Autoindustrie Daimler meldet herbe Verluste

Von Yannik Buhl 

Der Konzern erhöht infolge des Dieselskandals seine Rückstellungen um 1,6 Milliarden Euro. Diesel-Kläger halten das für ein Schuldeingeständnis. Und zusammen mit schrumpfenden Absätzen bringt das den Autobauer in die roten Zahlen.

Der Schwede Ola Källenius ist seit Mai Daimler-Chef. Foto: dpa
Der Schwede Ola Källenius ist seit Mai Daimler-Chef. Foto: dpa

Stuttgart - Daimler wird 2019 vermutlich weniger Gewinn erwirtschaften als im Jahr zuvor. Das gab der Konzern am Freitag im Rahmen einer Gewinnwarnung bekannt. Schon vor drei Wochen hatte Daimler seine Gewinnprognose gesenkt und war davon ausgegangen, dass das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) maximal so hoch sein werde wie 2018.

Nun erwartet der Konzern weniger Gewinn als zuvor. Grund dafür ist laut Daimler, dass das Unternehmen noch einmal mehr Geld zurückstellen muss: ­Wegen Rückrufen von Airbags und wegen laufender Verfahren im Rahmen des Dieselskandals liegen nun insgesamt 2,6 Milliarden Euro mehr auf der hohen Kante.

Die Sparte Vans sorgt für große Verluste

Außerdem hat Daimler im zweiten Quartal einen deutlichen Verlust erwirtschaftet. Das Ebit lag bei minus 1,6 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Autobauer 2,6 Milliarden Euro verdient. Stark zum Verlust beigetragen hat die Sparte Vans mit einem Minus von zwei Milliarden Euro. Die schlechten Zahlen liegen laut Konzern an langsamen Produktionsanläufen und schrumpfenden Automärkten.

In der Autosparte wurden im Vergleich zu 2018 4,7 Prozent weniger Fahrzeuge ausgeliefert. In allen Weltregionen ging der Absatz zurück. Lediglich in China lieferte Daimler etwas mehr Autos aus als zuvor. Für den neuen Daimler-Chef Ola Källenius ist das die zweite schlechte Nachricht seit seinem Amtsantritt Ende Mai. Der Dax hat die neue Gewinnwarnung von Daimler am Freitag rasch verkraftet. Daimler-Aktien sackten zunächst ab, notierten zuletzt aber nur noch 0,9 Prozent im Minus.

Daimler bestreitet illegale Abschalteinrichtungen

Jürgen Pieper, Autoanalyst bei dem Frankfurter Bankhaus Metzler, hält die zwei Gewinnwarnungen innerhalb von drei Wochen für „sehr ungewöhnlich“. Daimler enttäusche die großen Erwartungen an den Konzern. Gerade mit Blick auf die zusätzlichen 1,6 Milliarden Euro Rückstellungen im Dieselskandal gelte es für Källenius nun aufzuräumen, was Vorgänger Dieter Zetsche ihm hinterlassen habe. „Nach knapp vier Jahren muss man sagen: Das wurde von Daimler extrem schlecht gemanagt“, findet Pieper.

„Wir nehmen die verschiedenen behördlichen Anfragen, Ermittlungen und Verfahren im Zusammenhang mit Dieselabgasemissionen sehr ernst“, sagte ein Daimler-Sprecher unserer Zeitung. Der Konzern stehe in engem Austausch mit den Behörden und kooperiere vollumfänglich – etwa mit dem Bundesverkehrsministerium, der Staatsanwaltschaft Stuttgart, den US-Umweltbehörden sowie dem amerikanischen Justizministerium, das Daimler seit 2016 im Visier hat.

Bislang bestreitet Daimler, dass man sich bei der Abgasreinigung nicht an die Gesetze gehalten hat. Das Kraftfahrt-Bundesamt sieht das anders und hat seit 2018 Rückrufe von rund 700 000 Fahrzeugen des Daimler-Konzerns wegen „illegaler Abschalteinrichtungen“ angeordnet.

Kläger: Rückstellungen sind Schuldeingeständnis

Dies ruft Verbraucheranwälte auf den Plan. Der amerikanische Anwalt Michael Hausfeld will gemeinsam mit dem Rechtsdienstleister Myright die Klagen Tausender Mercedes-Kunden bündeln. Bislang hätten sich deutlich mehr als 1000 Kunden bei dem Berliner Start-up gemeldet, sagte Myright-Geschäftsführer Jan-Eike Andresen. Er ist der Meinung, die hohen Rückstellungen, die Daimler wegen der Dieselproblematik getätigt habe, glichen einem Schuldeingeständnis.

Daimler hingegen setzt sich mit allen juristischen Mitteln gegen Schadenersatzklagen zur Wehr.