Barocke Gärten in Ludwigsburg Der Blüba-Besuch wird digital

Von Michael Bosch 

Bislang gab es in den Gärten rund um das Residenzschloss in Ludwigsburg wenig über deren Geschichte zu erfahren. Das ändert sich nun mit einer neuen App, mit der man per Smartphone durch 300 Jahre Blühendes Barock wandern kann.

Mit Handy und Kopfhörern gibt es im Blühenden Barock seit kurzem sehr viel mehr zu entdecken. Foto: factum/Simon Granville
Mit Handy und Kopfhörern gibt es im Blühenden Barock seit kurzem sehr viel mehr zu entdecken. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - Eigentlich ist das Blühende Barock in Ludwigsburg viel zu schön, um bei einem Spaziergang durch die Gärten auch noch andauernd auf das Smartphone zu schauen. Was in S- und U-Bahnen schon seit langem Normalzustand ist – kaum einer kann den Blick vom kleinen Bildschirm lösen –, wirkt in den Gärten, die das Residenzschloss von drei Seiten umschließen, äußerst fehl am Platz. Zu viel gibt es zu entdecken, zu schön ist die Blütenpracht, die der Blüba-Direktor Volker Kugel und sein Team jedes Jahr in die Beete zaubern.

Und doch: Den ein oder anderen Besucher gibt es, der mit dem Handy in der Hand umherschlendert – nicht nur, um Fotos zu schießen. Seit kurzem gibt es dafür sogar einen Grund. Es ist sogar gewollt, dass der Besucher das Mobiltelefon zückt. Mit der neuen App „BlüBa Rundgang“ können Besucher den 30 Hektar großen Schlosspark und seine 300-jährige Geschichte auf ganz neue Art und Weise erleben. Der digitale Audioguide zeichnet die Entwicklung der Gärten von 1704 bis in die Gegenwart nach. Wann zum Beispiel wurde das große Wasserbassin im Südgarten angelegt? Und woran kann man erkennen, dass Ludwigsburg einst eine Opernmetropole von Weltgeltung war? Diese und ähnliche Fragen werden auf dem über eineinhalb Stunden langen Rundgang beantwortet.

Fördermittel kommen vom Finanzministerium

Ein „wirre Idee“ davon, die Geschichte der Gärten besser erlebbar zu machen, hätten er und sein Team schon seit längerem gehabt, sagt Volker Kugel. „Nur, wie wir das alles digital erzählen können, das haben wir nicht gewusst. Alleine hätten wir dieses Projekt nicht stemmen können.“ Aber mit Fördermitteln des Landesfinanzministeriums ging es. Das steuerte das nötige Geld im Zuge der Digitalisierungsstrategie „digigtal@bw“ für die App bei, entwickelt hat sie das Stuttgarter Unternehmen Scope Digital Arts. Das Blüba gehört neben der Festungsruine Hohentwiel zu den ersten Kulturliegenschaften, die virtuell rekonstruiert wurden. Nach der Erprobungsphase soll das auch mit weiteren staatlichen Kulturdenkmälern in Baden-Württemberg geschehen. Deshalb hatte Volker Kugel in dieser Woche auch Besuch von Mitarbeitern aus dem baden-württembergischen Innenministerium, die an einem ähnlichen Projekt arbeiten.

Aus unserem Plus-Angebot: So sieht es im heimischen Garten des Blüba-Chefs aus

„Auch die Resonanz, derjenigen Besucher, die die App ausprobiert haben, ist gut“, sagt Kugel. Zumindest bei der überwiegenden Mehrheit. Ein älterer Herr habe sich über die zu kleinen Buttons in der App beschwert. Und der interaktive Guide schont auch den Akku nicht – zumindest war das bei unserem Test so. „Die Hauptsache ist, dass die App funktioniert“, sagt Kugel. Er sieht das digitale Angebot als langfristiges Projekt, das stetig verbessert wird und auch noch an Bekanntheit gewinnen muss.

Außer Frage steht, dass Blüba-Besucher auf dem interaktiven Rundgang jede Menge erfahren, was ihnen ohne Handy wahrscheinlich verborgen geblieben wäre. Die App umfasst fast 50 Audiobeiträge, mehr als 200 historische Bilder und 50 Infoboxen. Der Rundgang ist in acht Haupt- und viele Unterstationen aufgeteilt, die auf einer interaktiven Karte markiert sind. Diese Karte steht auch offline bereit. Das ist der Grund, warum Volker Kugel auch keine Bedenken hat, dass ihm ein Besucher vor lauter auf das Handy gucken in eines seiner Blumenbeete stolpert.

Ein Nachschlagewerk für zuhause

Er geht davon aus, dass viel Besucher den Guide auch als Nachschlagewerk nutzen und daheim das Blühende Barock nochmal mit dem Finger auf der digitalen Karte durchwandern. Die Audioschnipsel sind in der App auch als Text verfügbar. Selbst an diejenigen Besucher, die kein Smartphone haben, haben die Verantwortlichen gedacht. Sie können sich die Inhalte des Blüba-Rundgangs in zwei neuen Ausstellungsräumen im Märchengarten auf geeigneten Geräten ansehen. In einem Raum gibt es große Touchscreen-Bildschirme, im anderen Raum eine kurzweilige filmische Zusammenfassung der digitalen Gartengeschichte. Die über eineinhalb Stunden lange Tour ist dort auf achteinhalb Minuten komprimiert.

Trotz all der neuen Technik, will Volker Kugel das Erlebnis von duftenden Blumen, sprudelnden Springbrunnen und zwitschernden Vögeln weiterhin im Mittelpunkt wissen. Er freut sich zwar über das neue Angebot: „Aber wir wollen kein digitaler Spielplatz werden.“




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