus dem Ochsen mitnehmen. Ein Souvenir mit Gasthof-Gravur.

„Hach ja, so isch’s“, seufzt Walter Schabel, der sich nun daran macht, seinen Ochsen zu räumen. Es fällt ihm schwer, das wird klar, wenn er von früher erzählt. Wie das war, als die Leute „mehr Durscht“ hatten und sich zwei, drei Mal pro Woche zum Heimatabend im Ochsen trafen. Selbst die langen Stunden in der Nacht, wenn die Gäste „oms Verrecka“ nicht heimgehen wollten, erscheinen im Rückblick nicht mehr so zäh. „Eigentlich war alles schön“, sagt Walter Schabel, der seine Neckarremser auch lebensmitteltechnisch versorgt hat. Hatte der Fleischermeister wieder Maultaschen oder Bratwurst gemacht, stellte er das „Heute frisch“-Schild vor die Tür – und vor allem Senioren kauften ein.

Heimat für viele

Aber nun geht es halt nicht mehr. Der Wirt kann kaum noch laufen. Jeder Halt, jede Stütze kommt ihm gelegen. Am Herd zu stehen mag noch halbwegs funktionieren, aber alles andere sei „vorbei“. Eigentlich hatte Walter Schabel schon vor zweieinhalb Jahren Schluss machen wollen, stattdessen reduzierte er vorübergehend nur die Öffnungszeiten – und fuhr sie letztlich wieder ganz hoch. Überflüssig zu erwähnen, dass das Gasthaus auch ohne Werbung jeden Tag und Abend gerammelt voll war. „Der Walter war unsere Heimat“, sagt eine Dame, die zufällig vorbeikommt – und die, wenn es mit ihrem Spielmannszug was zu Feiern und Besprechen gab, im Ochsen gefeiert und besprochen hat. Wie, man ahnt es, sehr viele andere Vereine auch.

Beruhigende Pläne

Wenn es so läuft, wie sich Walter Schabel das ausgedacht hat, dann wird es im Ochsen allerdings eine neue Heimat geben. Ein junger Mann will die Immobilie kaufen, ein bisschen modernisieren und im Frühjahr 2019, zum Start der Remstal Gartenschau, wieder eröffnen. Den Namen mag Schabel noch nicht verraten, weil noch nicht alles unter Dach und Fach ist. Aber bald soll es soweit sein. „Hoffen wir das Beste“, sagt Walter Schabel, der immer von solch einem Nachfolger geträumt hat – und dem der Weg in den Ruhestand somit ein bisschen leichter fällt.

Also ja: Hoffen wir das Beste!




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