Ausbildungsvergütung Azubis der Bauindustrie bekommen am meisten

Von  

In Unternehmen mit Tarifbindung wird besser bezahlt und mehr ausgebildet, aber auch die Branche ist entscheidend für die Höhe des Ausbildungsgehalts. Wo verdienen Azubis gut wo eher nicht?

Auch der Bau hat Nachwuchssorgen  trotz einer relativ guten Bezahlung der Azubis. Foto: dpa
Auch der Bau hat Nachwuchssorgen trotz einer relativ guten Bezahlung der Azubis. Foto: dpa

Stuttgart - Im dritten Ausbildungsjahr haben die Azubis im Bauhauptgewerbe sogar ihre Kolleginnen und Kollegen bei den Banken überholt. Dann nämlich erhalten sie in Westdeutschland eine Ausbildungsvergütung von 1475 Euro im Monat und stehen damit bundesweit an der Spitze aller Branchen. Noch im ersten Ausbildungsjahr wird bei den Banken mehr bezahlt – doch schon ein Jahr später ändert sich dies. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Untersuchung der Ausbildungsvergütungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Bei Bäckern werden kleine Brötchen gebacken

Zu den Spitzenreitern im ersten Ausbildungsjahr zählen Azubis im Bank- und Versicherungsgewerbe, im öffentlichen Dienst, der chemischen Industrie und der Druckindustrie, die zwischen 900 und knapp über 1000 Euro erhalten. Ganz vorne liegen die Azubis der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg mit 1037 Euro. Nicht nur zwischen einzelnen Branchen, sondern auch zwischen einzelnen Tarifbezirken gibt es nach der Studie des WSI ganz erhebliche Unterschiede. Schlusslichter mit Vergütungen von nur 325 Euro sind im ersten Ausbildungsjahr die Azubis im Friseurhandwerk in Brandenburg. Relativ schlecht werden im ersten Ausbildungsjahr auch Azubis bei Bäckern bezahlt; diese erhalten eine monatliche Vergütung von 565 Euro.

Viele Unternehmen sind nicht tarifgebunden

Das größte Problem sieht Thorsten Schulten, der Leiter des WSI-Ta­rif­archivs, allerdings in der hohen Zahl der Azubis in nicht tarifgebundenen Unternehmen. In solchen Firmen sind seiner Schätzung nach über 40 Prozent aller Azubis tätig. Tarifgebundene Unternehmen bildeten eher aus und zahlten auch mehr. Für die Stabilisierung des Tarifsystems sei die von der Bundesregierung geplante Mindestausbildungsvergütung von 515 Euro im Monat ein wichtiger Faktor. Diese soll vom kommenden Jahr an gelten, die Gewerkschaften hatten 635 Euro gefordert. Die meisten Azubis erhielten mehr als diese Mindestvergütung. Zehn bis 15 Prozent, so schätzt Schulten, würden aber darunter liegen. Gerade Unternehmen in Branchen, die schlechter zahlten, könnten über eine höhere Entlohnung ihre Attraktivität bei jungen Menschen verbessern, sagte Schulten.