Ausstellung im Steckfeld Luther und der Judenhass

Von Gerlinde Ehehalt 

In einer Ausstellung in der Steckfeldkirche geht es um das schwierige Verhältnis des Reformators Martin Luther zu den Juden. Es wird dargestellt, wie Luthers Verhältnis zu den Juden sich verdüsterte, nachdem er Hoffnungen auf eine Bekehrung verloren hatte.

Pfarrer Hans-Peter Ziehmann (r.) und Prälat i. R. Paul Dieterich präsentieren die Ausstellung in der Steckfeldkirche. Foto: Gerlinde Ehehalt
Pfarrer Hans-Peter Ziehmann (r.) und Prälat i. R. Paul Dieterich präsentieren die Ausstellung in der Steckfeldkirche. Foto: Gerlinde Ehehalt

Steckfeld - Wollen Sie den Abendsegen von Martin Luther oder von Dietrich Bonhoeffer hören“, fragte Pfarrer Hans-Peter Ziehmann die Vernissagengäste am Ende des Vortrags über „Luther und die Juden. Ein beklemmendes Kapitel mit böser Wirkung“. Als der Pfarrer zu Bonhoeffer tendierte, rief ein Besucher „Feigling“ und Ziehmann las beide Texte vor. Die Gäste hatten zuvor in eineinhalb Stunden von Prälat i. R. Paul Dieterich erfahren, welche Rolle der große Reformator Martin Luther bei der Entwicklung des Judenhasses spielte.

Die Ausstellung wurde zum Gedenken an Pfarrer Richard Widmann und Pfarrer Frieder Gölz organisiert. Sie ist in der evangelischen Kirche Hohenheim, Steinwaldstraße 2, zu sehen und dauert noch bis zum 18. Oktober. Der Plieninger Pfarrer Widmann hatte schon 1938 über das Thema „Luther und die Juden“ gesprochen und auch dem im vergangenen Jahr verstorbenen Hohenheimer Pfarrer Gölz war es wichtig, die Erinnerung an die Verbindung zwischen Juden und Christen wach zu halten.

Mahnung zu Wachsamkeit

Auf großen Tafeln kann man Zitate von Luther finden, Hintergründe antijüdischer Legenden enträtseln, beispielsweise über die Blütezeit des Judentums oder die geschichtlichen Zusammenhänge von Kreuzzügen und Kammerknechtschaft erfahren. „Der Antijudaismus ist da, besonders bei Leuten früherer Generationen, er wurde tradiert – auch in den württembergischen Pfarrhäusern“, sagte Prälat i. R. Paul Dieterich. „Wir sollten daher auch uns selbst gegenüber äußerst wachsam sein. Unsere Generation hat die ungeheure Aufgabe, die Feindschaft gegen Juden aufzuarbeiten.“ Der Antijudaismus erledige sich nicht in einer Generation. Für viele überraschend ist die Rolle des Reformators Martin Luther, in dessen Schriften ein klarer Judenhass zu Tage tritt. Vor allen in seinen letzten. Julius Streicher habe beim Nürnberger Prozess 1946 gesagt, eigentlich müsse statt seiner Luther hier stehen. „Dass die Nationalsozialisten ihren in kruden Rassenlehren begründeten Antisemitismus und Judenhass mit dem Antijudaismus Luthers vermengten, hat seine Gründe“ sagte Paul Dieterich. Luther habe im Jahr 1543 in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ sieben Ratschläge mit schlimmster Fernwirkung niedergeschrieben.

Darin fanden die Nazis wohl genügend Rechtfertigung für ihre antisemitischen Gewaltmaßnahmen, wie zum Beispiel das Niederbrennen von Synagogen und jüdischen Schulen, das Zerstören jüdischer Häuser, das Wegnehmen von Gebetsbüchern und Talmudisten, das Lehrverbot für Rabbiner, das Reiseverbot, die Konfiszierung von Vermögen und das Verbot, Wucher zu betreiben. Junge starke Juden sollten „im Schweiß ihrer Nasen“ arbeiten, schrieb Martin Luther damals.

Hoffnung auf Bekehrung

So antijüdisch war er nicht immer. Als wenig systematischer Denker, habe er sich oft von spontanen Emotionen bestimmen lassen, sagte Dieterich. In den Jahren 1517 bis 1521 – zwischen seinen Thesen und dem Reichstag zu Worms – hatte der Reformator wohl noch Hoffnung, die Juden bekehren zu können. „Er forderte die Christen auf, auch die Juden zu lieben. Sie sollten sie durch Wort und Verhalten zu Christus einladen, um nicht mehr diffamierte Randsiedler der Gesellschaft, sondern frei von aller Verfolgung zu sein. Er hatte eine starke Hoffnung auf die Einsicht der Juden“, sagte Dieterich. Luther habe geglaubt, die Stunde sei gekommen, in der auch die Juden sich der Botschaft des Evangeliums öffnen.

Die wahren Schuldigen am Tod Jesu seien nicht die Juden, sondern die sündigen Menschen. Luther plädierte 1522 für die Eingliederung der Juden in die Gesellschaft, wenn möglich in die evangelischen Gemeinden und wollte die Erlaubnis von Ehen zwischen Christen und Juden erreichen. 1523 schrieb er, dass auch Jesus geborener Jude sei.

Da die Bekehrung zum Christentum nicht gelang, wurde aus dem Reformator ein überzeugter Anhänger des Antijudaismus. Aus enttäuschter Liebe sozusagen. Dies sei bis zu seinem Tode so geblieben, berichtete Dieterich: Als Luther sich auf einer Fahrt nach Eisleben schwer erkältete, gab er den Juden die Schuld. Sie seien an einem Dorf vorbeigefahren, in dem es viele Juden gebe, die hätten ihm den kalten Wind herübergeschickt, sagte er. Fieberkrank forderte er im Gottesdienst von den Grafen von Mansfeld dann die Ausweisung der Juden.

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