Autokonzert mit Melanie Diener in Waiblingen Klassikkonzert vor viel Blech

Von Annette Clauß 

Die Sopranistin Melanie Diener tritt am Sonntagabend in Waiblingen vor einem Publikum auf, das im Auto sitzt. Eine Premiere für die Opernsängerin, die dringend auf einen Impfstoff hofft, weil die Oper sonst keine Perspektive hat.

Macht auch gerne mal etwas Unkonventionelles: Melanie Diener singt am Sonntag bei ihrem ersten Autokonzert. Foto: Gottfried Stoppel
Macht auch gerne mal etwas Unkonventionelles: Melanie Diener singt am Sonntag bei ihrem ersten Autokonzert. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Abgesagt, verschoben, gecancelt: was macht eine Opernsängerin, wenn ihr wegen des Coronavirus ein Auftritt nach dem anderen wegbricht? Die Waiblinger Sopranistin Melanie Diener hat erst einmal gründlich das Haus geputzt – und die ersten vier Wochen des erzwungenen beruflichen Nichtstuns durchaus genossen. Inzwischen hofft sie auf das Jahr 2021 und darauf, dass die in jüngster Zeit abgesagten Auftritte nachgeholt werden – die Konzerte in Straßburg zum Beispiel oder das Engagement am Staatstheater Nürnberg, wo mit der Rolle der Färberin in der Oper „Frau ohne Schatten“ eine neue Partie gelockt hätte.

Eine ganz neue Herausforderung steht der Sopranistin allerdings schon an diesem Sonntag bevor: das erste Konzert in ihrer Berufskarriere, das sie vor einem in Autos sitzenden Publikum geben wird. „Das wird eine Premiere“, sagt Melanie Diener über diesen Auftritt der etwas anderen Art. Die Zuhörer müssen dabei ihre Autoradios auf die Frequenz 93,3 stellen, dann können sie Melanie Dieners Stimme und Eberhard Leusers Klavierspiel hören.

Flügel kommt erst am Sonntag

„Ich bin gespannt. Wie das im Auto ankommt, weiß ich nicht“, sagt Melanie Diener, die zwar Erfahrung mit Open-Air-Auftritten hat, aber diese fanden bisher auf einer großen Bühne und mit viel professioneller Technik statt. Für das Freiluft-Konzert, das im Jahr 2014 anlässlich der Heimattage auf der Waiblinger Brühlwiese veranstaltet wurde, war sogar ein am Konzertgelände vorbeiführender Straßenabschnitt gesperrt worden, um den Autolärm zu minimieren. Dieses Mal jedoch wird hinter der kleinen Nebenbühne auf dem Festplatz der Verkehr auf der Bundesstraße 14 vorbeirauschen.

„Der Flügel kommt erst am Sonntag“, sagt Melanie Diener. Am Sonntagvormittag wird es für sie und den Pianisten Eberhard Leuser, einen alten Bekannten, eine erste und einzige Akustikprobe geben. Danach flimmern die beiden Streifen „Die Heinzels“ und „Dr. Dolittle“ über die Leinwand des Autokinos an der Rundsporthalle. Und dann?

Ein Sprung ins kalte Wasser

„Der erste Teil des Konzerts wird klassisch, der zweite Teil besteht aus klassischen Musicals.“ Eine Pause gibt es nicht, Programmhefte ebenso wenig. Die Moderation macht Melanie Diener also gleich auch noch mit. Ja, sagt sie, das werde schon ein Sprung ins kalte Wasser: „Aber das sind gerade andere Zeiten, und man muss Unkonventionelles ausprobieren.“

Für das Jahr 2020 seien quasi alle Auftritte abgesagt, berichtet Melanie Diener: „Kein Mensch weiß, wie und wann es weitergeht.“ Eines steht für die Sängerin aber fest: „So lange es keinen Impfstoff gibt, ist das für die Oper tödlich. Wir können ja nicht mit Mundschutz singen.“ Allenfalls Liederabende im kleinen Rahmen seien möglich, sagt Melanie Diener, die froh ist, dass sie in Baden-Württemberg wohnt, einem Bundesland, dessen Ministerpräsident ein Freund der Oper ist.

Eine „freudige Überraschung“ ist für sie die Professur in Vertretung, welche ihr die Staatliche Hochschule für Musik in Trossingen angeboten hat. Vormittags steht daher Online-Gesangsunterricht auf dem Programm, eine gewöhnungsbedürftige Angelegenheit. Einige Studierende schalten sich beispielsweise aus China zu, auf Melanie Dieners Klavier steht ein Laptop – dann versuchen Lehrerin und Schüler gemeinsam zu singen, Rückkoppelungen und Internetaussetzer zum Trotz. Im September soll es wieder Präsenzstunden an der Musikhochschule geben. Hoffentlich, sagt Melanie Diener, denn: „Das Schlimmste ist diese Perspektivlosigkeit.“

Ein sommerlicher Liederabend

Konzert: Am Sonntag tritt Melanie Diener mit dem Pianisten Eberhard Leuser im Autokino Waiblingen auf. Zu hören gibt es Sommerlieder – von Lloyd Webber, George Gershwin und Duke Ellington
bis zu Richard Strauss.

Tickets:
Karten für das Konzert am Sonntag, 28. Juni, gibt es nur im Online-Vorverkauf. Das Konzert kostet 40 Euro pro Auto, im Preis enthalten sind Karten für zwei Erwachsene und zwei Kinder bis zum Alter von 17 Jahren. Der Einlass beginnt um 19 Uhr, das Konzert startet um 20 Uhr. Veranstaltungsort ist der Festplatz an der Rundsporthalle.




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