Bauernprotest in Stuttgart 3000 Traktoren, verstopfte Straßen – und ein Rind

Über Stunden bestimmen am Dienstag die Traktoren das Straßenbild in der Landeshauptstadt. Foto: 7aktuell/Alexander Hald

Eine Sternfahrt der Landwirte aus weiten Teilen Baden-Württembergs führt am Dienstag nach Stuttgart. Wie beurteilt die Polizei die Verkehrslage?

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Der Protest am Dienstag ist angekündigt worden als „Größte Bauern- und Mittelstandsdemo aller Zeiten“. Diese Einordnung stammt von den Veranstaltenden, dem Verein „Land schafft Verbindung Baden-Württemberg“. Groß war die Sternfahrt der Landwirte auf jeden Fall – und etwa von 9 Uhr an auch wahrnehmbar in der Landeshauptstadt. Da erreichten die ersten Fahrzeuge die Stadtgrenze, tuckerten auf der Bundesstraße 27 übers Körschtal oder auf der Bundesstraße 10 von Esslingen gen Landeshauptstadt. „Irgendwann waren alle Einfallstraßen voll“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Der Bauernprotest in dieser Form sei „eine Herausforderung für unsere Verkehrspolizei“, denn bei einer so großen Menge kommt das beste Verkehrslenkungskonzept an seine Grenzen.

 

Rund 3000 Fahrzeuge landen nach und nach auf dem Wasen

Um kurz nach halb zehn bogen am Dienstag die ersten zwei Landwirte mit ihren Fahrzeugen von der Bundesstraße 10/14 auf die Gaisburger Brücke ab. Die Waiblinger waren Vorboten für viele weitere Bauern, die nach und nach unter einem lauten Hupkonzert auf dem Cannstatter Wasen eintrafen. Lastwagenfahrer zeigten sich solidarisch und stimmten im Vorbeifahren mit ein. Je näher der Start der Protest-Kundgebung rückte, umso mehr Traktoren tuckerten auf das Gelände an der Mercedesstraße – vom kleinen Allgaier-Klassiker bis zum riesigen Fendt-Ungetüm. Nachzügler aus der Region erreichten Bad Cannstatt teilweise erst mit einiger Verspätung. Laut der Polizei zog sich die Anreisewelle bis gegen 14 Uhr. Es sollen dann rund 3000 Fahrzeuge auf dem Festgelände angekommen sein – eine Zahl, die die Polizei nicht offiziell bestätigt. Rund um die Fahrzeuge sollen etwa 5000 Teilnehmende gewesen sein – und ein Rind. Die Verkehrsbehinderungen zogen sich über mehrere Stunden hin. Als die letzten auf dem Wasen ankamen, war die Kundgebung schon beinahe gelaufen und die Rückreisewelle begann. Es seien auch nur sehr wenige Beschwerden gekommen von Anrufern, die genervt waren.

Darf ein 15-jähriger Junglandwirt allein zur Demo fahren?

Pünktlich war am Morgen ein 15 Jahre alter Landwirt, der schon voll in den Familienbetrieb integriert ist und sich am Dienstagfrüh selbstständig mit seinem Traktor in Richtung Wasen aufgemacht hatte, um auch zu demonstrieren. „Ich darf ihn dank einer Sondergenehmigung schon fahren“, so die Einschätzung des Jugendlichen. Zweifel an dieser Aussage hat man indes im Polizeipräsidium Stuttgart. Der junge Bauer wurde zwar nicht kontrolliert, generell dürfe er mit dem Traktor-Führerschein landwirtschaftliche Maschinen aber nur bewegen, wenn sie auch für solche Zwecke eingesetzt werden. „Zu einer Protestaktion fahren, zählt da wohl nicht dazu“, sagte Polizeisprecher Stephan Widmann.

Zwischen 16 und 17 Uhr bestimmten dann bei der Abreise wieder Traktoren das Straßenbild in der Landeshauptstadt. Allerdings waren sie nun nicht mehr im Pulk unterwegs. Einzelne Nutzfahrzeuge oder zwei bis vier in kleinen Grüppchen, fast, als hätte es eine Blockabfertigung gegeben, tuckerten zügig über den Charlottenplatz gen Degerloch. „Auf der Rückfahrt dürfen sie nicht mehr im Konvoi fahren, da werden sie auch nicht mehr von uns begleitet, es gilt ganz normal die Straßenverkehrsordnung“, so Widmann. Das heißt, dass die Gruppen an einer Ampel auch getrennt werden können, da sie nicht alle zusammen über die Kreuzung kommen.

Insgesamt, so das Fazit der Polizei, sei es ein herausfordernder Einsatz gewesen. Aber das befürchtete ganz große Verkehrschaos sei am Dienstag trotz der vielen Tausend Traktoren in der Stadt ausgeblieben.

Weitere Themen