Eine Ausstellung des Vereins Aufbruch macht sich für die Belebung der sechs Plätze an der B 14 stark. Sie fällt nicht zufällig mit dem Start des städtischen Ideenwettbewerbs „Neuer Stadtraum B 14“ zusammen.

Stuttgart - Gibt es eine bessere Einstimmung auf die derzeit laufende Ausstellung „Stuttgarts verlorene Plätze“ im Stadtpalais, als den Versuch zu unternehmen, den Ausstellungsort zu Fuß zu erreichen? Vermutlich kaum. Ellen Strittmatter, die vergangene Woche im Museum die Eröffnungsrede hielt, ist selbst leidgeprüft: Die Leiterin der Kunstabteilung des Instituts für Auslandsbeziehungen im Alten Waisenhaus legt, wie sie betonte, die Strecke quer über den verkehrsreichen Charlottenplatz zum Stadtpalais und zur Landesbibliothek mehrmals in der Woche zurück. Obwohl das nur wenige Meter seien, benötige sie dafür bis zu zehn Minuten. „Der Weg“, sagte das neue Vorstandsmitglied im Verein Aufbruch Stuttgart, „ist ein Wagnis“.

Realität und Präsentation, Original und Abbildung – selten liegen sie räumlich näher beieinander als bei dieser Schau.

Das Erbe der autogerechten Stadt

Die Ausstellung „Stuttgarts verlorene Plätze – Das Erbe der autogerechten Stadt entlang der Bundesstraße 14“ des Vereins Aufbruch Stuttgart „kommt zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Thomas Rossmann. Der Geschäftsführer des Vereins, der die Ausstellung zur städtebaulichen Entwicklung der sieben zwischen Marienplatz und Neckartor „wie auf einer Perlenschnur“ aneinandergereihten Plätze organisiert und koordiniert hat, machte deutlich, dass die Schau nicht zufällig mit dem Start des städtischen Ideenwettbewerbs „Neuer Stadtraum B 14“ zusammenfällt – und verweist damit auf die betont kommunalpolitische Komponente der Ausstellung. Es gelte, erklärte dazu der Aufbruch Stuttgart-Vorsitzende Wieland Backes, „diese Stuttgarter Perlenschnur jetzt zu retten und wiederzubeleben“. Die Ausstellung sei kein Selbstzweck, sondern wolle etwas bewirken. Der Direktor des Stadtpalais, Torben Giese, betonte in diesem Zusammenhang, dass das Museum „Plattform sein möchte, für alle Menschen, die sich für diese Stadt einsetzen.“

Die ehrenamtlichen Ausstellungsmacher um Thomas Rossmann stellen in Bildern Historie, Gegenwart und mögliche Zukunft von Marienplatz, Österreichischem Platz („ein Mahnmal des automobilen Zeitalters“), Wilhelmsplatz, Leonhardsplatz, Charlottenplatz, Gebhard-Müller-Platz und dem Platz am Neckartor gegenüber.

Keine Verklärung des Vergangenen

Ein, wie Aufbruch Stuttgart betont, „schmerzlicher Vergleich“. Vor 200 Jahren, unterstrich Ellen Strittmatter, „hätten wir diese Veranstaltung wohl noch ‚Stuttgart – Stadt der schönsten Plätze‘ genannt“. Der Verklärung des Vergangenen will die Schau dennoch nicht das Wort reden: Es gehe nicht um „Rückbau in den historischen Zustand“, betonen die Ausstellungsmacher. „Aber es muss jetzt gelingen, die überwiegend dem automobilen Verkehr vorbehaltenen Platzgefüge zu attraktiven, menschengerechten, fußgänger- und fahrradfreundlichen Stadträumen umzugestalten.“

Neben den Bannern, die sich den sieben urbanen Plätzen und ihrer Entwicklung in Text und Bild widmen, zeigt ein großes Modell des Innenstadtbereichs, was rechts und links der Bundesstraße 14 möglich sein könnte. Der Leonhardsplatz umfasst in diesem Stadtmodell zum Beispiel die gesamte Fläche, die heute noch vom Züblin-Parkhaus überbaut ist und 2023 nach Abriss des Parkhauses frei wird. Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin Stuttgart-Mitte, ist sichtlich angetan von dieser Idee und erinnerte daran, dass das Bürgerbeteiligungsprojekt zur Nutzung des Züblin-Areals in den Startlöchern steht.

Die Ausstellung „Stuttgarts verlorene Plätze“ im Stadtpalais ist noch bis 24. November zu sehen.

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