Baden-Württemberg So begründet die EnBW den Preisschock
Millionen Haushalte in Baden-Württemberg müssen sich auf steigende Stromkosten einstellen. Der Energieversorger EnBW dreht kräftig an der Preisschraube.
Millionen Haushalte in Baden-Württemberg müssen sich auf steigende Stromkosten einstellen. Der Energieversorger EnBW dreht kräftig an der Preisschraube.
Diese Nachricht lässt Millionen Stromkunden in Baden-Württemberg aufhorchen: Der Karlsruher Energiekonzern EnBW dreht beim Haushaltsstrom kräftig an der Preisschraube. Zum 1. April steigen die Tarife in der Grund- und Ersatzversorgung um 15,9 Prozent, wie Deutschlands drittgrößter Versorger am Dienstag ankündigte. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden (kWh) bedeutet dies Mehrkosten von monatlich rund 16 Euro.
„Wir sind uns bewusst, dass diese Preisanpassung eine Mehrbelastung für unsere Kundinnen und Kunden bedeutet“, sagt Volker Bloch, der bei dem Energieriesen für den Vertrieb verantwortlich ist. Der Manager rechtfertigt: „Wir sehen uns aber mit Kostenentwicklungen konfrontiert, die eine solche Maßnahme leider erforderlich machen.“
Tiefer in die Tasche greifen müssen auch Kunden, die Wärmestrom mit gemeinsamer Messung beziehen. Dieser wird um rund 4,5 Prozent teurer. Ein Beispielhaushalt mit drei Personen und einem jährlichen Verbrauch von 6300 kWh muss fortan acht Euro mehr im Monat berappen. Auch die anderen Tarife werden den Angaben zufolge in ähnlichem Umfang angehoben. „Mit der Preismaßnahme zum 1. April 2024 liegt der Preis beim Haushaltsstrom der EnBW in der Grund- und Ersatzversorgung zum aktuellen Zeitpunkt leicht über dem Durchschnittspreis im Markt“, teilte der Versorger mit.
Als Hauptgrund für die Preissteigerung nannte EnBW die deutliche Erhöhung der Netzentgelte. Die Ampelkoalition hatte im Dezember im Zuge der Haushaltskrise beschlossen, den Bundeszuschuss zum Netzentgelt von 5,5 Milliarden Euro 2024 zu streichen. Die vier großen Fernleitungsbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und Transnet BW kündigten daraufhin an, die Netzentgelte zum Jahreswechsel von 3,1 auf 6,4 Cent pro Kilowattstunde mehr als zu verdoppeln. Die Netzentgelte sind auf jeder Stromrechnung angegeben. Die Gebühr macht knapp ein Viertel des Strompreises aus.
Ein weiterer Kostenfaktor für die Preisanpassung seien „ außerordentlich hohe Beschaffungskosten“, insbesondere aus dem Energiekrisenjahr 2022. Zugleich seien auch staatliche Abgaben, Umlagen und Steuern gestiegen, die ebenfalls Teil des Strompreises für Haushalte sind.
Bisher sind bei den meisten Stromkunden im Land keine Preiserhöhungen angekommen. Wer Strom- und Gastarife vergleicht, findet dieser Tage sogar günstigere Angebote als vor einem Jahr, wie aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Experten raten Verbrauchern nun, die Verträge zu prüfen und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln.
Höhere Kosten drohen aber auch Kunden anderer Energieversorger. „Nicht nur die EnBW auch andere Versorger erhöhen zum 1. April und das nicht zu knapp“, sagt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Besonders bei den Grundversorgern rechnen wir mit einer Preisanpassungswelle in den nächsten Wochen“, ergänzt Steffen Suttner vom Vergleichsportal Check 24. Diese Befürchtung teilt Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Wegen der kurzen Frist sei es vielen Versorgern noch nicht möglich gewesen, die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. In der Grundversorgung müssten Erhöhungen sechs Wochen vorher angekündigt werden, bei anderen Verträgen in der Regel mindestens einen Monat vorher, so Andreae. Sie gehe davon aus, dass die meisten Versorger die Erhöhung bald nachholen und die gestiegenen Kosten für die Netzentgelte an die Verbraucher weitergeben werden.