Basketball-Bundesliga Der Beginn eines goldenen Zeitalters?
Ludwigsburgs Basketballer standen zuletzt viermal im Halbfinale – das muss nicht so bleiben. Denn in der Bundesliga hat sich einiges verändert, auch der Modus.
Ludwigsburgs Basketballer standen zuletzt viermal im Halbfinale – das muss nicht so bleiben. Denn in der Bundesliga hat sich einiges verändert, auch der Modus.
Alles für Gelb, heißt es bei den MHP Riesen Ludwigsburg angesichts ihrer Vereinsfarben. Erhält dieses Motto nun ein Update, das da lautet: goldene Zeiten in Gelb? In Anbetracht des erstmaligen WM-Titels der deutschen Basketballer, der auf die Liga abfärbt, wenngleich in der an diesem Mittwoch beginnenden Saison nur vier der Helden auf dem Parkett zu erleben sein werden: neben den drei Münchnern Andreas Obst, Isaac Bonga und Niels Giffey noch der Berliner Johannes Thiemann, der einst bei den MHP Riesen gespielt hat. Deren Vorsitzender Alexander Reil betont bei aller Euphorie: „Wer glaubt, dass wir mit dem ersten Spiel doppelt so viele Zuschauer in den Hallen haben werden, der liegt falsch.“ Das wäre zumindest in Ludwigsburg auch nicht möglich, weil die MHP-Arena mit maximal 4200 Plätzen schon in der Vorsaison zu mehr als 90 Prozent ausgelastet war.
Doch vielleicht konnte das WM-Gold zumindest indirekt dazu beitragen, dass ein langjähriger Sponsor wie die Sparda-Bank den Vertrag vorzeitig bis 2026 verlängert hat, womit auf jeden Fall mehr als zwei Dekaden Partnerschaft vollbracht wären. „Ein starkes Signal“, betont Reil, der als Liga-Präsident stets auch über den Tellerrand hinausschaut. Und in diesem Zusammenhang den Deal mit dem neuen Medienpartner Dyn positiv sieht, was Aufmerksamkeit und Reichweite betrifft, aber stillschweigend sicher auch in puncto Wirtschaftlichkeit. Denn die Vereine dürften aus diesem Portfolio künftig doppelt so viel Geld erhalten wie unter dem langjährigen Partner Telekom, den Reil aber nochmals lobend erwähnt: „Ohne Magenta Sport stünden wir heute nicht hier.“
Doch jetzt beginnt ein neues Zeitalter, wobei in Ludwigsburg als Halbfinal-Stammgast in den vergangenen vier Jahren die Erwartungshaltung im Umfeld inzwischen durchaus hoch ist, was Reil manchmal etwas Bauchschmerzen bereitet. Er bleibt lieber Realist und will sich deshalb bei den Zielen auch nicht auf einen Tabellenplatz festnageln lassen, wenngleich er zumindest einräumt: „Als Zehnter die Pre-Play-offs zu erreichen wäre nicht so prickelnd.“
Auch das ist eine Neuerung, um den Spannungsbogen zu erhöhen. Wie schon in anderen Sportarten (wie Eishockey) haben nur noch die besten sechs Clubs nach der Hauptrunde die Play-offs sicher, die beiden verbleibenden Plätze werden von den Teams der Ränge sieben bis zehn ausgespielt – gewissermaßen ein Minimalziel der Riesen.
Auch wenn deren Trainer Josh King in seinem zweiten Jahr als Chef den Ball ebenfalls bewusst flach hält – trotz der neun Siege in zehn Vorbereitungsspielen: „Aber wir wollen nicht jetzt unser bestes Basketball spielen, sondern gegen Ende der Saison.“ Dazwischen soll sich das Team kontinuierlich verbessern. Tag für Tag, Spiel für Spiel. Zumal – ein Novum seit 2012 – in der Vorbereitung kein einziger Profi ausgetauscht worden ist, bisher zumindest. King: „Wir sind mit dem Scouting sehr zufrieden, haben eine talentierte Mannschaft.“ Aus der sticht bisher der von Limoges gekommene Jayvon Graves hervor, doch King betont: „Wir wollen uns nicht auf ein, zwei Spieler fokussieren, sondern auf das Team als solches.“ Zumal der ebenfalls starke Deion Hammond (zuletzt ZZ Leiden) mit einer Sprunggelenkverletzung nochmals zwei Wochen ausfallen könnte.
Da sollten keine weiteren Ausfälle dazukommen, zumal bald auch die Champions League beginnen wird, ein ebenso lukrativer wie auch belastender internationaler Wettbewerb. Je nachdem, wie die Mannschaft dabei – und in Sachen Play-offs in der Liga – abschneiden wird, soll sich der Etat bei fünf bis sechs Millionen Euro einpendeln, womit die Riesen sicher kein Halbfinal-Kandidat sind und somit in den vergangenen Jahren stets überperformt haben. Zumindest gibt ihr Chef Reil zu: „Natürlich wollen wir das Maximale rausholen.“
Das Fachmagazin „Big“ hat die MHP Riesen, die an diesem Freitag (20 Uhr) gegen die Towers aus Hamburg in die Saison starten, jedenfalls auf Platz sechs eingestuft, doch auch Experten können sich bekanntlich täuschen. Oder wer hätte vergangene Saison auf ein Finale zwischen Ulm und Bonn getippt?
Pre-Play-offs
Ab sofort spielen die Teams zwischen Platz sieben und zehn nach der Hauptrunde die beiden letzten Play-off-Plätze aus. Der Siebte spielt dabei gegen den Achten, der Sieger ist qualifiziert. Der Verlierer trifft noch auf den Gewinner der Paarung Neunter gegen Zehnter; wer dieses Duell gewinnt, kommt als letztes Team in die Play-offs.
Pokal
Erstmals nach vielen Jahren durften im Pokal-Wettbewerb auch wieder sechs Teams der zweiten Liga (Pro A) in der ersten Runde antreten. Von denen konnten sich allerdings nur die Gießener (mit Ex-Nationalmannschaftskapitän Robin Benzing) für die zweite Runde qualifizieren, die am 14./15. Oktober ausgetragen wird.