Ausbau in der Region Stuttgart Glasfaserkabel zu 20 000 Haushalten und Firmen gelegt

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Die Gigabit-Region ist eine Initiative, die sich den Ausbau des Glasfasernetzes in Stuttgart und den Nachbarkreisen auf die Fahne geschrieben hat. Ende Mai legte sie los. Jetzt bescheinigt sie sich erste Erfolge. Viele Kilometer Kabel seien verlegt worden.

Die Deutsche Telekom hat seit Ende Mai in der Region rund 500 Kilometer hochmoderne Leitungen verlegt. Foto: dpa/Oliver Berg
Die Deutsche Telekom hat seit Ende Mai in der Region rund 500 Kilometer hochmoderne Leitungen verlegt. Foto: dpa/Oliver Berg

Stuttgart - Ende Mai war mit großem Tamtam und im Beisein von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) der Kooperationsvertrag zwischen der Gigabitregion Stuttgart und der Deutschen Telekom geschlossen worden – jetzt zogen die Verantwortlichen eine erste Bilanz. Sie lobten ihre Zusammenarbeit und die mit den beteiligten Kommunen und Zweckverbänden über den Schellenkönig. „Wir sind erfolgreich aus dem Startloch gekommen. Der Ausbau läuft auf Hochtouren“, erklärte am Freitag Hans-Jürgen Bahde, der Breitbandbeauftragte der Region Stuttgart und Geschäftsführer der Gigabit Region Stuttgart GmbH.

Der Projektleiter der Telekom, Frank Bothe, versicherte, man habe bereits „einen Riesenschritt in die richtige Richtung“ getan. Rund 14 500 Haushalten und 5500 Gewerbetreibenden habe man im zu Ende gehenden Jahr die Chance eröffnet, einen schnellen Glasfaseranschluss zu nutzen. Vom Ausbau hätten 31 Gewerbegebiete in fast zwei Dutzend Gemeinden profitiert. 500 Kilometer Glasfaserleitungen seien verlegt worden, 200 Kilometer im Tiefbau. Im Jahr 2020 sollen weitere 80 000 Anschlussmöglichkeiten hinzukommen. Diesen Rhythmus wolle man in den Folgejahren beibehalten. Bothe ist auch zuversichtlich, dass man bis zum Jahr 2030 in der Region die angepeilten 1,4 Millionen erreichen werde Zumal man sehe, dass „die Wettbewerber aufwachen“. Was der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Richard Sigel, bestätigte. Er sprach von einem „Weckruf für andere Marktteilnehmer neben der Telekom“.

Im Kreis Göppingen hat man losgelegt

Konkret gestartet hat man den Ausbau Anfang Juni in Reichenbach im Täle (Kreis Göppingen). Dort im oberen Filstal ist Stefan Pfletschinger mit seiner Firma PS Historacing zu Hause. Auf der Suche nach Motor- und Getriebeteilen für historische Porsche surft er im Internet, nun auch in dem Tempo, das seinen Produkten entspricht. „Bisher dauerte es Ewigkeiten, bis eine Seite geladen war. Jetzt geht es in Windeseile“, sagt Pfletschinger. Allerdings stößt das Angebot der Telekom nicht überall auf so viel Begeisterung. In anderen Bereichen läuft die Vorvermarktung eher schleppend. Dann wartet die Telekom mit dem Verlegen von Glasfaserleitungen. Bothe gab sich am Freitag jedoch zufrieden: Üblicherweise wolle man erst eine Vorvermarktungsquote von 30 Prozent sehen. Das laufe ganz gut, gerade auch in ländlichen Gebieten.

Rems-Murr-Landrat Sigel erkennt aber schon eine Diskrepanz zwischen der manchmal aufgeregten öffentlichen Debatte um Infrastrukturmängel und dem Anschlussverhalten der Bürger. Die hätten nicht immer auf dem Schirm, dass sie vielleicht schon bald schnelle Leitungen bräuchten für Heimarbeit oder künftig auch Pflegedienstprodukte auf Basis von Videokonferenzen.

Bis 2025 will man alle Schulen und Unternehmen

Neben dem eigenwirtschaftlichen Ausbau der Telekom gibt es auch eine andere Variante – nämlich jene über von Bund, Land und den Kommunen geförderte Ausbauprojekte. Da nimmt die Telekom an den Ausschreibungen teil und muss sich gegen Konkurrenz durchsetzen. So hat sie zum Beispiel in Wolfschlugen (Kreis Esslingen) das günstigste Angebot abgegeben – und so gibt es dort neben dem Eigenausbau auch das Förderprojekt für die Gebiete der Gemeinde, die als unterversorgt gelten. So werde das Gemeindegebiet auf einmal ausgebaut. Ohne Kooperationsvertrag wäre dies nicht möglich gewesen. Nun sollen vom Oktober 2022 an rund 3600 Haushalte Anschlüsse erhalten. Dazu werden 220 Kilometer Glasfaser verlegt und 45 neue Verteiler aufgestellt. Die Kooperation beim Breitbandausbau hat das Ziel, dass bis zum Jahr 2025 alle Schulen und Unternehmen mit Glasfaser erschlossen sind, fünf Jahre später sollen es 90 Prozent der Haushalte sein.

Die Zusammenarbeit erstreckt sich aber auch auf den Mobilfunk. So will die Telekom bis zum Jahr 2022 genau 183 neue Mobilfunkstandorte in der Region errichten. Im nächsten Jahr will sie beginnen, das leistungsstarke 5-G-Netz aufzubauen. Die Kooperation ist umstritten. Einzelne Stadtwerke, die selbst Glasfaseranschlüsse anbieten, und andere Breitbandanbieter halten die Zusammenarbeit für wettbewerbsverzerrend. Der Bundesverband Breitbandkommunikation kritisiert den „Exklusiv-Deal“ mit der Telekom und betont, der flächendeckende Glasfaserausbau ließe sich im wettbewerblichen Ausbau mit vielen Netzbetreibern schneller realisieren. Bürgerinitiativen warnen vor Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk. Bahde hob hervor, dass sich 175 von 179 Kommunen in der Region der Initiative angeschlossen hätten. Auch für die vier Stadtwerke in Böblingen, Sindelfingen, Schorndorf und Göppingen halte man die Türe offen. Man wolle die Stadtwerke einbeziehen. Sie hätten manchmal die Strategie, Glasfaserleitungen erst zu verlegen, wenn Straßen und Wege für andere Leitungsarbeiten geöffnet werden. Das könne bis zu 20, 30 Jahre dauern.

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